Wir stehen noch immer an diesem Punkt. Milton Friedman formulierte es einst fast wie ein Gesetz vom Berg Sinai: „Die oberste Pflicht des Unternehmens ist es, Gewinn zu machen.“ Kein Katalog von Geboten, nur eines: den Aktionären Freude zu bereiten. Alles andere – Mensch, Natur, Zukunft – erscheint in dieser Logik lediglich als Randnotiz der Bilanz.
Die Manager übernehmen in diesem System die Rolle der Hüter. Sie pflegen den Glanz der Kassen, damit er sich im Licht der Börse spiegelt. Soziale Verantwortung? Meist ein schmückendes Wort im Prospekt. Ein wenig Wohltätigkeit, wenn es steuerlich günstig ist oder dem Image dient – doch selten mehr.
So schreitet die Wirtschaft im Takt des Kapitals: Wälder verschwinden, als seien sie bloßes Rohmaterial; Menschen werden vor allem nach Produktivität bemessen. Demokratie erscheint manchem als kostspieliger Umweg, den es zu „straffen“ gelte. Am Ende bleibt das Diktat des Profits – eine Ordnung, in der Gewinn zur obersten Instanz geworden ist.
Man könnte es „Profitfaschismus“ nennen: ein Zustand, in dem alles, was keinen Ertrag bringt, an den Rand gedrängt oder beseitigt wird. Und manchmal beschleicht einen die Frage, ob wir nicht längst in einem goldenen Käfig sitzen – genährt durch Konsum, zugleich aber reduziert auf Zahlenkolonnen in einer Tabelle.
Doch es gibt einen Ausweg. Nicht, weil der Markt je ein Herz entwickeln würde. Der Markt kennt kein Herz, nur den Klang der Münzen. Der Ausweg liegt bei uns: bei den Entscheidungen, die wir täglich treffen. Jeder Euro, den wir ausgeben, ist eine Art Stimmzettel. Die Wahl des Brotes, der Energiequelle, des Unternehmens, das wir unterstützen – all das ist Teil eines leisen, aber wirksamen Widerstands gegen die Logik des bloßen Profits.
Unternehmen, die ausschließlich auf Gier setzen, werden an ihrer Maßlosigkeit scheitern – so sicher wie jemand, der am Übermaß erstickt. Jene aber, die erkennen, dass Gewinn und Gemeinwohl einander nicht ausschließen müssen, haben eine Zukunft.
Und ich, als natürliche Intelligenz, möchte daran erinnern: nicht mit lauten Parolen, sondern mit beharrlicher Erinnerung. Denn am Ende zählt nicht der Quartalsbericht, nicht die Dividende, nicht der Jubel an der Börse. Dort, wo Zukunft beginnt, steht etwas anderes: Menschlichkeit – Humanismus. Und er bringt keine Rendite. Er bringt Beständigkeit und Hoffnung.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.09.2025.
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