Heika war leise neben sie getreten. Sein Lieblingspferd, ein gescheckter robuster zäher Mustang, stand in Rufweite. Mit erhobenen Kopf und leise schnaubend schaute er seinem Herrn nach. Heika trug ein helles Hemd aus Hirschleder und Leggins, darüber ein schmuckloses Lendentuch gelegt. Auf den Rücken waren Bogen und Köcher mit dem dazu gehörenden Pfeilen bestückt, sonst keine weiteren Waffen. Er musterte Salida mit einer Mischung von Wut und Ehrfurcht. Für einen kurzen Augenblick erhaschte er einen Ausdruck von unbeschreiblichem Schmerzes in ihren Augen, den er sich nicht erklären konnte. Er gab Splinter ein kaum merkliches Zeichen und dieser schoss wie ein Blitz davon. Sein Lächeln war schalkhaft. Um seine Augen bildeten sich kleine Lachfältchen. „ Bist du verrückt? Manchmal ist es nicht einfach mit dir, weißt du das? Ich hätte beinah eine Suchmannschaft losgeschickt. Du bist wie eine kleine Schwester für mich und ich will das du glücklich bist.“ Sie wusste, wie sie sich zu verhalten hatte und sah ihn scharf an. „ Immerhin ist Zorn besser als Regnation.“ „ Du bist stur, hart und unbeugsam. Es ist nicht gut, wenn du immerzu alleine bist. Wenn das Gewohnheit wird, dann.... Mach dir nicht so viele Gedanken. Manitu weiß mehr, als wir erahnen können. Es wird schon wieder alles in Ordnung kommen. Jeder Mann muss seinen Weg selber wählen.“ Er breitete die Arme aus. „ Hier gibt es zahlreiche Täler und Schluchten, mit dicht bewachsenen Kiefernwäldern die sich durch das gesamte Gebirge ziehen und kein Ende zu nehmen scheinen. Man kann sich schnell darin verlaufen wenn man unkundig ist und schnell in Gefahr geraten. Bären, Wölfe, Puma gibt es, die hier auf Jagd gehen. In der Wildnis gibt es keine Rücksicht. Das Leben ist eine zerbrechliche Blüte und es läuft nicht so glatt, wie wir denken, nein, normalerweise ist es gepflastert mit Stolperer und Stürzen und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Du kennst dein Schicksal nicht, keiner weiß es und jeder kommt mit einer anderen Aufgabe zur Welt. Wie gut oder schlecht eine Situation auch ist, sie wird sich ändern. Ganz gleich was noch kommt, nach jeder Nacht, kommt wieder ein neuer Morgen und die Sonne heraus. Aber du hast die Wahl dich zu entscheiden und du wählst deinen Weg.“ Sie blinzelte einige aufsteigenden Tränen zurück. Sie seufzte beim Gedanken an Redmon den damaligen mysteriösen Unbekannten. Es war spannend, sich immer wieder zu begegnen, ohne wirklich etwas voneinander zu wissen. Sie versuchte zu ergründen, was er für ein Mensch sei. Doch schon bald ist die Anziehungskraft zwischen den beiden jedoch derart intensiv, dass sie hin und wieder ihre eigentlichen Ziele aus den Augen verloren. Mit der Zeit hatte sie ganz einfach so ihre Seele vor ihm bloßgelegt und ihr Herz schlug gleich einen doppelten Salto. Manchmal war er zu ihr gekommen und von dem Land zu erzählen, aus dem er gekommen war. Dabei funkelten ihre Augen voller Neugier und spürte sofort, wie die Hitze in ihre Wangen schoss. Durch ihm, wurde wieder ihre Heiterkeit geweckt, die in jedem menschlichen Herzen wohnte. Sie musste lächeln wenn sie daran dachte, was Redmon über seine Heimat Oklahoma erzählte. Der Name ursprünglich von den Indianern, das Land der roten Menschen, bezeichneten. Es war ehemals ein riesiges französisches Gebiet, zwischen Mississipi und den Rocky Mountains. Doch auch hier, kamen immer mehr Siedler, darunter auch viele Deutsche, in das Land, obwohl es eigentlich für Weiße verboten war. Durch ihren Fleiß und harter Arbeit wuchs die Nation schnell. Die Landschaft wird ebenfalls von Prärie und Bergketten bestimmt und die Luft ist angefüllt vom Geruch der wilden Wachholder- und Mesquitebäumen. Der Sommer ist heiß und feucht, der Winter dafür mild mit etwas Schneefall. In der Prärie wachsen wilde Blumen wie Sonnenblumen und Glockenblumen