Frederik Kloiber

בְּרִיחָה מ

Einleitung

Ein paar Promis haben den deutschen Bundeskanzler angezeigt, weil er angeblich den Staat Israel durch Waffenlieferung befähigt, an den Palästinensern einen Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verüben. Ich stelle nun die Frage: Wissen die Promis aus Berlin, was ein Genozid ist – oder ist das wieder die Unart, harte Worte wie einen Trend zu verwenden? Wann werden wir das Gruppenfoto der Promis sehen, auf dem sie betrübt, betroffen, vorwurfsvoll in die Kameralinse blicken werden? Vorerst eine Begriffserklärung für die Promis. Ein Genozid besteht aus folgenden Schritten: der gezielten und systematischen Vernichtung einer bestimmten Gruppe. Vernichtung einer nationalen, ethnischen, rassischen oder religiösen Gruppe als solcher. Es handelt sich um ein internationales Verbrechen, bei dem die Absicht besteht, die Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören.  Das, liebe Promis, ist ein Genozid. Folglich müssten in Gaza Massengräber und andere Beweise für einen Genozid zu finden sein? Ein Genozid ist es nicht, wenn aufgrund von Kriegshandlungen Opfer entstehen.

Die israelische Armee, kurz IDF, hat sicherlich nicht alles richtig gemacht, aber dieses Wort Genozid zu benutzen, ist nicht nur fragwürdig, es ist schlicht und ergreifend falsch! 

Die Menschen in Gaza verhungern? Warum eigentlich? Es gibt doch die Gaza Humanitarian Foundation, kurz GHF, die verteilen Essen gratis. Ja, die Hamas gibt es auch. Die stehlen die Lkw samt Ladung, um die Ladung dann für teures Geld an die Bedürftigen zu verhökern. Es gibt auch noch die UN, die laut israelischem Außenminister Sa'ar (Politico.eu-Artikel: „Israel blames UN for Gaza aid failure“) sich weigert, die Nahrungsvorräte nahe dem Grenzübergang Kerem Shalom zu verteilen. Empört weist die UN das zurück. Dieselbe UN, die auch empört war, als man behauptete, dass Mitarbeiter des UNRWA auf der Gehaltsliste der HAMAS stünden, was sich später als Wahrheit entpuppte. Dieselbe UN, die empört war, als Behauptungen auftauchten, dass unter den Liegenschaften der UNRWA/UN Stützpunkte der HAMAS seien, was auch zu einer Wahrheit wurde. Was wird als Nächstes bei dieser UN nach Empörung zur Wahrheit? Werden die DEUTSCHEN PROMIS auch gegen diesen Verein eine Klage wegen Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einreichen? Also wer verhindert jetzt, dass die Leute in Gaza etwas zu Essen bekommen?

Was ist überhaupt mit unserer Qualitätspresse, dem Leuchtfeuer der mutmaßlichen Pressefreiheit, dem Bollwerk der Demokratie? Man zeigte das Bild eines jungen Kindes, das herzzerreißend war. Der Junge, total abgemagert, sah verhungert aus und war es auch – ABER – das Kind (Mohammed Zakariya Ayyoub al-Matuk) leidet an „Zerebralparese“, die zu seinem Zustand führte. Die westliche Qualitätspresse (lach) schlachtete das Foto so erbärmlich schamlos aus und kein Hinweis auf die Krankheit in dem Artikelchen des westlichen QUALITÄTSJOURNALISTEN – erbärmlich! Als dieser Beschiss am Leser auffiel, updatete man schnell die Story, nicht wahr, „New York Times“? Wir haben es dem Journalisten David Collier zu verdanken, dass dieser Schwindel am Leser aufflog! Mein guter Freund Alexi fragte mich vor kurzem, warum ich kein Zeitungsabonnement mehr habe. Das hier wäre so ein Grund! Natürlich ist nicht die ganze westliche Presse fragwürdig. Es gibt noch ein paar herausragende Zeitungen (die Aussage darf mit Augenzwinkern gelesen werden!). Die Bildzeitung, die schlimmste Boulevardschleuder in der Geschichte der Zeitungen, deckte diesen Skandal auf. Jawohl: „Bild! Nichts ist härter als die Wahrheit!“  Ausgerechnet die Bild ... 




