Rocky 05 – Port Pu
Port Pu! Oder Portbou. Es liegt am Ende der Pyrenäen zum Mittelmeer. Eine Grenzstadt zu Frankreich. Einst soo wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, weil es in Spanien ein eigenes Spursystem gegeben hat, das sich vom Rest Europas unterschieden hat. Die Fahrgäste mussten damals hier oft einen Tag lang warten, bis sie weiter fahren konnten. Das änderte sich erst langsam nach des Diktators Francos Tod. 1974 war.
Alsoo sind diese Fahrgäste geblieben. Sind speisen gegangen, in die soo vielen Restaurants. Auf den täglichen Markt. Richtung Süden 220 Kilometer Steilküste. Autobusse im Stundentakt bis 22.00 Uhr, glaubt Rocky (noch), die Küste entlang. Und links rauschte das Meer, wenn man/fra ein wenig spazierte. Alle paar hundert Meter ein Getränkestand. Segelschiffe flogen übers Wasser. Ein Dampfer vor dem Horizont. Versexte Nischen zwischen den Felsen. Das Gekreisch der Möwen, der Duft von Pinien, da und dort auch von Zistrosen, den der sanfte Wind, wenn er übers Festland kam, verwehte.
Heute ein bloß noch beschaulicher Ort, nur noch 1.200 Einwohner. Seit auch die Spanier unser Spursystem übernommen hatten und die Züge durchrasen konnten. Zu Rockys Zeit jedoch eine vor lauter Hippies und sonstig lustiger Hiniger soo übersprudelnde Stadt. Dann sind alle soo geilen Deppen weiter nach Ibizza gezogen. Auch von Torremolinos & Co.
Der Bauer hat ihn direkt auf dem Markt dort absteigen lassen. Rocky winkte noch, doch die Zwei drehten sich nicht um. Nicht einmal soo eine Hand erhebten sie zum Abschied. Nun ja, was sollten sie auch zu soo einem „Mann“ sagen, der kaum ein Wort Spanisch kannte, und ja eh nur hinten auf dem Anhänger gesessen ist?
Rocky dachte zum ersten Mal in seinem Leben von sich
als Mann. Verdammt! Karate konnte er auch. Und das nicht schlecht für sein Alter. Und soo ein noch nicht ganz soo dicht dichtender Dichter war er ja auch. Er konnte zig Gedichte auswendig. Auch ein paar soo eigene. Auch englische Lied-Texte von Jim Morrison, Frank Zappa & all ihren Cos. Alsoo, bitte, was konnte ihm schon passieren?
Nun ja, die spanische Polizei könnte ihn hier aufspüren. Der Grenzbeamte hat aber nicht einmal richtig auf seinen Pass geschaut und ihn weiter gewunken. Nee, er verschwindet einfach in diesem Heer von Touristen aus der ganzen Welt. Und macht es sich dort unten auf dem Strand gemütlich. Geld hat er genug in seinem Gürtel.
Verdammt! Das Messer!? Auch entsorgen? Wie den Schlafsack und das T-Shirt? Nee! Aber im Meer gut waschen.
In Rocky gggggrrrrrhhhhhte es! Er hatte schon wieder einen Menschen getötet! In Kopf, Herz und Seele soo ein beschissenes „Scheißen“ war. Hin und her. Sein Neues Mann-Sein gewann! Und er wollte einen irre geilen Urlaub haben! Alsoo scheiß drauf! Atme atmete in seinem Kopf herum. Doch sein Leben musste irgendwie weiter gehen. Entschuldige, bitte, Atme! Du warst mein bester Freund und auch Kampfgefährte. Rocky wusste: Atme würde es da unten in Mutter Erdes Himmel schon verstehen.
Ein Gggggrrrrrhhhhhen in ihm war, soo ununvorstellbar. Alsoo ging er durch den Markt. Er kaufte sich ein geiles Jimi Hendrix-TShirt in Dunkelblau mit seitlich hoch gerissener goldener Gitarre, und einen leichten Sommerschlafsack. Um gute 20 Schilling. Sein alter, der auch nicht besser war: Zu Hause 150. Zwei Mineralwasser-Flaschen, je 1 Liter. 50 Groschen? Rocky weiß es heute nicht mehr. Steht nicht in seinem Tagebuch. Jedenfalls nicht viel.