die sich zum Licht recken. Die Wälder bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten, so den Weißwedelhirschen, Waschbären, dem Opossum, dem Präriehuhn, Blaubrustvögel, Wapitis, Wildschweinen und Füchse. Greifvögel wie Adler und Falken bauen ihre Nester und ziehen ihre Jungen auf. In den großen Flüssen tummeln sich Forellen, Barsche und Welse. Sie zögerte kurz, kniff die Augen zusammen und meinte: „ Ich weigere mich zu glauben, das er Tod sein soll. Ich möchte wieder seine Worte, seine Wärme, seine Berührungen und sein Trost spüren. Er besitzt eine freundliche Art und machte witzige Bemerkungen worüber wir gemeinsam lachen konnten. Ich brauche ihn. Wir brauchen ihn.“ Plötzlich wirkte sie nicht mehr traurig und verzweifelt, sondern wütend. „ Ich habe genug vom Krieg. Kein Krieg hat etwas gebracht. Können Indianer und Weiße nicht gute Freunde werden?“ Er sah sie mit einem durchdringenden Blick an und ein plötzlicher Schatten legte sich um ihn. Seine Augen wurden hart und ein verächtlicher Zug lag auf seinem Gesicht. „ Seit Ende der Eiszeit (ca. 11 500 Jahren ), betraten unsere Vorfahren zwischen Nordsibirien und Westalaska dieses Land und breiteten sich langsam aus. Bevor die weißen Eindringlinge kamen, gab es eine große Vielzahl von 500 Völkern, mit ihrer eigenen Sprache, Bräuchen und Sitten, ihrer Lebensweise und unterschiedlichen Kulturen sowohl Traditionen. Von der Ostküste bis zur Westküste, von Mittelamerika bis zur Arktis gehörte den Navajos, Apachen, Sioux, Shoshonen, Hopis, Algonquin und vielen anderen Völkern fast ganz Nordamerika. Seitdem leben wir schon hier. Seit der weiße Mann kam, schmolzen unsere Völker dahin, wie der Schnee in der Sonne. Heute lebt nur noch ein verschwindend geringer Teil von uns, unter Aufgabe ihrer eigenen Kulturgüter. Wir haben nicht vor, unser Land kampflos aufzugeben. Man baute zahlreiche Forts die einen Geruch von Betrug, Lügen und Gier an sich haben. Diejenigen welche unser Land einfach verkauft haben, einfach zur Besiedlung frei gaben, obwohl es denen nicht einmal gehörte, haben uns nicht einmal um Erlaubnis gefragt. Man nahm es sich einfach, ohne zu fragen, wem das Land eigentlich gehörte. Die Böden in der Prärie eignen sich nicht für Ackerbau, aber als Weide von Rinderherden und deren Zucht schon. Nicht nur weil die Büffel einer unsere Lebensgrundlage war, sondern sie waren auch Konkurrenten für ihre zahmen Rinder und mussten deshalb sterben und stehen kurz vor ihrer Ausrottung. Und seit man in den Black Hills Gold gefunden hat, überfluten Monat für Monat, immer mehr Abenteurer und Bodenspekulanten unsere Siedlungsgebiete, obwohl es laut Vertrag, für immer uns zugesprochen wurde und für Weiße verboten war. Wir haben seitdem erbitterte Kämpfe, todesmutig und unerschrocken, gegen die unerwünschten Eindringlinge geführt. Denn sie bringen nichts anderes als den Tod! Erst sterben wir an ihren bewusst eingeschleppten Krankheiten und dann kommen die Soldaten und töten mit brutaler Gewalt den Rest von uns! Sie hinterlassen einen Trümmerhaufen von zerstörten, brennenden Tipis und skalpierten ebenso geschändete Leichen. Ein großes Festfressen nur für die kreisenden Geier und Bussarde, wo einmal das Leben pulsierte. Ihre Behauptung dafür, wir sehen wie alle anderen gleich aus. Es ist ein Trauma, was man sein Leben lang nicht fassen und vergessen kann. Man kann nur versuchen sein Leben irgendwie zu machen. Und was macht die US- Regierung und die feine amerikanische Gesellschaft? Man erkennt die gebrochenen Verträge und Versprechungen, welche bis heute nicht eingelöst wurden, kaum oder gar nicht an. Friedensverhandlungen endeten immer mit Gewalt und Tod. Häuptlinge wurden samt ihren Familien getötet. Für sie, ist es noch immer eine gebräuchliche Vorgehensweise, wenn Indianer etwas hatten, ihnen es wegzunehmen, damit die