 

בְּרִיחָה מֵהָרְחוֹב

 

(B'richa me-ha'rechov)

Flucht von der Straße

I.

Zungen aus Gummi brüllen „GAS!“
לָמָּה אַתָּה רוֹצֶה לִקְנוֹת גַּז, חָבֵר?
Fenster wackeln, nicht vom Wind
sondern vom Hass aus Sehnen und Stahl
Ein Schild sagt: „Freiheit!“
doch zeigt auf den Abgrund
סַפֵּר לִי עוֹד עַל הַחֵרוּת שֶׁלְּךָ, חָבֵר!

 

לָמָּה אַתָּה רוֹצֶה לִקְנוֹת גַּז, חָבֵר?

(Transliteration: Lama ata rotze liknot gaz, chaver?)
„Warum willst du Gas einkaufen, Freund?“

 

סַפֵּר לִי עוֹד עַל הַחֵרוּת שֶׁלְּךָ, חָבֵר!
(Transliteration: Saper li od al hacherut shelcha, chaver!)
„Erzähl mir mehr von deiner Freiheit, Freund!“

 

Sie schreien so schrecklich laut, als ob ihr Leben dringlich davon abhinge. Trillerpfeifen quälen das Ohr. Sie schreien in die Luft und ich verstehe nur Wortfetzen. Eine junge Frau will mir einen Flyer in die Hände drücken. Ich lehne dankend ab. Sie sieht mich voller Verachtung an. Ja, ja – ich bin jetzt ein der nächste böse Feind. In ihren Augen verdiene ich wohl diesen Hass. Augen, die nicht verbergen, sondern offenbaren … Selten gesehen, selten so gewalttätig, selten so frei und ungezügelt gegeben.

 

II.

?מָה אֲסוּר לִי לִרְאוֹת וּמָה לֹא לִשְׁמוֹעַ, חָבֵר
Ich bin das Auge in der Ritze
zwischen dem Ampelgrün und dem Plakat
meine Schritte aus Watte
meine Ohren aus Schorf
Ich wollte Milch kaufen,
doch fand Schreie im Sonderangebot
הָאֱמֶת מַרְעִיבָה אוֹתִי הַיּוֹם!

 

?מָה אֲסוּר לִי לִרְאוֹת וּמָה לֹא לִשְׁמוֹעַ, חָבֵר

Transkription: Ma asur li lirot u-ma lo lishmoa, chaver?
„Was darf ich nicht sehen und was nicht hören, Freund?“

הָאֱמֶת מַרְעִיבָה אוֹתִי הַיּוֹם!

Transkription: Ha-emet mar’iva oti hayom!
„Die Wahrheit lässt mich heute hungern!“

 

Ich empfand es immer als belastend, Zeuge zu sein. Noch schlimmer ist es, wenn Gerechtigkeit, der Weg zu ihr hin, vorgegaukelt wird. Der liebe Gott hat mich verflucht, er gab mir die Gabe, durch den Schleier der Worte zu blicken. Ach, hätte er mich doch dumm und einfältig zurückgelassen! Was soll ich nur tun? Sage ich die Wahrheit, dann fallen sie wie hungrige Raubvögel über mich her. Sage ich die Lüge, dann sehe ich die Augen, die voller Enttäuschung mich anklagen. Was soll ich tun? Wähle ich die Untätigkeit, mache ich mich schuldig. Dieses Leben bietet keine Wahl, die Leib und Seele frei sein lässt von Leid und Qual? Was soll's – alles Leid kennt ein Ende, gehen wir weiter, bis Frieden sein wird. Und wenn es auf die Schnauze gibt, so gehe ich lächelnd unter, aber mit ruhigem Herzen.

 

 

III.

כָּךְ אַתָּה מַסִּיר אֶת הַמַּסֵּכָה לְסוֹף, חָבֵר?
WER BRENNT DA?
Wessen Stimme tropft
wie Öl aus dem offenen Mund?
„Israel verrecke!“ –
Ach du heilige Poesie,
הַאִם אַתָּה אֲדוֹן לְדִבְרֶיךָ אוֹ שֶׁאַחֵר מְדַבֵּר בְּפִיךָ, חָבֵר?
wo bist du hingeflohen?

 

כָּךְ אַתָּה מַסִּיר אֶת הַמַּסֵּכָה לְסוֹף, חָבֵר?

