Werner Kistler

Geld regiert die Welt

Schon wieder hatte er drei Mahnungen in seinem Briefkasten gefunden, jedoch sein Konto war leer.
Er konnte alle sein Rechnungen nicht mehr bezahlen. Was sollte er machen? In der nächsten Zeit
brauchte er viel Geld, um seinen Verpflichtungen gerecht zu werden und nicht durch den Fleischwolf gedreht zu werden. Er überlegte und kam zu dem aberwitzigen Entschluss, nur noch eine Entführung und Erpressung würde seinen Sollbestand gesunden lassen. Am nächsten Tag traf er einige Vorbereitungen und kundschaftete ein eventuelles Opfer aus. Die Anzeige in der Zeitung, wo die Tochter des hiesigen Brauereibesitzers, gerade eine kommunale Einrichtung eröffnet hatte, brachte ihn auf die Idee, den Industriellen zu erpressen und die Tochter zu entführen.Heute wollte er die Örtlichkeiten erkunden und er machte sich auch gleich auf den Weg. Zuerst umrundete er die Brauerei, kam an dem örtlichen Bach vorbei und sah mehre Fische, tot auf der Seite schwimmen. Die Wasseroberfläche des Gewässers schillerte in allen Regenbogenfarben. Hier musste irgendwo Öl in den Bach fließen. Der Ölspur folgend, fand er ein rostiges Eisenrohr kurz unter der Wasseroberfläche, daß nur aus der Brauerei stammen konnte. Nun brauchte er die Tochter nicht mehr zu entführen. Er disponierte gleich um und gab seine telefonischen Erpressungen sofort an den Eigentümer der Fabrik weiter. Eine Millionen Euro in kleinen Scheinen verlangte er für sein Schweigen. Übergabeort und Zeit wurden auch genannt, doch man versuchte die Zeitspanne zu verlängern und den Erpresser hinzuhalten. Aber er blieb hart und schließlich willigte man ein. Nun wartete er schon eine halbe Stunde auf die Übergabe, als er schließlich doch ein Motorengeräusch vernahm. Der Brauereibesitzer stieg mit einem schwarzen Handkoffer aus seinem Fahrzeug aus und kam auf ihn zu. In dem Augenblick, als er nach dem Koffer greifen wollte, hörte er hinter sich eine barsche Stimme, die ihn aufforderte, die Hände zu heben. Das Spiel war aus. Schweißgebadet wachte er auf. Zum Glück war es nur ein Traum gewesen. Bei der richtigen Übergabe würden keine Fehler passieren. Sein Flug war schon gebucht.Noch zwei Stunden dann wäre er reich. Die richtige Übergabe klappte auch wirklich wie am Schnürchen. Jetzt befand er sich schon im Flugzeug nach Argentinien. Der Flug verlief ohne Probleme. Das Geldköfferchen hatte er als Handgepäck aufgegeben und nun stand er vor dem argentinischen Zoll. Bei der Aufforderung sein Köfferchen zu öffnen, blieb ihm das Herz fast stehen und er sah sich schon in einem der feudalen Gefängnisse.
Der Zollbeamte verzog aber nur sein Gesicht. Im teuersten Hotel angekommen, riss der Flüchtende, die
Geldtasche auf. Da war kein Geld darin - nur Sexheftchen. Werner Kistler



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