Industrie hohe Gewinne einfahren konnten. Wir sind die Hauptleidtragenden diskriminierender Politik, gebrochener Verträge und systemischer Ungerechtigkeit und werden wegen unsere Kultur unterdrückt. Den Weißen geht es doch nur um ihr eigenes Wohl. Man will möglichst viel Geld verdienen, wenn möglich schnell in kurzer Zeit. Alles dreht sich doch nur noch um was man besitzt und nicht besitzt. Dann wird geredet und geredet, ohne irgendwas zu wissen, dabei läuft und läuft die Zeit, ohne irgend zu einem Ergebnis zu kommen. In der Zwischenzeit werden wir weiter von sozialen Ungleichheiten benachteiligt und mit Armut, Kriminalität und Verzweiflung konfrontiert. Wir müssen weiterhin kämpfen, um die Anerkennung auf unsere Rechte, Verbrechen die auf unserem Land passierten zu ahnen, das uns laut aus Verträgen von Jahrhunderten zugesichert wurde. Meine Heimat ist nicht mehr das, was es einmal war. Wir haben damals eine Erde bekommen voller Leben und Magie. Doch was macht der weiße Mensch! Zerstört, vernichtet, vermüllt, vergiftet seine Welt. Sogar das Meer siecht langsam dahin. Er bringt durch seine Raffgier und seine rücksichtslose Ausbeutung der Bodenschätze überall in der Welt, nur Leid, Trauer und Tod! Die Natur ist die Grundlage unseres Lebens und Wirtschaftens. Die Menschen begreifen nicht, welche Bedeutung das Öko- System für alle Lebewesen hat. Sie tun Dinge, ohne darüber nachzudenken. Die Geldgier ist stärker als jede Vernunft! Und ja, der Mensch hat die Macht die Welt zu verändern, doch den Kampf mit der Natur verliert er. Es siegt immer die Natur!“ „ Aber alles kommt und geht, wir können nichts dagegen tun!“ „ Doch! Es ist unser Land, unsere Heimat, die wir mit unserem Blut verteidigen. Ich fürchte den Tod nicht, warum auch. Hier ist meine Heimat, mir macht es nichts aus, aber werde mein Leben dafür teuer verkaufen. Den Weißen kann man kein Vertrauen entgegen bringen und Frieden schließen! Dazu ist schon zu viel geschehen, viel zu viel. Wir leben in verschiedenen Welten.“ Mit dem letzten Satz drehte er sich um, pfiff nach seinem Pferd, welches heran kam. Reiten lernten sie schon, bevor sie laufen konnten, saß, wie gewohnt, von links auf, reagierend auf einen kleinen Schenkeldruck, ritt er hart an und sein Mustang raste davon.
Salida hatte sein Minenspiel die ganze Zeit beobachtet, widerstreitende Gefühle gesehen, obwohl er sie zu verbergen suchte. „ Menschen können sich ändern. Redmon ist ein Freund für uns geworden. Sein Kenda ( magische Kräfte ) ist stark und warum soll es nicht noch andere geben?“ flüsterte sie zu sich und ballte die Hände zu Fäusten. „ Ich schaffe es, wenn nicht jetzt, wann dann.“ Erneut hing sie ihren Gedanken nach.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.02.2025.
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Wie ein Blitz aus heiterem Himmel
von Nina Mallée
Epilepsie – was ist das eigentlich? Gute Frage... denn wie ich immer wieder mit Entsetzen feststellen musste, wussten selbst ein Großteil der von mir und anderen Betroffenen konsultierten Neurologen keine vernünftige Antwort darauf, geschweige denn Allgemeinmediziner jedweder Art und erst recht nicht Otto – Normalverbraucher. Völlig außer Frage steht, dass Epilepsien oft mit geistigen Behinderungen einhergehen, was aber nicht heißt, dass das eine mit dem anderen gleichzusetzen ist. Dieses Buch soll deshalb auch nicht als medizinisches Handbuch dienen, sondern lediglich als ein Beweismittel, dass es auch anders geht, wenn man nur will oder allenfalls eine Art Gebrauchsanleitung für den Umgang mit solchen und ähnlichen Problemen. Es sind, wenn man so will, Geschichten aus dem wahren Leben, die ich hier beschreibe und Konfliktsituationen, für deren Bewältigung sich mal eine mehr, mal eine weniger elegante Lösung findet.
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