Klaus Mattes

Mattes Funkeln 8 Die Flasche

 

Ich bin auf dem Heimweg vom Park. Mein Weg führt eine Ausfallstraße mit schlafenden Wohnblocks lang. Bis zum Vorort sind es fünf Kilometer. Um diese Uhrzeit fährt kein Bus. Mein Fahrrad ist kaputt und keiner repariert es mir. Mir entgegen, aber auf der anderen Straßenseite, geht ein junger Mann, der, soweit ich das über die Straße beurteilen kann, gut aussieht. Ich drehe mich um und schaue ihm hinterher. Gleich darauf drehe ich mich ein zweites Mal um und sehe, dass er nach mir Ausschau hält.
 

Schnell gucke ich geradeaus und laufe weiter. Nach ein paar Schritten will ich noch mal sehen. Weil wir jetzt schon zum zweiten Mal in der gleichen Sekunde über die Straße starren, ist er entweder stehengeblieben und hat die ganze Zeit weiter geguckt oder wir haben uns im exakt gleichen Moment erwischt. Noch einmal gehe ich ein paar Schritte vorwärts und schaue dann doch wieder zurück. Und da ist weg.
 

Wohin kann der so schnell verschwunden sein? Die Straße fällt hier leicht ab. Ich kann hunderte Meter weit sehen. Kein Auto fährt, meilenweit geht da kein Mensch. Aber die große Kreuzung mit den vielen Zebrastreifen, die ist da gleich, allerdings doch zu weit weg, wenn er nicht stark beschleunigt hat. Knapp vor der Kreuzung ist „Der Gallier“, ein Kellerlokal, ein sogenannter „Club“, der nur nachts offen hat. Ich weiß nichts über den „Gallier“. Der muss aber auch schon zu sein, die Lichtreklame ist aus. Dieser Typ spielt mit mir. Der steckt doch da drüben, gleich hinter der Ecke vom „Gallier“. Ich gehe über die Straße.
 

Er ist ein junger, angenehm hübscher Mann. Kurzes blondes Haar, möglicherweise neunzehn, zwanzig, einundzwanzig, so in etwa. Er steht, eine Bierflasche in seiner Hand, in der Hofeinfahrt vom „Gallier“ und schaut mich an. Die Tür vom „Gallier“ ist auf und von unten sind Stimmen zu hören. Der junge Bursche ist von der US-Army, ein Soldat. Ich könnte darauf schwören. Er hat ausgebleichte Jeans an, Turnschuhe, ein schlichtes T-Shirt, obwohl es kühl ist in der Nacht. Sein Gesicht kommt mir sehr anziehend vor. Dem Außenstehenden würde vielleicht eine leichte Dümmlichkeit auffallen, aber ich mag so was sogar, diese Anmutung von unschuldiger Land- oder Arbeiterjugend. Die Unkompliziertheit der Amerikaner. Ein wenig wie Oliver sieht der aus. Oliver ist ein Bekannter von mir, der diese kaum merkbare übergroße Nase hat und darum habe ich ihn wegen seiner Schönheit heimlich „Kartoffelnase“ getauft. Oliver übrigens, wohl wegen seinem Narzissmus, ist hin und weg bei jungen G.I.s mit kurzen blonden Haaren und leichter Kartoffelnase.
 

„Hey“, sagt er. „Following me?“

Er fuchtelt mit einer Bierflasche. Die ist offen und scheint mehr oder weniger leer zu sein.

„Äh was?“, sage ich.
 

„You speak English?“

„A bit“, sage ich.
 

Er teilt mir mit, dass er Amerikaner ist. Ich sage: „I’m German.“
 

Wo ich jetzt herkomme, fragt er. Aus der Stadt, sage ich. Wo ich hingehe? Nach Haus, sage ich, deute eine Richtung an, will noch erklären, dass ich nicht hier um die Ecke, sondern im Dorf, hinten überm Berg, weit weg wohne. Er sieht mich an, als würde ich ihm etwas verheimlichen. Und fragt noch mal, von wo ich eigentlich komme. Spät in der Nacht, meint er. Auf Englisch natürlich.

„Nichts weiter, einfach so mal aus der Stadt.“
 

Sein Grinsen besagt, dass man ihn nicht anschmieren kann. Was ich dort gemacht hätte? Dieser Bub! Ein Gefühl drängt sich mir auf, als wüsste ich, dass der alles weiß und mich genau richtig versteht. Weil das einer von diesen Augenblicken ist, wo das dann eben mal so ist, obzwar es praktisch nie vorkommt, aber jetzt doch. Er weiß also auch schon, dass ich im Pomeranzengarten war und wonach ich Ausschau gehalten habe.
 

