In unserer Stadt existiert ein sehr besonderes Restaurant. Es trägt
den Namen „Smith“. Das „Smith“ ist ein etwas anderes
oder besser
gesagt, ein sehr eigentümliches Restaurant. Es hat das
beste Essen
in unserer Stadt. Oder, man kann auch ohne zu übertreiben
sagen, es
ist das beste Restaurant im ganzen Land. Es hat eine exzellente
Küche.
Aber das ist es nicht alleine, durch dass sich dieses
Restaurant von
den anderen abhebt. Es hat ein paar sehr spezielle
Besonderheiten,
die in anderen Restaurants nicht gelten. Die erste
Besonderheit ist,
dass Laufkundschaft konsequent abgewiesen wird. Es wird
eine Reser-
vierung erwartet. Selbst wenn Tische frei sind, was selten
vorkommt.
Ich habe schon erlebt, dass Leute abgewiesen wurden, nach
draußen
vor die Tür gingen, telefonierten, um einen Tisch zu
reservieren,
wieder hineingingen, und sie erst dann ihren reservierten
Tisch, der
eben noch frei war, bekamen.
Eine weitere
Eigentümlichkeit, die man vielleicht eher als Marotte
abtun
könnte, ist, dass alle Angestellten, und wirklich ausnahmslos
alle,
den Nachnamen Smith tragen. Ändert ein Angestellter den
Nachnamen,
zum Beispiel durch eine Heirat, dann wird er großzügig
abgefunden, aber an eine Weiterbeschäftigung ist nicht mehr zu
denken. Aber von solchen Fällen habe ich noch nie gehört. Die Ge-
hälter sind so beeindruckend, dass niemand bisher bereit war seinen
Nachnamen zu ändern. Eher im Gegenteil. Also Leute heiraten je-
manden mit dem Nachnamen Smith, nur um dort arbeiten zu können.
Die dritte Eigentümlichkeit dieses Restaurants ist noch viel merk-
würdiger. Es können in dem Restaurant nur Personen einen Tisch
reservieren und dann auch dort speisen, die ebenfalls den Nach-
namen
Smith tragen. Natürlich würde man nun denken, dass es
nicht
übermäßig voll ist, in diesem Restaurant. Dass wohl fast alle
Tische unbesetzt wären. Aber so ist es nicht. Alle Tische sind in
der Hauptzeit, außer Montag, da ist geschlossen, voll besetzt, egal
an welchem Tag. Dies erklärt sich daraus, dass nicht kontrolliert
wird, ob die Personen, die dort speisen wollen, auch wirklich
„Smith“
heißen. Das klingt natürlich absolut
unsinnig und das ist es ja auch.
Tatsächlich ist es so, dass
Personen, die zum Beispiel „Müller“
heißen, den
Tisch unter dem Namen „Smith“ bestellen und sich am
Empfang
des Restaurants auch als „Smith“ vorstellen.
Dies
führt sicherlich zu einigen Herausforderungen mit den Tisch-
reservierungen bei den ankommenden Gästen, die ja alle „Smith“
heißen. Man stelle sich das mal vor.
„Guten
Abend. Ich hatte für heute einen Tisch für zwei Personen
bestellt. Mein Name ist Smith. Und dies ist meine Schwester,
ebenfalls
Smith.“
„Guten Abend, Frau Smith. Guten Abend, Herr Smith.
Selbstverständlich. Sie stehen hier auf meiner Liste. Sie haben
die Tischnummer 3. Bitte folgen Sie mir.“
Aber woher
weiß der Empfang welcher Smith zu welchem Tisch
gehört? Und
wie wird es vermieden, dass einfach nur ein vorbei-
kommender Gast
behauptet, er hätte einen Tisch auf den Namen
Smith reserviert?
Dies ist mir völlig unklar, doch ich habe noch nie davon gehört,
dass sich jemals ein Gast über so ein Missverständnis beschwert
hätte. Ja, ich habe sogar von Vorfällen gehört, bei dem ein
Gast
namens Smith, der auch wirklich Smith hieß, abgewiesen wurde
und sogar dauerhaftes Lokalverbot bekam, weil er versucht hatte
sich
mit einer angeblichen Reservierung einen Platz zu erschwindeln.
Genauso
unerbittlich wird übrigens auch mit Personen verfahren,
bei denen
sich durch einen geforderten Bewirtungsbeleg - Sie
wissen schon, dieser
Beleg für das Finanzamt, über Geschäfts-
essen –
herausstellt, dass die betroffenen Personen nicht den
Nachnamen Smith
tragen.
Ich weiß, es hört sich alles
sehr verwirrend an, und ich begreife es
selber ja auch nicht ganz, wie das
alles funktioniert. Aber das Essen
dort ist wirklich fantastisch.
Probieren Sie das mal ruhig aus.
Aber reservieren Sie vorher.
Sie
wissen ja jetzt, worauf Sie achten müssen.
Belix Bahei
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.08.2025.
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