Und an einem Paella-Stand hat er sich noch vollgefressen. Da gab es auch soo eine irre gute Asturische Fabada mit Schweinefleisch, weißen Bohnen in Paprika-Soße, alsoo soo einer Art Gulaschsuppe. Ein Fladenbrot dazu und eine Cola. Soogar ein Coca Cola, um Schilling 1,20, umgerechnet. Jedoch im Verhältnis zu einem Bier sauteuer. 50 Groschen. Spanien war ja noch soo ohne Euro. Und fünf Fladenbrote, die er mit dem Wasser in seinem Rucksack verstaute.
Und dann ab Richtung Strand. Geh scheißen! Soo Steilküste war. Da ging es ewig weit hinunter, auf einer Art Ziegenpfad, oder was auch immer. Stellenweise einen Meter und einen halben breit. Sonst nur einen. Alle Felsplatten bemalt. Soo wie es sich für eine ordentliche weltweit berühmte Künstlerkololoolonie gehört. Leute kamen herauf, und Leute gingen hinunter. Auch soo zwei Meter Wände hoch waren bemalt. Soo ein Perry Rhodan war echt geil. Kunst? Ja, soo ein Geschenk ans zeitliche Nichts. Irgendwann soo verblasstes und vom Regen soo verwaschenes
KünstlerInnen-Ich. Und irgendwann niemals wieder von seinen MalerInnen nachbemalt.
Verdammt! Rocky hatte eigentlich vor Nichts Angst. Jetzt schon gar nicht mehr. Doch er hatte soo ein Bisschen Höhenangst. Diese Höhenangst hat ihm Zeit seines Lebens immer wieder soo ein Bein gestellt. Sie hat ihm immer wieder Zeit gekostet. Zum Beispiel ist er einmal zu seiner Schande bei einer Bergwanderung über einen Baumstamm über eine Schlucht hinweg gekrochen. Auf allen Vieren. Alle Leute haben gelacht. Selbst die Frauen sind die gut 5, 6 Meter einfach schnell darüber gegangen. Seine Scheiß-Höhenangst.
Die Leute schubsten ihn an die Wand und zogen vorbei, von Unten und von Oben. Ein Serpetinen-Weg. Fünfzig Meter hin und sechzig Meter her. Und wieder. Da riss er sich zusammen und stolperte sich an der Wand entlang handelnd nach Unten. Je näher dieses Unten gekommen ist, umsoo schneller ging es. Schon ziemlich weit unten kniete ein herrlich schönes Weib auf den Felsplatten, das T-Shirt voller Farbpatzer. Der rote Mini auch. Die Arme und die Beine auch. Und sie malte einen schon soo verblassten und soo zertretenen Jesus auf einer der Felsplatten nach. Sie verpatzte ihn. Ein soo großer Pinsel machte patz und patz und patz und spritzte. Man/fra musste darüber springen. Klar. Alle wussten!
Springen? Rocky sah das erste Mal wieder hinunter. Gute 6 Meter noch. Seine Höhenangst vertschüsste sich. Sein Hirn hirnte wieder. Er sah auf die Malerin hinunter.
„Soo ein Jesus ist nicht!“
Sie sah auf: „Oh, doch. Ich male meinen Jesus nach, vom Vorjahr. Das ist mein Jesus. Alsoo ist
Jesus.“
Rocky war ja nicht dämlich. Er verstand. „Von woher kommst Du?“ „Aus Berlin. Aus Westberlin. Ich bin nun schon das vierte Jahr im Sommer hier. Ich verkaufe meine Bilder auf dem Markt. Meine Jesus- und Maria-Bilder verkaufen sich am Besten.“
„Verkaufen? Hihi! Das hört sich gut an. ..... Ach ja, haha, ich habe Höhenangst. Entschuldigung! Hast Du eine Ahnung, wo ich hier meinen Schlafsack aufschlagen kann? Und woo etwas los ist? Musik und soo? Wow! Jetzt geht es wieder!“
„Ja, klar. Siehst Du dort hinten am Strand die drei soo dunkelgrünen Zelte? Die Großen. We are the Greens. Die kommen alle aus der ganzen Welt. Die zwei aus Somalia, die haben soogar ihre Trommeln mit. Der Engländer spielt Gitarre. Die erste Querflöte kommt aus den Niederlanden, die auch auf Glocken und Glöckchen spielt. Die zweite und die Mundharmonika manchmal, die spiele ich. .... Du siehst nett aus. Sag denen, Du kannst dort dein Lager aufschlagen. Schauen wir einmal,
Kleiner!“
„Kleiner? .... Ich bin einszweiundneunzig.“ Da blickte sie ihm von da unten ganz tief in die Augen und lachte: „Na ja!“ Dann malte sie weiter.
