Der Karmann ist bis zum Bersten gefüllt:
2 Katzenkörbe inklusive Katzen, 1 Katzenklo, Eine Tonne Katzenstreu (gefühlt), Katzenfutter, 100 Pappteller fürs Futter, 2 Wassernäpfe, 2 Fressnäpfe, 1 verschließbarer Eimer für gebrauchte Streu und gebrauchte Pappteller, jede Menge Müllbeutel und Haushaltspapier. Weiter:
1 Kasten Pils, Großstadtzeitungen. Und was Nettes zum Anziehen für mich. Letzteres musste sein.
Die Fahrt: In der ersten halben Stunde haben meine Kater miaut und geklagt. Ich sprach zu ihnen, versuchte, sie zu beruhigen: „Jungs, es geht nicht zum Tierarzt, sondern in eine neue Freiheit.“ Kurz danach sind sie vor Erschöpfung eingeschlafen und ich konnte nachdenken: Georg weiß, dass ich komme, aber er hat viel zu tun und ich werde ihn vielleicht erst am Samstag sehen. Gut, darauf kann ich mich einstellen. Aber ich bin immer noch verwirrt wegen meiner seltsamen Gefühle für ihn.
In Daarau angekommen: Daddy ist da und packt meine Sachen aus. Den Kasten Stüdebecker begrüßt er mit Begeisterung und die gesammelten Großstadtzeitungen legt er sofort auf den Küchentisch zum Lesen.
Er bringt die Katzenstreu ins Haus, während ich die Katzenkörbe trage. „Die scheinen nett zu sein“, sagt er. Er mag Katzen, jedenfalls mehr als Hunde. „Ein Krächzer kommt mir nicht ins Haus“, hat er mal gesagt. Muss lachen: Krächzer!
Ihr vorläufiges Katzenheim ist direkt neben meinem zukünftigen Zimmer. Ich locke sie aus ihren Körben heraus, sie schnüffeln natürlich erst herum, doch dann richten sie sich ein. Ein altes Sofa mit einer kuscheligen Decke steht bereit und ein paar Kissen liegen auf dem Boden. Sie werden es bequem haben. Außerdem gibt es einen abgewetzten Kletterbaum, damit sie nicht aus der Übung kommen, so kratzmäßig. Der steht praktischerweise vor dem Fenster, das sich wie üblich im Souterrain weit oben befindet. Aber wenn sie hinaufklettern, können sie sehen, was hier am Rande des Dorfs los ist. Viel wird es nicht sein. Und ich muss lachen. Genau deswegen werde ich hier hinziehen. Weil hier nicht viel los ist.
Ich fülle die Pappteller mit Futter auf. Die Katzen zweimal am Tag zu füttern müsste reichen, sie fressen nicht viel und sind auch sonst nicht wählerisch. Es es sei denn, es gäbe gebackenes Hähnchen. Nur das Katzenklo dürfte am Anfang etwas Mühe machen.
„Der schwarze kommt auf Pfiff. Und der weiße ist ein bisschen dumm, aber lieb und ein guter Bettwärmer. Aber du hast ja schon einen.“ Das konnte ich mir nicht verkneifen,
Daddy nickt unbekümmert. Nun denn, ich muss mich mit dieser Frau anfreunden, denn sie ist es, die meine Katzen demnächst versorgen wird.
„Und warum ist Georg nicht da?“, entschlüpft es mir. Au Mann, irgendwie bin ich durcheinander.
„Er hat noch in der Firma zu tun“, sagt Daddy. Es klingt süffisant. Warum? Er kennt Georg natürlich besser als ich, denn die beiden trainieren die Jugend des Daarauer Fußballvereins. Weiß Daddy eventuell, ob Georg gerade mit einer Frau rummacht? Falls ja, dann sagt er es mir nicht. Verdammte Männer, die halten immer zusammen!
Na gut, kein Georg, sondern Vaters neue Gefährtin kennenlernen.
In der Küche treffe ich auf sie. Und ich muss sagen, sie gefällt mir: Sie ist üppig, herzlich und nett. Sie heißt Djenny, das stand auf dem Türschild, sie kommt aus Jugoslawien, lebt schon seit vielen Jahren im Dorf, spricht sehr gut deutsch und sie hat was für uns gekocht.
„Du bist also die Tony“, sagt sie, während sie das Essen auftischt. „Dein Vater hat mir nicht erzählt, wie hübsch du bist.“ Sie lächelt mich an und ich verfalle sofort ihrem Charme. Außerdem schmeckt das Essen richtig gut. Es ist was Jugoslawisches gemixt mit italienischen Komponenten und mit Kartoffeln. Ist klar, Daddy ist ja bekennender Kartoffelesser.
„Ich muss unbedingt das Rezept für dieses Essen haben“, sage ich, während ich reichlich zulange.
„Kriegst du, aber als Erstes sollten wir uns um deine Katzen kümmern.“
Wo bin ich hier angekommen? Im Himmel? Ich weiß es nicht. Es fehlt nur noch eines, nämlich Georg. Wo steckt der Kerl? Hat er mich schon vergessen? Hat er eine Dorfschönheit geheiratet und mit ihr Kinder gezeugt? Mittlerweile kann ich mir alles Mögliche vorstellen - und alles davon erschreckt mich.
Was tue ich hier? Vielleicht das: Ich kann nicht vor mir selber weglaufen, also laufe ich irgendwohin. Und Daarau ist der beste Ort dafür, mit oder ohne Georg. Mit Georg wäre es mir aber lieber.
Nach dem Essen gehe ich mit Djenny ins Souterrain und stelle ihr die Katzen vor. Sie schlafen. Die Pappfressnäpfe sind fast leer gefuttert, das Katzenklo ist auch schon besucht worden und ich mache es direkt sauber. Ein Eimer mit zwei Müllbeuteln ausgekleidet steht bereit. Man kann gebrauchte Streu und gebrauchte Pappteller hineingeben, den Eimer mit einem Deckel verschließen und dann alle zwei Tage die Beutel in die Mülltonne entsorgen. Ich fülle das Katzenklo mit frischer Streu auf.
Djenny lobt mich für diese Idee. „Die machen wirklich kaum Arbeit, liebe Tony, aber nur, weil du alles so gut durchdacht hast.“
Ich mag diese Frau, sie ist viel mütterlicher als meine eigene Mutter es je war. „Wie alt bist du, Djenny?“, frage ich sie neugierig.
„43 Jahre alt“, sagt sie.
„Du bist doch noch jung! Könnte es sein, dass ich noch ein Brüderchen bekomme? Das wollte ich früher immer haben, hat aber nicht geklappt.“
„Nein“, sie schüttelt den Kopf. „Das Kinderkriegen hat bei mir auch nicht geklappt. Und seit dem Tod meines Mannes hatte ich mit allem abgeschlossen, mit den fehlenden Kindern und vor allem mit der Liebe.“
„Ach du Arme!“ Ich muss sie kurz an mich drücken. Ich mag Djenny, ich mag sie sehr!
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.03.2025.
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