Egbert Schmitt

... über die Dimension der Wirklichkeitsverweigerer

 

Ein dramatischer Befund den keiner lesen will – und gerade deshalb geschrieben werden musste.
 
Recherchiert aus dem WWW und für mich passend - einfach mal gemerkt - all dies stundenlang - ohne KI - niedergetippt.
 
Lesedauer: maximal 6-7 Minuten, um bis zum eigenen Erkenntnishorizont zu gelangen.
 
Optional: einfach mal vorlesen lassen, rechts oben, bei den drei Punkten.
 
 
🧩 Episode I
 
Angriff der gefühlten Fakten.
Willkommen im ersten Teil dieses Seelenstriptease unserer kognitiv pluralisierten Gesellschaft.
 
Hier geht es um die ersten Symptome einer intellektuellen Erderwärmung: vom Facebook-Philosophen bis zur Schwerkraft-Leugner*in im Morgenmantel.
 
Wer glaubt, das sei alles nur Satire, hat die Realität vielleicht schon verlassen – ohne es zu merken.
 
Spoiler: Comic Sans kommt drin vor.
Und Sachsen-Anhalt.
 
 
Sie kamen nicht mit Mistgabeln – sie kamen mit Meinungen.
 
Gut geföhnt, schlecht begründet, aber voller Überzeugung. Wie Onkel Donald.
 
Der große Einzug der Wirklichkeitsverweigerer:
Sie fluteten Talkshows, Stammtische und Telegram-Gruppen – wie Heuschrecken ein Buffet in einem veganen Selbstfindungsseminar.
 
Was nicht sein darf, wird umetikettiert, in amtliche Watte gepackt – und in die Tonne der Zumutungen geworfen.
 
Neulich las ich, die Erde sei doch eine Scheibe. Ruhend auf einem Panzer, der auf einem Elefanten steht, der wiederum auf einer Schildkröte balanciert, die… ach, ihr kennt die Geschichte ...
 
Natürlich stand das nicht in einem Jugendlexikon (stammt von 1953 und ist noch existent), sondern auf einer Webseite. 
 
Ein graphischer Verkehrsunfall zwischen WordArt und Paranoia. Die Schrift: Comic Sans. Das Weltbild: finster.
 
Aber die Menschen glauben das.
Nicht alle, versteht sich – nur jene, die sich häuslich in einer Parallelwelt eingerichtet haben, wo Fakten optional sind und Meinungen die neue Gravitation.
 
Sie leben unter uns. Man erkennt sie daran, dass sie auf „Wie geht’s ?“ mit „Wach auf ! Alles Lüge !“ antworten.
 
Früher nannte man solche Leute Exzentriker, Wachturm-Jehovas oder einfach Onkel Herbert. Heute heißen sie „kritisch denkende Menschen“ – wobei „kritisch“ bedeutet: Jede Information wird erst mal angezündet. Und dann verworfen.
 
Die Dimension der Wirklichkeitsverweigerung ist inzwischen so ausladend, dass sie locker ein Bundesland füllen könnte. Laut Konrad-Adenauer-Stiftung.
 
Nicht das ständig bemühte Saarland – nein, sagen wir’s realistisch: Sachsen-Anhalt. Und selbst das wirkt zuweilen erschreckend geräumig.
 
Dort wird konsequent alles bezweifelt: die Wissenschaft, die Medien, die Schwerkraft – und, mit leichtem Verständnis meinerseits, die Existenz von Helene Fischer und Bielefeld.
 
Das Verrückte daran:
Die Wirklichkeitsverweigerer sind sich ausgerechnet in einem Punkt einig – in ihrer Uneinigkeit mit dem Rest der Welt.
 
Sie lehnen alles ab, was auch nur entfernt nach Konsens riecht. Sogar regionale Wetterberichte sind ihnen verdächtig.
 
Ich frage mich manchmal, wie diese Leute überhaupt morgens aufstehen. Glauben sie dem Wecker? Oder ist auch das eine staatlich gesteuerte Auf- oder Erweckungslüge ?
 
Wie die ersten 5000 ZJ-Erwachten erreichen sie den Stand der Weisheit – inklusive Option auf einen Himmel voller Jungfrauen. Religions-Crossover, gewissermaßen.
 
Man kann sie nicht bekehren.
Nicht durch Argumente, nicht durch Fakten – die perlen an ihnen ab wie Globuli an einer Lungenentzündung.
 
Diskussionen verlaufen ins Leere, wie ein Navi, das unermüdlich ruft: „Fahren Sie ins Nichts!“
 
Vielleicht muss man sie gar nicht überzeugen. Vielleicht reicht es schon, wenn wir als Gesellschaft leise nicken, sobald sie wieder lautstark fordern: „Sagt endlich die Wahrheit!“
 
Dann drehen wir uns um und flüstern der Realität zu: Keine Sorge, ich glaub dir.
 
 
🧠 Episode II
 
Die Rückkehr der Eigenfrequenz.
Der zweite Teil dieser absurden Doku-Fiktion setzt dort an, wo Argumente versagen und Manifestationen beginnen.
 
Willkommen in der erweiterten Bewusstseinszone – dort, wo Router rebellieren, Parkscheiben pulsfühlen und CO₂ als Softdrink gilt.
 
Ein Ort, an dem der Homo ignorans seinen evolutionären Durchbruch feiert – und wir uns fragen: Ist das noch Realität, oder schon Telegram ?
 