„Und? ... Kann man noch wo hin um diese Zeit? Weißt du was?“

Das aber fragt er nicht. Würde jeder deutsche Schwule oder Bisexuelle fragen.

„Why are you walking behind? Are you dangerous?“, fragt er und lacht, weil ich nicht gefährlich bin und man das sieht.
 

Er ist ein bisschen drüber mit seinem Alkohol. Da muss man aufpassen, so was kann auch schnell umschlagen. Ich frage, wo denn er noch hin will um die Zeit.
 

„Don’t you try a thing on me!“

Er schlägt mit der Flasche, senkrecht rauf durch die Luft.
 

„Alright. Well. See you.“

Aber ich mache keinen Schritt. Ich will nicht alleine sein, wo hier was passiert und sogar was Nettes.
 

Er sagt, er weiß aber, was ich will. Er weiß Bescheid. Er grinst mich an.

„Oh yeah?“, sage ich.

„You’re looking for something? Right?“

Ich sage nichts.
 

„Looking for this?“, sagt er und drückt die Bierflasche mit ihrem Boden gegen die Jeans, Winkel aufwärts. Ich lächle.

„Could be.“

„See. I got you“, sagt er.
 

Er mag mich, wie es aussieht. Und er lächelt ziemlich interessiert.

Ich habe das ja noch nie erlebt: auf offener Straße, an x-beliebiger Stelle mitten in der Stadt.

Wir sehen uns an. Wir stehen noch da. Wir lächeln immer weiter. Wir mögen uns. Und wissen nicht, was wir tun können.
 

Ich bin der Ältere, ungefähr zehn Jahre älter. Er war es, der mich überführt hat. Man glaubt überhaupt nicht, dass der Andere noch gar keine Ahnung haben soll, wenn man so genau weiß, was man am liebsten hätte.
 

„You’re with the American forces?“

Nein, jetzt nicht mehr. Er war bei der Army. Jetzt ist es vorbei.

„It’s all over now.“

Angeblich morgen wird er Deutschland verlassen.

Oder will nicht mehr gefunden werden.
 

„Ah so, du feierst Entlassung“, sage ich und nicke der Flasche zu. Wortlos gibt er sie mir, damit ich was trinken kann. Ich nehme einen Schluck.

„Still after it?“, fragt er.

Ich mache „Hm, hm“.
 

Er haut die hohle Hand auf meine Männlichkeit. Wir grinsen wie Jungs. So leicht geht das nie, denke ich. Und außerdem ist der mehr oder weniger genau mein Typ. (Was mich wirklich warnen sollte, aber hol's der Geier!)

„Know a place?“

Ich sage zu viel auf Deutsch. Er versteht mich nicht.

„Ich weiß nicht. Hier ist ja nichts. Um die Ecke aber auch nicht. Drüben auf dem Platz, kann sein. Da ist so ein Spielplatz.“

Was zum Geier heißt Spielplatz auf Englisch? Playground? Quark doch!
 

Er packt meine Schulter: „Let’s go! Come on!“

Er geht ins Haus, die Stufen runter.
 

Ich rufe: „No, not there. That is nothing.“

„There’s got to be somebody down there. Can’t you hear the voices?“

Was will er dort?

„It’s already closed!“
 

Er ist die Treppe runter. „No, it’s open. Can’t be closed with those people.“

Er ist jetzt weg.
 

Ich schleiche ihm nach. Ich spitze die Ohren, kriege nichts mit. Da unten rein kriegt mich jetzt keiner. Eher gehe ich wieder. Es dauert. Dann ist er wieder draußen, immer noch die Bierflasche.

„They’re closed.“
 

Draußen rennt er dann eilig los, ich hinter ihm her. Ein Stück in die Seitenstraße hinein. Man erkennt, dass da Zweifamilienhäuser mit Jägerzäunen und Ligusterhecken stehen. Das sieht hier stark nach Deutschland aus.
 

Ich fasse ihn am Arm. „Come away with me! There must be a playground over there.“

Heißt wahrscheinlich Rummelplatz, irgendwas wird er schon verstanden haben. Zur Kreuzung zurück, über den einen Zebrastreifen, Ampeln aus, null Verkehr. Stille, nicht ein einziges Fahrzeug.
 