Rocky lachte in sich hinein. Er wusste, er hatte vielleicht gerade eine Freundin gewonnen. Auch wenn sie soo älter als er war. Und da drehte er sich um:
„Rot blüht die Rose der Lust.
Rosig glüht die Knospe auf deiner Brust.
Einen Menschen, wie mich, zuuuu lieben,
ist nicht guuuut. Ach, hihihi,
dass Du mich hast lieben gemusst.“
Dann ging er einfach weiter. Sie drehte sich im Knien um
und sagte laut: „Hermann Hesse. ..... Ich liebe seinen Steppenwolf, mit den Gedichten. Geh zum Zelt in der Mitte. Und sag Rosa „Mal sehen“. Und über meinen Jesus reden wir noch.“
Rocky ging einfach weiter. Ein innerliches Grinsen war in ihm. Alsoo zu den drei großen grünen Zelten. The Greens? Was immer Das auch sein mochte, es hörte sich guuuuut an.
Er stapfte über den Strand bis fast zu seinem Ende. Da und dort spielten Musiker und Musikerinnen. Maler und Malerinnen saßen vor ihren Staffeln herum, malten das Meer mit den Schiffen, manche die Felswand dahinter, oder malten Portraits. Einer malte nur Arme und die Hände und Füße. Soo fast Foto-getreu. Herrlich! Auch mit Bleistift.
Rocky ging alsoo zu den drei grünen Zelten. Eine Blonde stand vor einem Tisch und würzte Hendelhaxen. „Bist Du Rosa?“ „Yes.“ „Diese Dame da oben, die malt, hat zu mir gemeint, ich könnte hier bei Euch mein Lager aufschlagen.“ Sie sah kurz auf, sah mich kurz an und arbeitete weiter: „Da oben malen drei Ladies. Wen meinst Du?“
„Ugh! Sorry! Ich habe sie nicht gefragt. Habe ich vergessen. Die erste oben, die, die ihren Jesus neu malt. Und sie hat gemeint, ich soll Euch sagen. „Mal sehen“.“ Da hat diese Kölnerin gelacht und gemeint: „MM! Okay, such Dir einen Schlafplatz, und mach' Dich nützlich. Kannst die Tomaten schneiden. Heute abend gibt es hier eine Party.“
Rocky kapierte langsam, das größere grüne Zelt war ein deutsches. Links rum waren die Engländischen und rechts rum die Französischen. Rund um noch ein paar andere, nicht grün. Normale Drei- und Viermannzelte. Elf junge Frauen, doch um ein paar Jahre älter, als er. Nur zwei Männer. Der eine schon alt, also soo gegen fünfzig. Der andere ziemlich beleibt. Verdammt! Woo, bitte, ist er? Ist das ein Weiberlager, in dem es auch ein paar Männer gibt, soo wie oben beschrieben? Und soo ein noch Grüner hinter den Ohren darf auch herein? Wo sind alle die Leute?
Na klar! The Greens! We are The Greens! Die Grünlinge, alsoo die noch soo Grün hinter den Ohren. Soo hat diese Malerin es oben gesagt. Und dieses Luder unten hat ihn dann auch noch voll auflaufen lassen. Zwei soo geile Mistviecher von soo echt geilen Weibern.
Um 18.00 Uhr war das Große Fressen angerichtet. Drei Lagerfeuer brannten. Dazu standen ein paar Griller herum. Rocky hat brav die vielen Tomaten und dann auch noch die Zwiebeln geschnitten. Das Luder hat ihm grinsend bei den vielen Zwiebeln mit einem Papiertaschentuch, natürlich einem sauberen, die Tränen von den Augen gewischt. Irgendwie war das lustig.
Kurz davoor kamen dann die Männer. Acht. Die waren irgendwoo da einen Kilometer weiter den Strand hinunter Fußballspielen. Hier ging das ja nicht, zu wenig Platz. Rocky verstand. Das war kein Weiberlager für grüne Jungs. Nun ja, irgendwie soo halt. Und noch ein paar Zuseher und gut 20 Zuseherinnen. Ein paar andere Leute waren surfen. Oder waren bei ihrem Stand oben auf dem Markt. Über 50. Und Rocky war erst 17. Wohl der jüngste. Er hatte ja, was soo einen Urlaub alleine anbelangte, noch null Ahnung. Er musste ja noch soo viel lernen.
Lauter soo Neue Grüne. Die Ersten. Rocky hörte Abends und auch Tags über brav zu und dachte mit der Zeit, soo grün wollte er auch sein. Und soo rot soozial war er ja soowiesoo.
