Istvan Hidy

Schöne Ferien, ihr Gentrifizierer!

Eine Glosse über Selfie-Stürme, steigende Mieten – und kalte Duschen als Protest

Ach, der Tourismus. Früher hieß das: drei Leute mit Rucksack und Brotzeit am Gardasee. Heute? Zehntausende Urlaubsnomaden in Sandalen, die sich durch Altstadtgassen drängen, um sich gegenseitig beim Posieren vor Kirchenportalen im Weg zu stehen – mit dem Rücken zur Geschichte, aber im perfekten Winkel zum Handyständer.

Längst hat sich das einst bescheidene Südeuropa zur Front gegen den Massentourismus formiert – ein Phänomen, das zwar vom Mangel befreit, aber nicht vor Überforderung schützt. Barcelona, Lissabon, Palma, Venedig – Städte, die einst unter Cholera litten, leiden heute unter Selfiestangen und Reisegruppen in Regenjacken. Die neue Protestform? Wasserpistolen gegen Pauschaltouristen. Wer 1.000 Euro für ein Zwei-Sterne-Zimmer pro Woche zahlt, bekommt gratis eine kalte Dusche von der Nachbarschaft dazu.

Denn was passiert ist, war absehbar: Erst kam das Café mit Hafermilchschaum, dann verschwand die Großmutter, dann die Miete – und schließlich die Menschlichkeit. In Barcelonas Altstadt explodierten die Mieten um über 70 %, auf Mallorca werden Einheimische zur Kuriosität im eigenen Wohnhaus. Man stelle sich vor: In Palma wirbt man mit dem letzten echten Ortsansässigen im Gebäude – „noch da – inzwischen fast eine Rarität!“.

Die Politik? Führt Eintrittsgelder für Venedig ein. Zehn Euro, um sich in der Serenissima totzutreten. Demnächst wohl mit Zeitfenster, Abholschein und Wartenummer – wie beim Leberkäs in der Feinkostabteilung. Und wehe, man bleibt zu lange auf der Rialtobrücke – dann kommt das Drehkreuz mit Gesichtskontrolle.

Dabei: Der Tourismus war doch einst der große Retter! Während der Eurokrise kam er wie ein Erlöser aus dem Himmel – oder eher vom Rollfeld. Wo zuvor Jugendarbeitslosigkeit herrschte, blühte plötzlich der Cocktailkurs. Wo Brache war, entstand ein Pool mit Aussicht auf den Parkplatz. Griechenland, Kroatien, Spanien – sie leben heute zu weiten Teilen vom Urlaub anderer. Ein Mietmodell auf Zeit: eine wirtschaftliche Scheinblüte im Sommer – gefolgt von 300 Tagen Dämmerzustand.

Natürlich ist der Tourismus das Problem – zumindest dann, wenn er mehr Wohnungen verdrängt als Geschichten erzählt. Zu viele Touristen zur gleichen Zeit mit der gleichen Idee am gleichen Ort im gleichen Outfit auf dem gleichen Erinnerungsfoto – das ist ein kultureller Kurzschluss. Die einen nennen es Weltoffenheit, die anderen holen wortlos den Gartenschlauch.

Hallstatt? Fast noch ein Idyll – ein Freiluftmuseum mit Parkplatzkoordination. Man überlegt dort – typisch österreichisch – ob es nicht schöner wäre, wenn Besucher nicht nur knipsen und wieder verschwinden, sondern vielleicht auch etwas konsumieren oder wenigstens das Wirtshaus wechseln würden. Drehkreuze und Handydaten inklusive.

Ironischerweise sind es nun genau jene Städte, die vom Tourismus lebten, die ihn jetzt vertreiben wollen. Mit Transparenten: „Touristen, geht heim – aber lasst euer Geld da!“ Ein bisschen so, als würde man das Buffet leerfuttern und sich dann lautstark über die Qualität beschweren.

Am Ende bleibt die große Frage:

Wenn alle nur noch reisen – aber keiner mehr wohnt –

wer macht dann eigentlich noch das Frühstück?

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.08.2025. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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