Wiedersehen in Coronazeiten
»Hallo, Heiner!« Er winkt.
Hä?
»Mensch, Heiner, wir haben uns ja eine Ewigkeit nicht gesehen. Wie geht´s dir?« Jetzt steht er vor mir, hat im Laufschritt die leere vierspurige Straße überquert.
»Naja, es muss.«
»Und ´nen Hund hast du auch?«
»Deswegen steh´ ich ja hier draußen. Sonst wär´ ich mit meiner Frau im Supermarkt.«
»Mensch, da ham wir ja Glück gehabt. Gut gemacht, Waldi!« Er bückt sich, krault Mia.
»Du, weißt du noch ...?« fragt er mich, nachdem er sich wieder aufgerichtet hat.
Mia schüttelt sich.
Nach einer gefühlten halben Stunde dreht er sich im Gehen noch einmal um. »Man sieht sich. War toll, dich mal wieder getroffen zu haben!«
Meine Frau kommt aus dem Laden, schaut ihm nach. »Wer war das?«
»Keine Ahnung«, antworte ich und rücke meinen Mund-Nasen-Schutz zurecht, »er hat mich über die Straße hinweg angerufen. Hallo, Heiner! hat er gebrüllt.«
»Aber du heißt doch gar nicht Heiner.«
»Doch, mit Maske eben schon.«
Ich hätte gern …
Neulich früh in meiner Lieblingsbäckerei.
„Guten Morgen, ich hätte gern …“
„Oh je, Sie tragen ja gar keinen Mund-Nasen-Schutz!“
Der Spiegel über der Arbeitsfläche hinter der Backwarenfachverkäuferin gibt ihr Recht. Aus ihm heraus strahlt mich ein Mann in den besten Jahren an. Mit frisch rasiertem Kinn, rosigen Wangen und einer Nase, der die Kälte draußen ein blasses Lila aufgezwungen hat. Trotzdem lasse ich ungläubiger Thomas zu, dass meine Hand prüfend über diese Körperteile fährt, die eigentlich verborgen sein müssten.
„Hab´ ich im Auto.“ Halb schon habe ich mich umgedreht. „Hol´ ich grad´.“
„Müssen Sie nicht. Darauf sind wir vorbereitet. Nehmen Sie doch einfach unsere Kundenmaske vorn am Eingang! Aber vergessen Sie bitte nicht, sie beim Rausgehen wieder hinzuhängen!“
Aus:
Michael Kothe: Just A Minute
ASIN: B09MNSBCJP, eBook (mobi), 0,89 €
kostenlos bei Kindle Unlimited (KU)

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.07.2025.
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Sommerzeit - Rosenzeit: Hommage an die Königin der Blüten
von Eveline Dächer
Mit einer Hymne auf die Rose überrascht uns die Autorin
Eveline Dächer in ihrem neuen Lyrikbändchen. In zarten und feurigen
Bildern dichtet sie über eine dunkelrote Rose, die einen bisher
unbekannten Duft ausströmt, oder von gelben Rosen, die wie
Sonnenschein erstrahlen. Sie erzählt von Rosen, die auf Terrassen,
Balkonen und in Gärten blühen, und von einem besonders schönen
Rosenstrauß, einem Geschenk des Liebsten, der auf ihrem Lieblingstisch sie täglich erfreut und Sehnsucht schürt. Und da die Rose
das Symbol der Liebe schlechthin ist, lässt sie aus deren Blätter
eine Liebesstatt entstehen, die duftend weich und zart Zeit und
Raum vergessen lässt.
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