Egbert Schmitt

... über Probleme erschaffen und dem Mann als Reparaturbetrieb !

Lesedauer: 4 bis 5 Minuten.

 
Die Fraudas sagen Fachleute – also Menschen mit Rollkragenpullover und problematischem Verhältnis zur Realität –
 
Die Frau also, ... steht morgens auf, trinkt koffeinfreien Kichererbsen-Latte aus einer Tasse, auf der „ICH BIN KOMPLEX“ steht, und denkt sich:
 
Ich brauche ein neues soziales Problem. Eines mit Tiefgang. Eines mit postfeministischer Mehrdimensionalität !
 
Eines, das man meinem Mann nicht erklären kann, ohne dass er sich danach entschuldigen muss für seine bloße Existenz.“
 
Zack, hat sie’s auch schon: 
 
Ein Gefühl, eine Stimmung, eine semi-abstrakte Verstimmung im energetischen Zwischenraum zwischen „Was ist eigentlich mit deiner Mutter los ?“ und „Du hörst mir nie zu !“.
 
Sie trägt es wie einen Neoprenanzug durchs Wohnzimmer, stellt es dem Mann vor, der gerade – in einem Akt männlicher Naivität – dachte, er könne in bröselnder Ruhe eine Mehrkorn-Semmel essen, OHNE dass dabei das Weltgefüge zur Disposition gestellt wird.
 
Er ausgestattet mit dem Denkorgan eines Homo Sapiens und dem emotionalen Repertoire einer schlecht programmierten Waschmaschine – antwortet:
 
Aber wenn du ein Problem hast, dann will ich dir helfen, es zu lösen.“
 
Was, in ihrer Sprache, ungefähr so klingt wie „Ich hab keine Zeit für dein Innenleben, hier ist ein Hammer und ein Heftpflaster – mach was draus.“
 
Final ist, wie immer - der Mann - schuld !
 
Nicht an einem bestimmten Problem – oh nein !  Sondern an einem Geflecht aus Mikroproblemen, Metaebenen, Erinnerungssplittern aus fernen Verlob'zeiten.
 
Sie fragt: „Warum hörst du mir nie richtig zu ?“
Doch es nützt nichts ... denn ...
der Fehler liegt nicht in seiner Lösung.
 
Sondern in seinem Versuch, überhaupt eine zu finden, liebe Zuhörende, geschätzte Beziehungsüberlebende.
 
Es ging nie um eine Lösung. Es geht um Beteiligung am Gefühlshaushalt, um emotionales Mitwohnen im Mehrfamilienhaus der Zweisamkeit !
 
Der Mann aber, dieser altmodische Bastler an der Menschheitsfront, er wollte nur helfen.
Doch nun steht er da – mit dem Vorschlaghammer der Vernunft vor einer Kathedrale der Kränkung.
 
Sie hingegen hat längst ein neues Problem in petto – sei es nur die falsch herum aufgehängte Klorolle, Auslöser eines Streits von biblischem Ausmaß.
 
Siehe Quantenverschränkung: Schon der bloße Blick auf den Halter verändert augenblicklich beide Stimmungen – egal, in welchem Ehe-Kontinuum man sich gerade befindet ... dass ...
 
Am Ende in folgenden Satz mündet:
Du nimmst - unsere Probleme - nicht ernst !
 
Männer – und damit meine ich nicht alle Männer, sondern nur - fast alle - mit zwei funktionierenden Augen und einem Werkzeugkasten im Flur ... 
 
Behandeln solch' anberaumte Gespräche wie mechanische Prüfberichte.
 
Er sitzt da, mit starrer Miene, wie der Hund vor'm Plätz'lersteller, ... und wartet bis seine Partnerin ihr tägliches Sozial-Gerang'l - Frauen-unter-sich-im-Büro-Problem - episch ausrollt ...
 
Mit Einleitung, Hauptteil, Dramaverstärkung – und dann, in einem Akt emotionaler Entgrenzung, kommt der Satz, der alles zerlegt wie eine einseitig bestückte Waschmaschine.
 
Ich will nicht, dass du das löst – ich will, dass du das verstehst !“
 
Kennen Sie auch diesen einen Menschen, der sich jedes Mal über ein aufwendig zubereitetes Lieblingsgericht freut – nicht etwa aus dem harmlosen Motto „Liebe geht durch die Magengrube“, sondern getarnt als hochfeine trojanische Esstischfessel !?!
 