Transkription: Kach ata masir et ha-masecha le-sof, chaver?
So lässt du deine Maske fallen zuletzt, Freund?“

 

הַאִם אַתָּה אֲדוֹן לְדִבְרֶיךָ אוֹ שֶׁאַחֵר מְדַבֵּר בְּפִיךָ, חָבֵר?

Transkription: Ha’im ata Adon le-divrecha, o she’acher medaber be-ficha, chaver?
Bist du der Herr deiner Worte oder führt ein anderer das Wort, Freund?“

 

Denn sie wussten nicht, was sie taten. Doch – sie wussten es. Sie kannten die Geschichte. Sie kannten alle Einzelheiten, jedes noch so monströse Detail, das der Hass freizügig, wie eine Hure, gegen bare Münze offeriert. Sie wussten es. Jugend oder Alter? Ausrede oder Ausreden? Nein, so einfach ist es nicht. Die Augen der Menschen, die ich sah, sprachen das „Gegrüßet seist du, Hass …“. Und doch versteckten sie ihre Gesichter, wie der Dieb sich hinter Nacht verbirgt, hinter Tuch mit Symbol und vielen Gefährten, die ihnen so einfach folgten. Für den gerechten Hass? Gerechter Hass? Es gibt keinen gerechten Hass, den gab es in keiner Zeit. Ich dachte – und ich dachte falsch. So blieb mir nur, in Worten zu bezeugen, was in Parolen und Gesten längst wollüstig demonstriert wurde. Als ich genug gesehen hatte, verließ ich diesen speziellen Ort und bin seither nie wieder dort hingegangen. Manche Orte sind mit Wort und Tat so endgültig entweiht, dass es zu viel ist, sie ein zweites Mal aufzusuchen.

 

 

IV.

?לָמָּה אַתָּה מְנַסֶּה לִבְרוֹחַ מִן הָאֱמֶת, חָבֵר
Ich vergrabe mich
zwischen Doppelmoral und Pappkarton
– „Nie wieder“ ist jetzt
nur noch ein Sticker
auf einem Laternenmast
neben dem Hundekot
הָאֱמֶת הִיא מַרְאָה שֶׁמַּרְאֶה אֶת פְּנִימִיּוּתְךָ – אֵיךְ תִּבְרַח מֵעַצְמְךָ, חָבֵר?

 

?לָמָּה אַתָּה מְנַסֶּה לִבְרוֹחַ מִן הָאֱמֶת, חָבֵר

Transkription: Lama ata menasse livroach min ha-emet, chaver?
Warum versuchst du vor der Wahrheit zu fliehen, Freund?“

 

הָאֱמֶת הִיא מַרְאָה שֶׁמַּרְאֶה אֶת פְּנִימִיּוּתְךָ – אֵיךְ תִּבְרַח מֵעַצְמְךָ, חָבֵר?

Transkription: Ha-emet hi mar’ah she-mar’eh et pnimiyut’cha – eikh tivrach me-atzm’cha, chaver?
Die Wahrheit ist ein Spiegel, der dein Innerstes zeigt – wie willst du vor dir selbst fliehen, Freund?“

 

Das Wort „Haltung“ erlebt eine Renaissance, allerdings ohne den tieferen Sinn des Wortes verstanden zu haben. Haltung ist Forderung und Forderung führt zu Resultat. Wozu diese neue Haltung nicht führen soll, ist die Verantwortung, die sie nach sich zieht. Verantwortung sollen die anderen tragen? Wenn die anderen nicht so wollen wie die „Forderer“, dann sind sie schlechte Menschen, die anderen. Schlechten Menschen kann man ein schlechtes Gewissen einreden, dann tragen die schon die Verantwortung. So munkelt man, lautet das Kalkül. Forderungen sind Worte und Worte sind Konsequenzen und Konsequenzen sind eine unschöne Begleiterscheinung. Am Ende will von den Schreihälsen keiner die genannte Kette tragen: „Wir haben doch demonstriert – jetzt seid ihr dran, so einfach ist das für uns!“

 

 

V.

Ich beschließe:
Ich gehe nicht mehr raus.
בְּדִידוּת הִיא רֵיאָלִיּוּת אַחֶרֶת בִּלְבַד, חָבֵר.
Der Bürgersteig beißt.
Der Mensch riecht nach Vergangenheit.
בָּעָבָר נִמְצָא הַמַּפְתֵּחַ לֶעָתִיד, חָבֵר!
Der Ruf nach Frieden klingt

 

בְּדִידוּת הִיא רֵיאָלִיּוּת אַחֶרֶת בִּלְבַד, חָבֵר.

