Da ist das Dorf mit dem berühmten Wasserschloss, zwei Stunden bin ich hierhergegangen. Sieht man nicht schon den Schlossturm? Was ich zuerst erblickt habe, stellt sich als Teil einer Fabrik heraus – ausgerechnet Beton produzieren sie hier. Lugt dann doch der Ausguck des Schlosses über die lange Häuserzeile der Dorfstraße? Ich weiß schon, dass es privatisiert und nicht zu besichtigen ist, doch im Park soll man sich ergehen dürfen. Hinter den Häusern ist seine grüne Baumwand sichtbar. Wo ist nun der Einlass?
Der Text auf einer großen Tafel scheint den Weg zu weisen: Schloss-Hotel und Restaurant. Es ist Mittagszeit, auf dem Parkplatz sind einige Autos abgestellt – vielleicht für längere Zeit. Der Parkplatz wirkt vernachlässigt, Gras breitet sich aus. Ist der schmale, kaum wahrnehmbare Pfad ins Gebüsch dahinter ein Fußweg zu Hotel und Restaurant? Ich denke an die Zecken und suche lieber den vermuteten Haupteingang.
Dazu biege ich um eine Straßenecke und stehe bald im alten Gutshof, der hier auch die Rolle eines Ehrenhofs zu übernehmen scheint. Die Gebäude befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Sanierung oder des Verfalls. Das ergibt ein fahlscheckiges Bild, von dem ich mich abwende und rasch dem deutlich zwischen zwei hohen Torhäusern sichtbaren Schloss zustrebe, erwartungsvoll. Noch eine Tafel, die informieren will: Keine Haftung im gesamten Parkgelände! Mutig dringe ich dennoch vor, komme nur nicht weit. Der Weg führt über eine Kanalbrücke, die wegen Baufälligkeit für jedes Passieren gesperrt ist. Das Hotel? Gibt es wohl längst nicht mehr.
Ich fand hinter den letzten Häusern des Guts noch einen bescheidenen Durchlass, fast hätte ich ihn übersehen. Der Park erwies sich sogar als leidlich gepflegt. Gleich vorne am See saß ich auf einer Bank und stärkte mich an Mitgebrachtem. Der Blick ging übers Wasser auf die kleine Insel, da war ein großes Häuschen für Enten; nur war keine einzige zu sehen. Es war überhaupt sehr einsam und vollkommen still im Park. Einmal führte eine alte Frau einen großen schwarzen Hund am dunklen Wasser aus. Der Hund inspizierte die Abfallkörbe, fand jedoch nichts Verwertbares in ihnen. Wenn ich mich umdrehte, konnte ich das verwaiste Schloss betrachten; klassizistisch war es und auch ein bisschen neogotisch.
Auf den großen Parkrundgang verzichtete ich lieber und auch auf jede weitere Annäherung an das Schloss – es war schon Zeit für den Rückweg. Im Netz würde ich mir dann am Abend gründlich ansehen, woran ich tagsüber nur vorbeigeeilt war, wie üblich ...
… und ich wurde fündig. Es gibt zum Schloss Kropstädt viel Material, auch einen Wikipedia-Artikel. An dessen Ende findet man einen überraschenden Link zum Fürstentum San Bernardino: The Principality of San Bernardino is really, therefore the first International State, better still intercontinental. It has or will have territories in all five continents. Falls einer von ihm noch nie gehört hat, die Wissenslücke lässt sich nun leicht schließen und davon ausgehend lassen sich noch mehr erstaunliche Entdeckungen machen.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.05.2025.
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