Dagmar Kaufmann

Technologieoffenheit

Seit kurzem kommt in den Medien der Vorschlag auf, befeuert von Bürgerinitiativen, ob für manche Bevölkerungsgruppen der Modus vom Digital- in das Analogzeitalter für bestimmte Anwendungen nicht vorteilhafter wäre, da heutzutage für alles und jedes die passende App benötigt wird. Es fängt mit dem Arzttermin an und hört spätestens mit der Steuererklärung für das Finanzamt auf. Diese Art der Handhabung setzt eine gewisse Technikaffinität voraus, die nicht allen Bürgern gleichermaßen gegeben ist.

Man möchte es nicht glauben, aber Millionen junger und alter Menschen leben aus unterschiedlichen Gründen ohne Internet, Smartphone, Tablet und Laptop. Sie alle eint, für einen Arzttermin, Banküberweisung, ganz zu schweigen von der Steuererklärung für das Finanzamt, sich extra kein Smartphone, Tablet und Laptop mit Internetzgang kaufen zu wollen.

Zum einen sind es finanzielle Gründe, zum anderen sehen sie nicht die Notwendigkeit und lehnen es ab, sich weder von Technik abhängig zu machen noch sich diese in irgendeiner Form von anderen aufzwingen zu lassen.

Nicht wenige Digitalanwender dürften aus eigener, leidvoller Erfahrung wissen, dass nicht jede App benutzerfreundlich, nicht jede Behördensoftware selbsterklärend ist und so manche online-Plattformen auf den ersten Blick mehr irritieren als sich zum Nutzen des Bürgers zu erweisen, der, um die gewünschte Information zu erhalten, nicht selten in der Endloswarteschleife einer Kundendiensthotline landet.

Aber unabhängig davon, müssen die Offline-Menschen aus dem Analogzeitalter wie aus einer anderen Welt auf die Online-Menschen im Digitalzeitalter wirken, da beide Welten inkompatibel sind. Soziologen prophezeien ihnen deshalb denselben Untergang wie mit den Dinosauriern.

Selbst wenn Bürgerinitiativen mittlerweile fordern, dass zumindest eine Grundversorgung von öffentlichen Dienstleistungen im Analogmodus vorhanden sein muss, fällt die Reaktion von den offiziell zuständigen Verantwortlichen bislang verhalten aus, was jedoch nicht Ablehnung bedeutet, da die Diskussion gerade erst begonnen hat und im Laufe der Zeit sicherlich an Fahrt zunimmt.

Vielleicht sollten die Bürgerinitiativen eine Petition starten, um ihrer Forderung in der Öffentlichkeit mehr Druck und Gewicht zu verleihen. Mit anderen Worten, es muss für Offline-Menschen möglich sein, mit dem vertrauten Festnetztelefon einen Arzttermin zu vereinbaren, behördliche Kontakte herzustellen sowie manche Vorgänge wie Banküberweisung und Steuererklärung für das Finanzamt manuell per Formularvordruck zu erledigen.

Ohne viel Fantasie lässt sich erahnen, wie nützlich ein Umschalten in den Analogmodus bei einem großflächigen Internetausfall sein wird, ohne dass ein Cyberangriff vorliegt; es genügt, dass ein Bagger bei Arbeiten auf einer Baustelle Glasfaserkabeln versehentlich beschädigt.

In dieser Notsituation könnte der technikaffine Bürger problemlos von digital auf analog wechseln, auch für den Fall, dass das Smartphone oder der Laptop plötzlich den Geist aufgibt, genau dann, wenn das Gerät benötigt wird oder der Drucker aus Altersschwäche den Dienst versagt. Zu allem Unglück passiert noch, dass die App oder Behördensoftware nicht einwandfrei funktioniert.

In diesem Moment bewährt sich der liebgewonnene Formularvordruck in doppelter und dreifacher Ausführung.

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