Während er selig schmaust, werden zwischen zwei Bissen und ihrem kurzfristig anberaumten Stubendurchgang, uralte Rechnungen beglichen. 
 
Zum NachtischKeine Crème brûlée – sondern eine aufgebrühte Portion Gastritis.
 
Denn: Verstehen ist kein standardisierter Vorgang. Man kann es nicht mit Bitumen abdichten oder mit Gaffa-Tape reparieren.
 
Aber Männer – die leider in ihrer Pubertät nicht gelernt haben, dass „Aha“ nicht gleich „verstanden“ bedeutet – denken sich:
 
Wenn ich schon nichts sagen darf, dann wenigstens nicken.“ - ... Auch falsch !
 
Selbst das Nicken wird kontrolliert !
 
Nicht zu schnell – das wirkt herablassend. Nicht zu langsam – das wirkt gelangweilt. 
Nicht gleichzeitig mit dem Griff zum Handy, denn dann – ja dann ! – wird das Nicken zur Beziehungskatastrophe mit Ansage.
 
Man stelle sich das mal bildlich vor:
Die Frau – aus ihrer Sicht emotionaler Fels in der banalen Sozial-Brandung, mit Hang zur Detailanalyse, stellt sich mit einem inneren Emotions-Excel vor ihn, mit Spalten wie:
 
I  Gefühlt  l  Erinnert  l  Nicht verarbeitet  l
... aber dafür gespeichert. Ursachen ungeklärt, aber eindeutig sein Fehler ... und er ?
 
Er sucht den „Export als PDF“-Button. Am liebsten mit Auto-Speichern ... und denkt ...
 
Kann ich das in einer ruhigen Minute durchgehen, vielleicht Sonntag nach dem Kaffee ?“ - Doch das Leben ist kein TÜV.
 
Man(n) bekommt keine zwei Wochen Frist, keine Mängelliste zum Abhaken, ... und es gibt keinen Nachprüftermin mit Keksen an der Wartetheke vor der Inspektions-Grube.
 
Frau aber will etwas ganz anderes:
Ein Gespräch, bei dem der Mann nicht nur da ist, sondern anwesend – emotional, geistig, vielleicht sogar mit Blickkontakt.
 
Das ist das Ding, wenn man die Augen aufmacht und sie nicht auf das Smartphone richtet, sondern auf einen Menschen gegenüber.
 
Wenn er dann am Ende resigniert sagt:
Na gut, dann sag doch einfach, was ich tun soll !“ ... (siehe - mein - sinnbildliches KI-Schlussplakat) !
 
Dann, ja dann, wird der Unterschied zwischen Mann und Frau auf einen Punkt gebracht, den kein Navi kennt, und der auf keiner Landkarte verzeichnet ist, aber den alle, wirklich alle, schon einmal besucht haben:
 
Das Missverständnis zwischen Machbarkeit und Mitfühlen.
 
Zwischzeitlich der Mann versucht, mit der imaginären Dampfwalze das Unsichtbare zu glätten, hätte es oft gereicht, wenn er einfach gesagt hätte:
 
Ich seh, dass dich das beschäftigt. Erzähl mir mehr.“ - Aber wer sagt denn sowas ?
 
Kein Mann, der noch stolz auf seine Ratschenkasten-Sammlung ist.
 
Fast wäre es immerhin ein Anfang – wenn auch ein unwahrscheinlicher – denn er hat Sie ja ausreden lassen; wehe ihm jedoch, hätte er den Fliestext unterbrochen ... und ...
 
Thematisch dazustoßend - noch willig ist.
 
Hat - seine Gegnerüberin - bereits zwei triviale Sozial-Problemfälle - neu generiert - und mit den alten gerade Abgeredeten ... flugs in ein neues Beziehungs-Perpeto-Mobile verwebt.
 
Während er noch ihre passend' lockere Schraube sucht, hat sie längst den Bauplan geändert – emotional, versteht sich !“
 
Am Ende bleibt nur die Erkenntnis:
Gefühle haben keine Schraubgewinde – egal, wie oft man den Maul-Schlüssel ansetzt.“
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.08.2025. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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