Der Platz ist nicht so, wie ich ihn mir dachte. Vor allem zu hell wegen der hell erleuchteten Kreuzung. Kein Sichtschutz, nur eine übertrieben hohe Wand aus Maschendraht gegen die Straße. Ein paar Bänke, einige Becher, loses Papier. Und eine herrliche schulterhohe Hecke. Die schließt aber nichts ein, sondern läuft nur einer kleinen Seitenstraße hinterher. In meiner Erinnerung hatte ich hier noch einen Sandkasten und mehrere Tischtennisplatten gesehen. Die sind weg. Dann natürlich, festgemauert das alte Klohäuschen mit vergitterten Fenstern. Das haben sie schon vor Jahren dicht gemacht.
 

Mein Amerikaner kippt sich das letzte Bier ein und schmeißt die Flasche weg. Nur liegt sie noch viel zu nah und ist nicht kaputtgegangen. Schon hat er Sehnsucht nach ihr, hebt sie wieder hoch, spielt dran rum. Wer hat hier Angst vor wem, denke ich.
 

Er schlingert gegen meine Schulter, vorgerecktes Kinn, bisschen Gelalle, das er vorhin noch nicht hatte, Flasche in der Hand. Mit seiner Linken sucht er nach meinem Reißverschluss.

„I’m drunk.“
 

Das kaufe ich dir nicht ab. Aber er braucht es wahrscheinlich. Vorwand, nachher nicht verantwortlich gewesen zu sein.

„I’m drunk.“

Sogar auf Deutsch kann er's: „Be-trun-ken!“
 

Den Reißverschluss an einer fremden Hose, in der noch jemand drinsteckt, aufzubekommen, ist doch schwerer, als man annehmen mochte. Zumindest mal fürs Protokoll, dass wir alle beide an einen Schwanz dran kommen wollten. Ich übernehme das Ding hier jetzt besser. Ich fasse mitten rein, hole ihn raus. Seiner ist groß, beschnitten, ziemlich weich, überhaupt unvorteilhaft schlaff. Ein kleiner Komiker.
 

Nach allem, was ich im Leben über solche Augenblicke schon gelernt habe, wird der nachher nie mehr kommen. Da kann ich mir Mühe und Sorgfalt sparen. Das Schlaueste wäre zu gehen, ohne was zu sagen. Bisschen Tempo vorlegen, bevor er sich entschieden hat, ob er entehrt wurde. Und was mache ich also? Ich gebe ihm meinen in die Hand. Meiner ist hart wie ein Bohrer und arg glitschig. Die Unschuld weiß nicht so genau. Ich ziehe meinen kleinen Krieger an mich und verurteile ihn zu Küssen ins Gesicht, sogar auf den Mund. Er will nicht so recht und er hilft sich mit:

„I’m drunk.“
 

Wenn der jetzt nicht geil wird, versackt das im Niveau der Dreizehnjährigen. Ich werkele herum und auch noch ein bisschen bei mir. Die Zeit hat ihr Vergehen eingestellt. Ist doch mal was Anderes. Freunde in ihrer Ewigkeit, Kuscheln wie Kinder auf dem Bolzplatz.
 

Ich streichle sein Gesicht. Bitte du, gibt mir was Gültiges! Er weiß es jetzt: Nein, keinen Kuss mit Mann! Du musst dich aufgeben und dich führen lassen! Aber so betrunken ist der noch nicht. Er muss noch auf sich Acht geben.
 

Mit gestelzten Bewegungen mache ich ihm die Hose ganz weit auf, ziehe sie ein Stück die behaarten Beine hinunter. Und dann auch die Boxershorts bis zu seinen Turnschuhen. Drunk. Immerhin scheint es ihn nicht mehr zu kümmern, wie er dasteht: enthüllt auf einem beleuchteten Platz in der Nacht.
 

„What do you want me to do?“, frage ich.

„Don’t know. You took me. I’m drunk.“

„Witzknochen!“

Versteht der nicht. Drunk.
 

Ich knie mich nieder vor diesem Geschenk der Nacht und lutsche los. Lutschen ödet schnell an, wenn beim Anderen sich nichts ereignet. Außerdem befindet die Bierflasche sich jetzt fünf bis zehn Zentimeter weg von meiner Schläfe. Ich stehe besser mal auf.
 

