Leonhard Ried

Impressionen am Samstag vor Ostern

Droht eine Hungersnot? In größter Eile werden die Regale des Supermarkts geplündert. Ununterbrochen wird wieder eingeräumt. In großen, voll beladenen Gefährten wird Nachschub herangezogen.  Man kommt kaum vorwärts. Überall drängen sich die Menschen. Zwischendurch Kinder auf kleinen Rollern! Wer keine guten Nerven hat, ist hier fehl am Platz. 


Alle Nationen treffen sich hier! Eine Türkin trägt ein geblümtes Kleid, das bis zum Boden reicht. Eine Asiatin hat einen dunkelgrünen Faltenrock an. 

 

Ich bezahle und gönne mir noch eine Tasse Kaffee. Der Stress lässt nach. Ich sehe die verschiedenen Menschen, die ein und aus gehen. Jetzt fällt mir eine junge Mitarbeiterin der DHL auf. Sie bringt auf einem Karren Pakete zur Bäckerei. Auf ihrem Kopf sitzt ein Cowboyhut aus dunkelbraunem Leder. An ihren Ohren hängt auffallend großer schwarzer Schmuck, die nackten Unterschenkeln sind tätowiert. Ihr Gesicht ist verdeckt durch eine große Sonnenbrille.

 

Ich grüße den Murat, einen alten Türken, der vorüber eilt. Er hat vor kurzem seine Frau verloren. “Einen Tag war sie nur krank, und danach schon war sie tot! Gott weiß es!” Seit zehn Monaten hat er eine Katze, die um seine Beine streicht. Ich kenne zwei seiner Töchter, die sich liebevoll um den Vater kümmern. Sie heißen Aysun und Aynut, seine Schwiegertochter heißt Sevim. Sie hat einen Hund namens Giro.

 

Draußen explodiert die Natur. In unterschiedlichem Tempo entfalten die Bäume ihre Blätter.  Der Westfriedhof ist farbig wie schon lange nicht mehr. Besonders fasziniert sind wir von den Zierkirschen, die jetzt in voller Blüte stehen. Einen Kontrast dazu bildet das Gelb der Forsythien. 

 

An einer Kasse hat mir eine Frau erzählt, dass es morgen den ersten Spargel gibt. Wir freuen uns auf unsere Kinder, die heute Abend schon zu uns kommen.




 

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