Meine Frau liegt mit Fieber auf dem Sofa. Ihr Magen kann kaum etwas in sich aufnehmen. Was soll ich ihr nur geben? Unsere Vorräte sind begrenzt, und die Geschäfte sind heute geschlossen.
Mit mir geht es langsam wieder aufwärts. Ein kleiner Spaziergang ist schon wieder möglich. Das genieße ich.
Heute war ich bereits unterwegs, und es war spannend, was ich im Park alles gesehen habe:
zuerst ein Paar, das vielleicht aus Pakistan oder dem Punjab stammt. Er: schwarzer Bart, dünne, schneeweiße Jacke, die bis zu den Knien reicht, darunter eine ebenso weiße Hose. An seiner Seite: eine Frau mit langem, dunkelblauem Kleid. Die Ausläufer ihres Kopftuchs reichen bis zu ihrer Hüfte.
Sie scheinen sich sehr gut zu verstehen. Immer wieder höre ich das fröhliche Lachen dieser Frau. Wie verrückt dürfte es ihr vorkommen, wenn die europäischen Frauen mit offenen Haaren herumlaufen!
Sie schieben einen Buggy vor sich her. Der kleine Sohn würde gerne mit einem älteren Jungen feixen, der vor der Ampel auf einem Roller neben ihm steht. Der nimmt aber keine Notiz von ihm. Er kann das Umschalten der Ampel kaum erwarten.
An der Theke des Cafes steht eine japanische Familie vor mir. Der Vater könnte auch ein Deutscher sein. Es klingt etwas eigenartig, wenn die Mutter das Wort “Breze” ausspricht.
Auf dem Rückweg lege ich mehrfach eine kleine Rast ein. Es ist zu schön draußen, um gleich wieder nach Hause zu gehen. Die Blätter der Eichen verändern langsam ihre Farben. Die Krähen haben wieder die Herrschaft im Park ergriffen. Das kann man nicht überhören.
In einiger Entfernung von mir sitzt ein Schwarzer, der sich aber bald wieder entfernt. Großeltern sind mit ihren Enkeln unterwegs.
Ein zweijähriger Junge scheint gerade festzustellen, dass man auf sehr unterschiedliche Weise laufen kann. Er trottet oder stampft, macht kleine oder große Schritte, er läuft nach links und nach rechts. Ist es nicht eine Unart der Erwachsenen, dass sie immer schnurgerade und zielgerichtet laufen müssen?
Mehrfach schaut er sich nach mir um. Bald haben wir Kontakt miteinander aufgenommen. Ich erfahre, dass er Gabriel heißt. Die Großeltern wünschen mir einen schönen Tag, als sie nach rechts abbiegen. Ihr Vorrat an deutschen Wörtern ist äußerst begrenzt.
Ich staune, wie sich hier Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt mischen. Sind wir umgeben von Menschen, die ganz anders ticken als wir?
Jeder hat eine andere Geschichte, andere Wertvorstellungen, eine andere Religion und eine andere Muttersprache.
Gibt es etwas, was uns verbindet? Können wir voneinander lernen?
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.08.2025.
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