Jimmy Vorhoefen

Die Abenteuer des Jimmy. Des Einzigen.

Jimmy ist erschöpft. Es ist tief in der Nacht und er blutet aus einer Wunde am Bauch. Die Wunde  
war gar nicht so schlimm, aber sie hat sich die letzten Tage entzündet. Er hätte sich um sie  
kümmern sollen. Aber Jimmy war zu sorglos und hat die kleine Wunde so wenig beachtet, wie er  
sie gespürt hat. Jimmy hätte es besser wissen sollen. Aber bis jetzt ist Jimmy noch mit jeder  
Wunde fertig geworden. Das beweisen die viele Narben an seinem Körper. Große und Kleine,  
Gerade und Kurvige, Dicke und Dünne. Jimmy hat alle möglichen Arten von Narben. Sie sind  
hässlich und er möchte sie nicht haben, aber selbst, wenn er sie mit Hilfe der Hexe vom Tal  
wegzaubern lassen könnte, würde er es nicht tun. Auch wenn Jimmy das selbst gar nicht weiß.  
Jimmy weiß so einiges nicht. Aber er kann Drachen bekämpfen. Das kann er sehr gut. Und nicht  
nur Drachen, sondern alle Arten von Monstern. Vom weißen Schneekaukwaz, über die  
himmelblauen Salamankorspis, bis hin zu den rosafarbenen Schwipsdrosseln.
Jimmy lernt sie alle immer wieder aufs Neue kennen und bekämpft sie Tag für Tag. Manchmal  
setzen sie ihm ganz schön zu, aber bis jetzt hat Jimmy immer gewonnen. Jemand muss sich halt  
um die Monster kümmern, denkt Jimmy. Und wer, wenn nicht er? Außerdem, was sollte er mit  
sich anfangen, wenn die Monster nicht mehr da wären? Der Gedanke lässt ihn frösteln. Er  
schiebt ein weiteres Holzscheit in das Feuer und zieht die Decke enger um sich, mit der er vor  
dem Lagerfeuer auf dem kalten Boden hockt.
Er befindet sich in einer Höhle und sieht sich um. Er ist zum ersten Mal in dieser Höhle und doch  
kommt sie ihm so bekannt vor. Wenn er sie beschreiben müsste, würde er sagen – sie sieht  
genauso aus wie jede andere Höhle. Sie hat einen Eingang die gleichzeitig ein Ausgang ist. Sie  
hat graue Wände, an denen an manchen Stellen ein glitzernder Film aus Wasser haftet. Und hier  
kann er Kraft sammeln und seine Wunden versorgen. Die Wunde sieht nicht gut aus. Er macht  
sich ein wenig Sorgen, aber bis jetzt ist noch jede Wunde verheilt – das weiß Jimmy. Aber sogar  
Jimmy macht sich manchmal Sorgen, dass irgendwann die Wunde kommen wird, die nicht mehr  
verheilt.  
Vielleicht wird es die Kralle eines Larxons sein, die die tödliche Wunde in ihm versenken wird.  
Und Jimmy wird abends wieder in einer Höhle sitzen und wieder denken, dass bis jetzt noch jede  
Wunde verheilt ist. Nur wird es dann nicht mehr so sein. Und die Wunde wird sich noch mehr  
entzünden und noch mehr Blut gemischt mit Eiter wird dickflüssig daraus tropfen. Aber das wird  
irgendwann passieren. Oder – viel wahrscheinlicher – denkt Jimmy, wahrscheinlich auch nie.  
Denn bis jetzt ist noch jede Wunde verheilt.
Jimmy sieht zur anderen Seite des Lagerfeuers auf die Flasche des selbstgebrannten Schnaps,  
die er aus dem Dorf hat. Ein Schmied hat sie ihm geschenkt, denn Jimmy hat die ganzen  
Zwaupies aus seiner Werkstatt vertrieben und einige auch umgebracht. Der Schmied war so  
dankbar, dass er Jimmy eine ganze Flasche seines besten Selbstgebrannten geschenkt hat.  
Jimmy hat überschwänglich abgelehnt – aus Höflichkeit, denn auch das ist eine Tugend und ein  
echter Krieger zeigt sich bescheiden, auch wenn er die Flasche wirklich haben wollte. Er wusste,  
dass er sie sowieso bekommt, aber ein echter Held ist bescheiden und so hat er sich verbeugt  
und gemeint – Nein, nein, das ist gar nicht notwendig. Und der Schmied hat gesagt er bestehe  
darauf. Dann hat Jimmy die Flasche doch angenommen, auch wenn er das die ganze Zeit  
sowieso vorgehabt hätte. Aber ein echter Krieger ist eben bescheiden, Jimmy war das  
sonnenklar.  
Die Flasche reflektiert das Licht des Lagerfeuers und Jimmy denkt an das gute brennende  