Meine linke Hand unter seinem Shirt. Glatt und haarlos. Ich verwöhne mich selbst, wie man wohl sagt. Wenigstens einer kommt noch, Bruder, das verspreche ich. Er legt sein Gesicht mir an den Hals und fischt nach meinem Schwanz. Männer vergessen nicht, wie Wichsen geht. Und er hat eine Engelsgeduld und macht immer weiter, obwohl eigentlich ich nicht mehr kann, weil ich nachgelassen habe, alles eingeglitscht ist, er diese Flasche nicht loslässt.
 

Auf einmal kommt es mir dann aber. Ich begreife das selbst nicht. Ich krame ein Papiertaschentuch hervor für seine Finger. Jetzt endlich stellt er die Flasche ab, macht sich sauber, wirft Papier zu Papier.
 

„What now? Where are we going?“

Wie wär's erst mal mit Unterhose hoch?
 

„What now? Tell me.“
 

In meinem eigenen Interesse müsste ich weg und zwar schnell. Aber ich knie mich wieder hin und nehme das Ding in den Mund.

 

Der blonde, kartoffelnasige Amerikaner guckt von oben runter und wirkt eher gelangweilt als engagiert. Ich versuche seinen Hintern zu reizen. Er bewegt sich und geht zwei Schritte zur Seite und nimmt die Flasche wieder an sich.
 

„I’m drunk. Oh, I’m so drunk!“

Da stehen wir. Drei Meter Abstand. Keiner kann sich rühren.
 

Die Flasche als Zeigestock: „You’re a prostitute!“

Das war's, was ich hörte.
 

„It’s against the law. I’m gonna turn you in to the police. Po-li-zei.“

Ich lache, unsicher.
 

„You must be joking. I am no prostitute.“

„Prostitute. I know. You certainly are. Come on, let's go!“
 

Er dreht mir den Rücken zu; rennt von mir weg, macht eine Windmühlenbewegung mit dem Flaschenarm.

„Come on! We’re on our way. Po - li - zei.“
 

Langsam mache ich Schritte. Er scheint sich auszukennen. Er geht in die entgegengesetzte Richtung von meiner, was er auch muss, denn die Polizei ist dort hinten, siebenhundert Meter vielleicht.

Er kommt auf mich zu und lacht mich an. Zerrt meinen Ellbogen. Ich könnte rennen.
 

„Alright. Let’s go! Let’s go!“

Ich lache und gehorche. Er überquert die breite Straße ohne Autos. Ich gehe mit.

„Do you really know where you want us to go?“

„The police. You are a prostitute.”
 

Das gefällt mir nicht mehr. Er hat sich reingesteigert, jetzt habe ich Angst davor, die Flasche auf den Kopf zu bekommen.

„I’m not going to the police. Besides you don’t know where the police is.“

„Po - li – zei! I know where they are. Wilhelmstraße. Come on!“
 

Er reißt. Das Kreisen der Flasche. Polizei ist in der Wilhelmstraße.

Wir laufen jetzt also bis in die Wilhelmstraße.
 

Ich stoppe und sage: „I‘m no prostitute. Good night. It was very nice meeting a handsome American like you.“

Ein Auto kommt vorbei. Er am Randstein winkt mit der Flasche, als wollte er es stoppen.

„Prostitute!“, brüllt er. „Stop! He’s a prostitute.“

Das Auto ist natürlich schon weiter. Er packt mich, spielt mir den Schlag mit der Flasche vor. Die Augen blitzen.
 

„Come on! Let’s go!“

Ich bin zu weit gegangen.
 

Wenn ich fliehe, wird er mich jagen. Zehn Jahre jünger, Militärsport, der kriegt mich. Dagegen: Was wird die Polizei mir schon tun?
 

Auf dem Parkplatz stehe ich zwei, drei Minuten völlig frei, während er die kleine Treppe hinauf springt und ohne Ergebnis Sturm klingelt. Er plärrt seinen Satz, das wäre jetzt besser auf Deutsch. Deutsche Polizei hat's mit den Fremdsprachen nicht so.

„Open up! Immediately. I bring you a prostitute!“
 

Patsch, patsch, die freie Hand gegen die geschlossene Tür. Und immer noch keine Regung der staatlichen Autorität. Ich könnte schon weg sein. Dann Tritte, dann Klingeln. Die Polizei nimmt es gelassen auf.
 