Stellen wir uns das mal vor:
Da steht einer auf, zieht sich seine Erkenntnis-Tarnhose an und erklärt: Heute glaube ich nicht an Gravitation. Ich falle nicht – ich manifestiere lediglich Horizontnähe !
 
Dann murmelt er noch etwas von Quantenfeldern und Eigenvibration – vermutlich auf derselben Frequenz wie ein Kühlschrank, dessen Tür zu lange offensteht.
 
Wir haben also eine Bevölkerungsschicht – nennen wir sie freundlich „Kognitionsminimalisten“ – die die Wirklichkeit nur dann anerkennt, wenn sie in Form von Katzenvideos oder Telegram-Sprachnachrichten serviert wird.
 
Aber gut: Wer braucht schon Naturgesetze, wenn es Telegramgruppen gibt, in denen sich Gisela_59 und Wotan_der_Erweckte gegenseitig YouTube-Links schicken – mit Videos von Männern im Bademantel ...
 
Die aus ihrer Garage heraus erklären, warum das Römische Reich nie existiert hat. Siehe Tartaria-Verschwörung.
 
Und das wirklich Erschreckende:
Der meint das ernst. Und noch schlimmer – sie meinen ihn ernst.
 
Es ist ein bisschen, als würde man mit einem Hund über Kant diskutieren. Er wedelt – aber man weiß nicht: Zustimmung oder Flöhe ?
 
Kurzum: Wir haben es mit Menschen zu tun, die sich in eine Dimension zurückgezogen haben, in der Realität nur dann zählt, wenn sie mit dem eigenen Bauchgefühl harmoniert.
 
Und dieses Bauchgefühl ist, nüchtern betrachtet, oft der einzige Körperteil, der überhaupt noch arbeitet – und das auch nur im Verdauungsbereich.
 
Ich weiß nicht, wann es passiert ist, aber irgendwann in den letzten Jahren wurde die Realität still und leise in Raten abgeschafft.
 
Wie einst die Glühbirne – nur ohne den Aufkleber „aus Gründen der EU-Bananenverordnung verboten“.
 
Ich beobachte immer mehr Menschen, die in einer Art Alternativwirklichkeit leben. Nicht im Sinne von „Ich träume von einer besseren Welt“, sondern eher: „Ich halte eine Parkscheibe für ein medizinisches Gerät und versuche, mir damit den Puls zu messen.“
 
Mein schwäbischer Nachbar (88+) weigert sich zum Beispiel hartnäckig, die Existenz von WLAN anzuerkennen. „Gibt’s nicht“, sagt er und starrt seinen Router trotzig an. Der blinkt unbeeindruckt zurück.
 
Manchmal gewinnt der Router.
 
Auch Mails liest er nicht mehr. Begründung: „Wenn ich sie nicht öffne, sind sie nicht passiert.“
 
Es funktioniert erstaunlich gut – wie Schrödingers Katze im quantenphysischen Schuhkarton, nur oder wahlweise mit Outlook.
 
Manchmal frage ich mich, ob wir bald an dem Punkt sind, wo jemand sagt: „Die Schwerkraft ist nur ein Vorschlag. Ich mach da nicht mit.“
 
Und dann schweben sie los. Richtung Brandenburg vielleicht – da ist noch Platz.
 
Ein Leben in einer Parallelrealität, die direkt vor der eigenen Wohnungstür beginnt – und in den Kommentarspalten des Internets ihren Hauptwohnsitz hat.
 
In dieser Sphäre gelten keine Naturgesetze mehr – nur noch Naturgefühle.
 
Schwerkraft ? Eine Meinung.
Evolution ? Ein PR-Stunt von Darwin.
CO₂? Kein Treibhausgas, sondern eine spritzige Erfrischung für ideologisch Dehydrierte.
 
Was passiert in so einer Welt ?
Nun – dort glaubt man, eben die Erde sei flach. Flach wie eine Pizza Margherita des Kosmos, mit einem eisigen Rand und der ständigen Drohung: Wer zu weit geht, fällt runter.
 
Und wer widerspricht, ist natürlich „vom System gekauft“.
 
Das Problem dabei: Wirklichkeitsverweigerung ist ansteckend.
Man steht daneben, sieht jemanden mitten auf der Straße ein imaginäres Pferd striegeln – und denkt plötzlich: „Hm. Ganz so unrecht hat er vielleicht gar nicht.
 
Denn wer will schon in dieser Realität leben?Kalt. Teuer. Überall Baustellen.
 
Vielleicht liegt’s an mir ?!?
 
Vielleicht bin ich der Verrückte – weil ich immer noch versuche, mit Logik, Fakten und ergoogelnd meine Texte zu schreiben.
 
Vielleicht ist das nächste Evolutionslevel nicht der Homo sapiens, sondern der Homo ignorans:
 
Lebt länger, diskutiert kürzer, sorgt sich weniger – weil er gar nicht weiß, dass es Grund zur Sorge gäbe.
 
Postskriptum aus der Quantenebene:
Nur in einer alternativen Realität – irgendwo zwischen einer YouTube-Kommentarspalte und einem schlecht besuchten Reichsbürger-Stammtisch – herrscht wirklich Frieden.
 
Denn dort hört niemand mehr zu.
Nicht einmal sich selbst.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.06.2025. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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