Transkription: Bedidut hi realiyut acheret bilvad, chaver.
Isolation ist nur eine andere Realität, Freund.

 

בָּעָבָר נִמְצָא הַמַּפְתֵּחַ לֶעָתִיד, חָבֵר!

Transkription: Ba-avar nimtza ha-mafte’ach le-atid, chaver!
In der Vergangenheit findet sich der Schlüssel für die Zukunft, Freund!

 

Der Zwang ist der erste Nagel im Sarg der Freiheit. Wenn ein Mensch dem anderen vorschreiben will, was er sagen darf, was bedeutet das dann für den Bevormundeten? Kann die Freiheit den Zorn der Ächtung auf Dauer verkraften? Was soll ich glauben, wenn man alles glauben darf außer der Wahrheit? Kann ich vor dieser Realität fliehen? Kann ich mich dem eisernen Gebot der mutmaßlichen Gerechtigkeit entziehen? Was kann denn noch getan werden, wenn die eine Entscheidung mit gesellschaftlichem Feuer und politischem Diktat erwirkt werden soll? Unrecht kann kein Recht sein. Der Preis, den man für Gerechtigkeit zahlt, ist gleichzusetzen mit einem Martyrium ... Am Ende eines jeden Festmahles gilt es, die Rechnung zu bezahlen. Es stellt sich die Frage, wer sie diesmal zahlt. Die, die voller Zorn Anklage sprechen? Die, die am Ende den Blutpreis bezahlt haben? Die, die für ihre Landsleute gekämpft haben? Wer, wer wird den Preis bezahlen? Ich weiß auf jeden Fall, dass die Schreihälse beim Begleichen von Rechnungen noch nie eifrig „hier“ riefen!

 

VI.

Ich bleibe stehen.
תִּקְוָה הִיא הַמַּטְבֵּעַ הָאַחֲרוֹן בַּאֲרַנְק הָרֵיק, חָבֵר.
Ich blicke in die Gesichter.
Sie sehen mich nicht.
Ich sehe sie.
Der Blick, der zittert,
wenn dein Inneres bebt.
בַּשֶּׁקֶט נִמְצֵאת הַתְּשׁוּבָה, חָבֵר!
Kein Wort mehr.
Nur Atem.
Nur Zeit.
Vielleicht ein Schritt.
Vielleicht Stille.
Vielleicht ein Anfang.

 

 

תִּקְוָה הִיא הַמַּטְבֵּעַ הָאַחֲרוֹן בַּאֲרַנְק הָרֵיק, חָבֵר.

Transkription: Tikva hi ha-matbe’a ha-acharon ba-arnak ha-reik, chaver.
Hoffnung ist die letzte Münze, im leeren Klingelbeutel, Freund.

 

בַּשֶּׁקֶט נִמְצֵאת הַתְּשׁוּבָה, חָבֵר!

Transkription: Ba-sheket nimtzet ha-teshuvah, chaver!
In Ruhe findet sich Antwort, Freund!

 

Am Ende bleibt nie mehr als ein ruhiges Wort. Wenn man nicht sieht, dann kann man nicht urteilen. Wenn man urteilt, dann sollte man sicher sein. Wenn man sicher ist, dann sollte man ein ruhiges Wort führen. Das Geschreie dieser Zeit ist so sinnlos wie der Grund des Geschreies. Es lässt sich auf das herunterbrechen, was es ist – sinnlos. Am Ende stellt sich wieder folgende Aussage: „Wir lagen falsch! “ Nein, sage ich, nicht wir lagen falsch – ihr habt falsch gelegen! Ich trage für euch nicht eure Verantwortung und ich übernehme für euch nicht eure „Schuld“! Ihr habt von der Hoffnung für die armen, armen Opfer des Krieges gesprochen und nur wenig von den Menschen, die vorher zu Opfern gemacht wurden. Ihr ignoriert gerne die eine Seite und schlagt euch auf die andere Seite. Wenn ihr das wollt, dann steht auch gerade für eure Entscheidung! Das WIR ist tot.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

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