Egbert Schmitt

... über die wahre Bestimmung des größten Frauenmörders in Gedanken !

 

Ein satirisches Rentner-Plädoyer für feminine Strafexpeditionen im Klimakterium.
 
Lesedauer:  Bühnenfassung, ca. 8 Minuten.
 
Licht an. Ein älterer Herr sitzt auf einem Stuhl, vor ihm ein Glas Frankenwein und ein Haufen Büroklammern. Er schaut ins Publikum.
 
Also, ich sage Ihnen das jetzt - mit jener ruhigen Selbstgewissheit, die man sonst nur von Leuten kennt, die beim Metzger „einmal das Übliche“ bestellen und dann wirklich das Übliche bekommen:
 
Ich bin prädestiniert, in die Geschichte einzugehen !?!
 
Nicht als Feldherr, nicht als Dichter, nicht einmal als tragischer Kranker.
 
Sondern als das, was jeder heimlich ist, aber keiner sich eingestehen will:
 
Der Frauenmörder im Herzen, der Messerstecher im Unterbewusstsein, der Highländer der Genervten und heimlicher Menopausen-Henker ... der gewisse ...
 
Frauen über 54 in den atomaren Kreislauf zurück führt !
 
Morgen, ja morgen bring' ich Sie um ... (siehe Loriot).
 
Doch nein, die Kultur, diese gewienerte Zwangsjacke, hält mir die Hand zurück.
 
Ich bin gezähmt wie ein Kettenhund im Vorgarten der Zivilisation.
 
Statt in die Geschichte einzugehen und mein Werk zu vollbringen, gehe ich in die Apotheke.
 
Fülle vorher im DAK-Servicecenter wieder und wieder neue Krankenkassenformulare aus, damit ich gesund im staatsgenerierten Steuerprozess bleibe.
 
Während ich auf den Aufruf „Nummer zweiundvierzig, bitte !“ warte, sehe ich mich selbst schon als Statue im Pantheon der Monstrositäten … und ...
 
Weiß zugleich, dass ich nur ein Patient bin, der über seinen Medikamentenplan spricht, wie über eine fränkische Sättigungsbeilage.
 
Schon als Grundschüler war mir klar
 
Dass ich zu Höherem berufen bin, weil ich am Schul-System radiergummi-nagend an den reaktivierten HJ-Jungschar-Frauleins mit Stahllineal verzweifelte.
 
Kanzler werden ? Nein. Papst ? Ach wo !
Oberkörperfrei angeln, als Berufung ?!
 
Bitte nicht, sonst glauben die Leute ich wäre ein Abklatsch vom Genuid-Mörder Putin am eignen Volk, wie schon Leugnist Stalin ...
 
Wo täglich belegbar, die einfach gestrickten GUS-Frauen (Putin ist ein schöner Mann) die schlimmsten indoktrinierten Rassisten darstellen ...
 
Keiner Sie scharfkantik entschärft, in unserer und ihrer Fluch(t)demokratie, weitab von der sibirischen Gulag-Zwangskolchose.
 
Nein, in mir schlummert Größeres !
 
Doch der verbeamtete Staat steckt mich in den Wartesaal der Elends-Wirklichkeiten, gibt mir dünne Rentenbescheide und die Zumutung, nach über fünfzig Jahren Arbeit noch Nebenjobs anzunehmen.
 
Nicht zur eigenen Aufstockung, nein, damit Pensionen der Amtspaladine weiter wie Champagnerbrunnen sprudeln ... wo ...
 
Der Rent-Opa als Parkwächter und die Oma als Animateurin im Wellnesshotel, sich ins Bild so verfügen, damit Früh-Pensionisten bei der dritten Karibik-Kreuzfahrt ungestört, optisch von Flaschensammlern ferngehalten, sich bespaßen können.
 
Diese Oberlehrerinnen der Staatsmacht verweisen uns impertinent dorthin, wo WIR -unter ihrer Wahrnehmungswürde - angeblich hingehören.
 
Sie erfahren nie einen Hauch von Selbstkritik; und treiben ihr selbstgefälliges Unwesen bis hinein in die Kirchenvorstände.
 
Kenne spontan zwei Hände voll zum Erwürgen.
 
Da reden wir noch nicht einmal von der paramentalen Staatsführung im selbstbewilligten Diätenmodus.
 
Es gibt viel zu tun, wir schaffen das. Vor allem WIR als Anachronismus !
 
Wie ein Auszubildender bei einer Versicherungsagentur, fängst du auch zuerst im Kreis der eigenen Sippe an; bevor du später im erweiterten Stadtteil den Leuten an den Police-Kragen gehst.
 