Gefühl, wenn er einen Schluck davon nehmen würde. Aber er denkt sich auch, dass der Schnaps gut für die Infektion der Wunde wäre. Aber er hat nicht mehr sehr viel davon und es 
würde auch sehr schmerzen, diesen Hochprozentigen auf seine Wunde zu kippen.  
Das würde brennen und brutzeln und Jimmy müsste die Zähne zusammenbeißen und laut  
stöhnen und grummeln - aber – dachte Jimmy - auf keinen Fall schreien. Denn das wäre ganz  
und gar unkriegerisch.
Das wäre also ein sehr schmerzhaftes Prozedere und einiges vom Inhalt würde auch daneben  
gehen, das lässt sich gar nicht vermeiden. Somit wäre ein großer Teil des Inhalts vollkommen  
verloren. Er könnte eventuell mit einem Finger das Flaschenloch kleiner machen und nur ganz  
langsam wenige Tropfen exakt auf seine Wunden kippen. Somit würde der Verlust minimiert  
werden. Aber vielleicht würde es sich dann nicht gut genug auf der Wunde verteilen und er  
würde genau die kritische Stelle, die sich weiter entzündet und an der er schlussendlich sterben  
würde nicht erwischen. Dann wäre der ganze Schnaps natürlich vollkommen vergeudet und  
außerdem ist guter Schlaf ja auch sehr wichtig für die Heilung. Und mit Schnaps schläft Jimmy  
immer am besten, das weiß Jimmy. Wenn man alles zusammennimmt, wäre es ja richtig  
unvernünftig den Schnaps für die Wunde zu benutzen. Es war ja auch nicht mehr so viel in der  
Flasche, das verschwendet werden könnte, sie war höchstens noch halb voll. Und er musste ja  
morgen auch noch schlafen. Und die Wunde wird sich auch sowieso nicht weiter entzünden,
denn bis jetzt sind noch alle Wunden verheilt – sogar die ganz dicken.
Der Entschluss war gefasst und Jimmy steht langsam und stöhnend vom Boden auf. Die Wunde  
schmerzt. Er sieht wie ein wenig Eiter und Blut daraus hervorquillt und am Bauch herabläuft.  
Umso dringender benötigt er den Schnaps um seinen Plan und die Heilung durch guten,  
gesunden Schlaf voranzutreiben.  
Jimmy schlurft mit der Decke um seine Schultern um das Lagerfeuer herum zu seiner Tasche,  
aus der die gläserne Flasche mit seinem wertvollen Inhalt herausschaut. Jimmy umkreist das  
Feuer, schnappt sich die Flasche und schlurft zurück. Als er sich wieder setzte, fällt ihm ein,  
dass er seinen Becher in der Tasche vergessen hatte. Jimmy ärgert sich eine Sekunde lang, aber  
dachte dann sofort, dass ein Krieger auch ruhig mal aus der Flasche trinken darf. Während er  
den Korken aus der Flasche zog, dachte er, wie dumm er gewesen ist, sich überhaupt zu  
überlegen diesen guten Tropfen – es war immerhin ein Selbstgebrannter – als  
Desinfektionsmittel zu vergeuden. Er ist sogar ein wenig stolz auf sich, dass er so eine gute Idee  
hatte, den Schnaps lieber für einen guten gesunden Schlaf zu verwenden. Jimmy fühlte das  
vertraute gute Gefühl, wieder einmal das Richtige gemacht zu haben in seiner Brust und setzte  
die Flasche an seinen Mund – ja, das schmeckt, das schmeckt richtig - dachte Jimmy und nahm  
einen weiteren großen Schluck.

Ich habe die Geschichte in einem Rutsch, in einer Nacht in der ich nicht schlafen konnte, geschrieben.
Sie war weder geplant, noch wusste ich was es wird als ich die ersten Zeilen schrieb.

Das Erste was ich schrieb war der eigenwillige Titel und ungewöhnliche (und irgendwie auch unpassende) Name Jimmy. Es ist eine meiner ersten Geschichten, die kurz und rund genug ist, damit ich halbwegs zufrieden bin und das Gefühl habe, dass diese Geschichte abgeschlossen ist.

Über kurze Kommentare und Inputs würde ich mich riesig freuen, vor allem weil diese der einzige Grund sind, weshalb ich diese Geschichte veröffentlicht habe.

Danke fürs lesen.
Jimmy Vorhoefen, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.07.2025. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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