Und dann lag Rocky am zweiten Tag neben MM. eMeM. Sie hieß eigentlich Maria Magdalena. Soo einem Grünen gefiel das nicht soo, doch MM hat ihn mit einem Blick weggeschickt. Soo ein Feminismus war. Rocky hatte schon davon gehört.
Rocky machte am Lagerfeuer ein wenig auf Hermann Hesse, Gottfried Benn, Jakob van Hoddis und andere. Für die Englischen machte er auf Jim Morrison, Arthur Lee & Love & Cos. Für die Franzosen hatte er leider Nichts. Doch das machte Nichts. Und alle konnten zumindest ein wenig Deutsch, Englisch ging auch. Mit den zwei Somaliern. Wenn die zwei Nachts mit den Trommeln los legten, dann glänzten die im Rhytmus aus dem Meer heraus springenden Delfine samt den Wassertropfen im Mondlicht ins Nächtenichts des Meeres dahin. Und kamen doch immer wieder.
Rocky dichtete die Brustwarzen von MM am Strand im Meerwasser liegend zu einem gewaltigen Ständer. Fast einen Zentimeter hoch. Seine 10 Finger mochte sie. Egal, woo sie soo waren. Seine soo zart dahin kratzenden Fingernägel. Seinen elften soowiesoo. Drei Wochen flossen dahin und waren nicht mehr. Drei Wochen Sonne, Sand und Meer und Urlaub waren dahin. Scheiß drauf. Soll ihn die Gemeinde doch kündigen. Sein Bürgermeister mochte ihn. Und seine Geschichte mit Atme war ihm klar. Und wenn nicht, egal. Alsoo hat er zu Hause angerufen. Seiner Mama gesagt, dass er noch nicht zurück kommen werde. Atme atmete noch immer in seinem Kopf herum, in seinem Herzen, in seiner Seele. Und er wäre gerade im Paradies. In Port Pu. Mama hat geweint und gemeint: „Was ist mit Deinem Job bei der Gemeinde?“ Rocky auch. Und dann waren seine Pesos aus. Dabei sind es viele Pesos gewesen. Dieses Telefonieren nach Hause war damals noch verdammt teuer.
Irgendwann dann gegen Ende des Sommers ist Rocky sein Geld ausgegangen. Alsoo doch ab nach Hause. Und soo Puppi-Hasi-di mal Puppi-Hasi-da den Daumen raus. An den Tankstellen. Doch soo gevögelt hat er nicht mehr. Zu Hause dann natürlich schon. Wieder. Er hatte ja soo ein Problem: Er musste sich selbst immer wieder aufs Neue beweisen, dass er ein Mann war. Seine Sucht nach Sex war ihm irgendwie zuwider. Doch nur soo irgendwie.
Doch irgendwann dann soo voor 19 lief ihm seine Sivvy über den Weg. Mit noch nicht 17. Ihr kennt sie ja schon. Diese Lady aus dem soo duftenden und dann ihrer Beider Haut soo beißenden Maiglöckchenfeld.
Copyright by Lothar Krist (02./03.01.2025 von 19.25 – 00.30 Uhr und von 19.45 bis 22.00 Uhr)
In Port Pu ist natürlich noch soo Einiges passiert. MM war leicht pädophil, wie damals alle Grünen. Dieses "The Greens" hatte damals noch andere Bedeutungen. Davon irgendwann einmal später. Doch Rocky fährt gerade eine neue und soo irre Geschichte im Kopf herum. Sivvy. Außerdem fängt nun „Spartacus“ an auf Tele5. Soo ein Spartakus wäre Rocky ja auch immer soo gerne gewesen. Wenn bloß nicht diese Geschichte mit Atme
gewesen wäre. Rocky ist dann niemals wieder in einen Ring gestiegen. Und soo wurde er vergessen.
Hihi!
Ach ja, das spanische Bahnnetz:
Das gesamte Bahnnetz in Spanien ist heute soo circa 15.600 Kilometer lang. Davon weisen 72 Prozent die iberische Spurweite von 1.668 Millimetern auf. Zudem verfügt das Land über ein Hochgeschwindigkeitsnetz mit der international gängigen Spurweite von 1.435 Millimetern. Diese Spanier können selbst heute mit der Eisenbahn noch immer nicht einfach soo durchs Land fahren. Soo ein bloß aus Spurbreitengründen müssendes Umsteigen ist noch immer angesagt. Keine Ahnung, ob dies irgendwoo in der EU noch soo ist.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.01.2025.
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