Christa Astl

Eine Woche Hiddensee Teil 2



Der Ostersonntag verspricht Osterwetter, am Morgen noch grau, doch mittags scheint die Sonne durchs Kirchenfenster. Der anschließenden Wanderung zum Leuchtturm steht nichts mehr im Wege. Wieder auf schmalen, kaum begangenen Pfaden. Ein wunderbares Gefühl, als kleines Wesen inmitten von so viel Natur, umgeben von Wasser! Von fern sehe ich Kolonnen von Radlern und Wanderern, denen ich mich auf den letzten Metern nähere. Der Turm ist offen, also darf auch ich für 3 Euro Höhenluft und Aussicht genießen. Das Gedränge auf der Plattform ist groß, der Wind kalt, also schnell wieder hinunter in die Stille, die man hier nicht lange suchen muss. Kurze Rast auf einer Bank, dann abbiegen in den Hochuferweg, ziemlich nahe am Steilabbruch mit vielen imposanten Ausblicken aufs Meer hinunter, und in gut einer halben Stunde in den Ort zum nächsten Fischrestaurant. Es geht auch schon auf den Abend zu. Den Sonnenuntergang sehe ich dann nur gespiegelt im Fenster des Nachbarhauses, es ist wieder bewölkt.

Der letzte Tag, Ostermontag, führt mich nochmals in die Heide. Erst gehe ich eine Weile am Strand, zum Barfußgehen ist es aber zu kühl, in der Nacht muss es etwas geregnet haben. Im frisch angefeuchteten Sand ist gutes Gehen, allerdings leckt manchmal eine vorwitzige Welle an den Schuhen. Dann geht es hinauf ins Trockene, zur Dünenheide. Der Frühling kommt dort erst ganz zaghaft.

Gehen und gehen, ohne rechtes Ziel, ohne Zeitdruck, niemand wartet auf mich. Als ob ich nicht nur Bilder, sondern auch Schritte sammeln müsste zum Mitnehmen! Nun beschließe ich doch, zur „Heiderose“, ein großes, vielbesuchtes Lokal am Ende der Heide, zu gehen, es ist bereits hoher Mittag. Ein alter Herr auf einer Bank, neben sich den Gehstock, gibt mir vielleicht Auskunft. Ich muss langsam und deutlich sprechen, dass er mich versteht. Er lebt hier allein in einem der zahlreichen Bungalows, den er vom Vater vererbt bekommen hat. Gern hätte ich das Häuschen gesehen! Im Lauf des weiteren Gesprächs beginne ich zu zweifeln, ob er nicht Dichtung und Wahrheit vermische, und verabschiede mich bald. Dass die „Heiderose“ abgerissen wird, stimmte allerdings, ich stand vor einer Riesenbaustelle, ein neues Feriendorf soll da entstehen. Und dann wies er mir noch einen Weg zur Fährinsel und durchs Schilf nach Vitte. Erst ein breiter ausgefahrener Weg, der abrupt am Wasser endet, ein Boot wartet auf eine Überfahrt, aber die Fährinsel ist für Besucher gesperrt. Mein Weg biegt links ab, ist nur noch ein schmaler Pfad, links und rechts mannshohes Schilf. Jedes Zeitgefühl geht verloren, nur die Beine sagen: jetzt reicht es dann! Endlich statt Schilf eine Viehweide mit einer stattlichen Anzahl Kühe, von fern sind Hausdächer zu erkennen und nach einer kleinen Ewigkeit treffe ich auch den Hauptweg, vorbei an Schulzentrum, Kindergarten, am Homunkulus, einem kleinen aber feinen Theater, wo ich mich für eine Vorstellung abends eintrage. Nach einem Kaffee im Cafe „Mimi“ ruhe ich mich ein wenig aus, dann suche ich wieder mein Fischrestaurant auf und dann das Theater. Ein kleiner Saal für höchstens 100 Personen, gezeigt werden literarische Kostbarkeiten als Filme, Theater mit Marionetten und Handpuppen. „Die Nachtigall“, von einem Künstler erzählt und mit Puppen gespielt, ist der idyllische Abschluss der an kleinen Ereignissen so reichen Woche.

Noch ein Sonnenuntergangsfoto, dann packe ich schnell den Koffer, stelle den Wecker und kämpfe mich Stunde um Stunde durch die Nacht.

Früh genug bin ich wach und am Hafen, um 9 Uhr erreiche ich Stralsund, der Zug fährt pünktlich ab. Dann aber baustellenbedingte Staus, sodass der Anschluss in München weg war. Doch Gerti wartet geduldig, bis ich eine Stunde später meinen Zielbahnhof erreiche, und ihr nach einer Willkommensumarmung meine ersten Erlebnisse berichten kann.

Ein Traumurlaub, - vielleicht mein letzter - - - ?

ChA 19.06.25

 

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