Istvan Hidy

Was würde dazu Bacchus sagen?

Werte Herren der Schöpfung, wir leben in dunklen Zeiten. Zeiten, in denen der gepflegte Rausch durch eine Limonade ohne Sprit ersetzt wird und Männer, die einst das Leben feierten, nun mit Traubensaft anstoßen sollen. Italien, das Mutterland des dolce vita, steht vor dem Abgrund: Alkohol wird aus dem Wein verbannt. Ja, Sie haben richtig gelesen – entalkoholisierter Wein! Welch eine Wortkombination des Grauens.

Was würde wohl Bacchus dazu sagen, der Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase? Der einst Dionysos hieß, in Griechenland für den Rausch gefeiert wurde und dessen Anhänger laut und wild durch die Lande zogen? Die Römer machten ihn zu ihrem eigenen und schufen Bacchus – nicht nur einen Gott, sondern das Symbol für ausgelassenes Feiern, für das Leben in vollen Zügen. Und heute? Heute würde man ihm vermutlich eine Traubensaftschorle servieren und ihn bitten, ein bisschen leiser zu feiern.

Jahrtausendelang galt Italien als verlässlicher Garant für Hochkultur und Hochprozentiges. Römische Kaiser stürzten Becher voller Falernum, italienische Patriarchen hüteten ihre Weingüter mit der gleichen Hingabe, mit der sie ihre Ehre verteidigten, und selbst die Mafia wusste, dass Respekt und ein guter Chianti untrennbar zusammengehören. Doch jetzt? Jetzt sollen sie sich mit alkoholfreien Tröpfchen begnügen, als wäre das Leben ein Kindergeburtstag?

Es begann – wie jede gute Tragödie – mit Brüssel. Dort, wo Bürokraten sitzen, die Wein vermutlich aus Plastikbechern trinken und nach einem Glas Apfelschorle waghalsige Regulierungsideen ausbrüten. Die EU entschied, dass Wein auch dann noch Wein ist, wenn ihm das Lebenselixier, der Alkohol, genommen wurde. Italien wehrte sich heldenhaft, vier Jahre lang. Doch dann knickte es ein, entmachtet von einer Jugend, die angeblich „leichte Tropfen“ bevorzugt. Früher trank man einen Barolo mit 14,5 Prozent, heute nippt man an einem „Drinkability“-Nero d’Avola mit 12. Was kommt als Nächstes? Olivenöl ohne Fett?

Schuld daran ist natürlich auch dieser Salvini, der sich anmaßt, gegen Alkohol am Steuer vorzugehen. Als ob ein gestandener Italiener, der mit einer Flasche Montepulciano intus noch mit den Händen wild gestikulieren kann, ein Risiko für den Straßenverkehr wäre! Die Wirte in Rom zittern, weil Paare sich nur noch zwei Gläser statt einer ganzen Flasche gönnen. Dabei wissen wir doch alle: Ein Mann, der sich an ein Glas hält, ist entweder krank oder hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Und nun? Nun werden entalkoholisierte Prosecco-Alternativen als Zukunft gefeiert, als ob sich das süße Leben auf Knopfdruck abstellen ließe. „Wir müssen nach vorne blicken“, fordern die Modernisierer. Aber wohin? In eine Zukunft, in der das Leben nur noch eine fade Kopie seiner selbst ist? In eine Welt, in der Männer am Tresen Traubensaft schlürfen und dabei so tun, als würde es sie glücklich machen?

Nein, meine Herren! Das Leben ist zu kurz für Abstinenz, und die Kultur des Weines zu groß für eine entkernte, entschärfte Variante. Wer die Traditionen des edlen Rebensaftes verrät, gehört in die Verbannung. Oder zumindest in die Limonadenabteilung.

Und Bacchus? Der würde sich angewidert abwenden und mit seinen wilden Gefährten das tun, was er immer tat: trinken, tanzen, feiern – mit richtigem Wein. Salute!
 

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