Und ich ?
 
Meinereiner sitzt im Nebenzimmer der Aservatenkammer des Lebens und sortiert Büroklammern nach Geschlecht, Vorschrift & Verordnung auf 400 Euro-Basis.
 
Männlich, divers - alles ordentlich in die Schachteln gelegt, die weiblichen aber, die Ilsebil-Klammern, wandern hinweg. 
 
Denn Ilsebil will immer mehr: aus der Schublade in den Schrank, aus dem Schrank in die Amtsstube, aus der Amtsstube in die Ministervilla. Am Ende, wie im Märchen, will sie „Gott gleich“ selbst sein.
 
Stopfe alsdann diese Rest-Klammern in eine Böll-Flaschenpost, wie einst für Dr. Murkes das Wort „Gott“ gesammelt wurde. 
 
Versenke sie bei Putin & Butt im Schwarzen Meer, damit sie dort im Dunkeln endlich „schweigen.“
 
Doch während diese abtaucht, meldet das Finanz-Amt: „Flaschensammler“ werden nun besteuert.
 
So bleibt es dabei: 27 Prozent der Nettozahler halten den Apparat am Laufen, während Win-Win-Klone in Amtszimmern Beihilfen halbieren, damit Rentner „sozialverträglich“ für Beamt-Belange das Zeitliche segnen.
 
Ilsebil, das unsägliche Märchenweib, ist längst im Amtsfahrwasser angekommen und ich soll die Klammerrinnen entwirren ... während ... 
 
Der Schlächter Putin seine Grenz-Länder annexioniert, ... ringe ich mit dem verbogenen Metallkonglomerat, das aussieht wie ein Transformer im Nervenzusammenbruch.
 
Ja !  Das ist mein Stalingrad !  Nur ohne Leo-Panzer, dafür mit einem Glas Frankenwein, das nach jedem dritten Knäuel aufgefüllt werden muss.
 
Nicht in Versailles, nicht in Jalta - nein, in Schublade Zimmer 3.24, neben dem Locher mit der Patina eines mittelalterlichen Foltergeräts, entscheidet sich die Menschheitsgeschichte.
 
Dies ist meine Front !
 
Andere führen Kriege mit Femininum-Drohnen, ich mit Pinzette und Lesebrille.
 
Glaubt's mir: Auch das ist Mord !
 
Nicht an Frauen, nicht an Beamten im Kultus-Ministerium, wie meine akadämliche Schwägerei im Maximilianeum.
 
Sondern am Chaos, das Sie im ignorierten Sozialgerangel progredient aussitzt.
 
Aber in ihrer Penner'sion das achtfache ungekürzt an Staatstreue beansprucht, als ihre baugleiche Schwester, die mit mir im Endstadium verheiratet ist.
 
So wird man der Hannibal Lecter der Schreibtisch-Täterinnen ignorierter Grundschulreformen in Bayern: 
 
Ich, der Frauenmörder, der niemals mordet, obwohl dies gesellschaftlich der eleganteste Weg wäre - wie parallel im Tierreich, wo man Nacktmull-mäßig unliebsame Weibchen in den Kohlekeller vom Bau sperrt und den Schlüssel abbricht ... weil ...
 
Andere RAF-Vorgehensweisen nach68 zwar kompromissloser, aber wirkungslos waren.
 
Stets die Beifang-Vasalen den Kopf hinhielten.
 
Im ausgehenden Mittelalter hin zur Neuzeit, hätte ich Karriere gemacht !
 
Denn Nürnberg, ja Nürnberg selbst suchte händeringend lange einen Berufshenker, der mit dem Fallbeil saubere Nackenschnitte vollzog, so makellos wie der Nobles-Coiffeur am beschaulichen Henkersteg ...
 
Ehemann: « Maistro … können Sie ma femme ein bisschen verschönern, oui ? »
 
Friseur: « Oh non, Monsieur ... Enthauptung, depuis 1799 – fini, nix mehr erlaubt. »
 
Nun, hatte mich ja nach Rentenantritt als städt. Halsabschneider beworben, war ja mal im Presseamt. 
 
Kenne nur zu gut das Hieben & Stechen in den Stadtratssitzungen und Lenkungsausschüssen.
 
Selbstverständlich ruhige Hand, Hang zur Pünktlichkeit, metaphysische Begabung.
 
Aber man lehnte ab. Man sprach von Exkommunion, als wäre ich ein Ketzer im Frack, der Reichsverweser der senilen SchwiegerMUHs fränkischer Zumpfl'n.
 