Aber jetzt ist wirklich einer an der Tür.

„Was ist denn hier los?“, mault er. „Was schreien Sie hier so herum?“

„A prostitute! A prostitute!“
 

Mit der Bierflasche zeigt er zu mir hinunter. Ich trete näher heran, damit ich dem Lauf der Unterhaltung folgen kann. Der Beamte äugt misstrauisch, sieht eigentlich ängstlich aus und sagt: „Kommen Sie alle beide einen Augenblick doch mal herein, bitte!“
 

Ihn nimmt er ins Büro mit rein, ich muss hinter der Ecke vom Foyer auf einer Bank im Gang warten. Noch ein Polizist taucht auf und mustert mich mit unerforschlichem Gesichtsausdruck. Er geht um die Ecke und zur Außentüre und prüft sie. Sie ist gut abgeschlossen. Er geht an mir vorbei und verschwindet. Ich sitze etwa fünf Minuten alleine, alle sind verschwunden. Stille. Noch mal ein Zeitstillstand.
 

Als sie dann ankommen, ist die Flasche weg. Das sehe ich sofort. Der Polizist schickt sich an, mir einen kleinen Vortrag zu halten.

„Das hier ist einer von den Amerikanern.“

Er macht eine Pause, in der ich mich mit der Schwere dieser Tatsache beschäftigen soll.
 

„Der will Sie anzeigen. Er sagt, Sie sind eine Prostituierte. Ich hab versucht, ihm das beizubringen, dass es bei uns nicht strafbar ist. Er versteht aber kein Deutsch. Er steht auch unter Einfluss von Alkohol.“

„Aha“, sage ich und nicke.
 

Es kommt mir irgendwie so vor, als würde mich dieser Polizist verabscheuen, aber er ist halt im Dienst. Deutsche Beamte haben korrekt zu bleiben.
 

Wie wir so stehen, ich bin jetzt auch aufgestanden, und uns unterhalten, verliere ich das Interesse an dem Polizisten und schaue nur noch den Amerikaner an. Komischerweise sieht er hier im besseren Licht erst richtig schön noch nicht erwachsen aus. Er hat mich zwar bedroht, aber der Bub muss an sich lieb sein, davon bin ich überzeugt. Bisschen Trottel halt, das hatte ich aber in Kauf genommen.
 

„Da wird jetzt gleich die MP da sein. Dann hat es sich.“
 

Ich habe kaum „Aha“ gesagt, als ein olivfarbener Kleinbus auf dem Vorplatz den Motor abwürgt. Der Polizist greift sich den Jungen beim Arm und führt ihn zur Türe und macht irgendwas, dass die aufgeht. Ich gehe hinter ihnen her. Unten sitzen zwei uniformierte Amerikaner und haben die Scheibe unten. Einer steigt aus, kommt die Treppe hoch und fasst nach dem Blonden wie nach einem Gepäckstück. Der Militärpolizist ist blutjung und ebenfalls eine Schönheit, sogar eher dunkel, was noch mehr mein Typ ist. Er weiß aber schon was und mag mich nicht und kreuzt mit seinen Blicken meine nicht ein einziges Mal. Der deutsche Polizist redet mit unterdrückter Stimme mit ihm. Man kriegt es kaum mit, merkt aber noch, dass der Deutsche wirklich kaum Englisch kann, wie ich mir das vorhin gedacht hatte.
 

Der MP reißt den Buben mit sich, er kippt ihn in den Bus. Der Bus steht noch längere Zeit, die Scheiben sind jetzt zu und man kann sehen, wie sie aufgeregt auf ihn einsprechen. Schließlich fährt der Bus fort.
 

Der Polizist ist immer noch bei der Tür und er sagt: „Ich will überhaupt nicht wissen, was da los war. Mit denen müssen Sie in Zukunft vorsichtiger sein! Das sollten Sie sich wirklich merken! Vorsicht bei Amerikanern! Die haben ihre eigenen Gesetze. Gute Nacht!“
 

Und wieder sind es fünf volle, einsame, sinnlose Kilometer der Bundesstraße nach. Beim „Gallier“ ist, wie vorher aber auch schon, alles ruhig und nirgendwo ein Licht zu sehen. Die Ampeln sind abgeschaltet. Es ist, wie wenn man aus dem Film kommt. Ich überlege, ob sie die Flasche abgeben wegen dem Pfand.


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.08.2025. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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