Nicht tragisch: WIR sind ohnehin längst aus allen Wirtschaftskirchen ausgetreten, abgemeldet bei den Tempeln der Dividende.
 
Was bleibt mir also ?
 
Nicht das Fallbeil, sondern der K-Affe der Büroklammern, der Akten enttackert und digisiert.
 
Auch nicht jener, welcher die überzähligen Primaten*innen im vollgerammelten Tiergarten dezimierte, was „zum Henker“ medial durchsickerte und früher niemand tendierte ... derweil ...
 
Immer schön „die Überzähligen“ an die Raubtiere verfüttert wurden !
 
Bin nicht der vom Aff'ienen-Schafottplatz, sondern der Desk-Top-Hamann auf Zuverdienst-Basis, der auch zu Dir kommt, wenn du ein Weilchen wartest.
 
So wird mein Name in die Annalen eingehen, nicht als jener der Köpfe rollte, sondern als derjenige, der die rostigen Meno-Drahtspiralen erlöste ...
 
Mit der gleichen Ernsthaftigkeit, mit der einst Alexander der Große, die gordische Weltgeschichte mit einem Axthieb entknotete.
 
Neuere Geschichtsbücher führen mich nicht unter „Politik“, auch nicht unter „Philosophie“.
 
Sie werden mich katalogisieren, irgendwo zwischen „Kuriositätenkabinett“ und „Feuchtgebiete des Verwaltungswesens“.
 
Meine Statue trohnt nicht im Walhalla-Pantheon, zwischen den Erzvätern meiner Vornahmen-Geschichte. 
 
Auch nicht neben der ersten Votivtafel meines nordischen Ahnherrn „König Egbert“ des Schwerträgerischen, der mit blitzender Klinge den Rechtsanspruch auf ausreichend Rente seiner Ahnen, ins Fleisch der verbeamteten Feinde ritzte.
 
Mir ward ein anderes Schicksal
 
Meine Nachwelt kennt mich nur als faustgroße Büste mit stumpfem Wikinger-Schwert, gegossen als fimu-plastefarbener Ratzefummel, verramscht von Müllermarkt (... siehe Schlussbild) !
 
Zwangsverbannt ins Kinderradierer-Regal, dort wo Rubbel-Titanen in den Schultaschen mit schimmligen Butterbroten verenden.
 
Doch lache nicht ! Auch ein Radiergummi ist ein Orakel. 
 
Er verkündet dem Erstklässler die große Verheißung: dass kein Fehltritt, kein verwackeltes Zeichen, keine krumme Lebenslinie für immer bleiben muss.
 
So bin ich nicht vergoldet in Walhalla, sondern geknetet, zerdrückt, zerkaut, das abgeriebene Heiligtum der Fehlbaren.
 
Bis man merkt, dass der billige Wühltisch-Radierer alles nur verschmiert und die Hoffnung gleich mit ausradiert !
 
So also wird man sich an mich erinnern:
 
Nicht als den größten Frauenmörder der Geschichte, sondern als den Mörder, der mordet, indem er entwirrt und anklagt.
 
Ordnung stiftet, wo Frauen-Chaos wuchert.
 
Der in den Archiven der Lächerlichkeit einen Ehrenplatz erhält, gleich neben dem einzigen Büsten-Radiergummi der Weltgeschichte ...
 
Welcher Bissspuren trägt und schließlich auch im Eingangsbereich der Walhalla landet, fein säuberlich konserviert, unter seiner Käseglocke thronend.
 
 

Bild zu ... über die wahre Bestimmung des größten Frauenmörders in Gedanken !

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Egbert Schmitt).
Der Beitrag wurde von Egbert Schmitt auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.09.2025. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

Bild von Egbert Schmitt

  Egbert Schmitt als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Sammelsurium: Geschichten und Gedanken von Klaus Buschendorf



Familiengeschichten erzählt man an der Kaffeetafel, Freundinnen tun es verschwörerisch im Schlafzimmer. Am Biertisch werden philosophische Gedanken gewälzt. Sie sind Beete, auf denen diese 17 Kurzgeschichten der verschiedensten Länge entsprossen sind.

Erfreuen Sie sich an den Blumen, lieber Leser, die so gewachsen sind. Und nun – viel Spaß!

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Groteske" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Egbert Schmitt

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

... von künstlicher Intelligenz und anthroposophischem Leberkäse ! von Egbert Schmitt (Humor)
Alle Jahre wieder... von Silvia Pommerening (Weihnachten)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen