Als der Schnee nicht taute
Er hatte gerade eine Maus im Maul. Er holte sich das Fressen am Stadtrand. Er hatte Hunger.
Die Kinder erschreckten sich bei seinem Anblick. Sie wollten gerade im Garten Ball spielen und Lena hatte einen Ball in der Hand!
„Bitte, bitte tut mir nichts, Kinder! Ich mache euch nichts!“Die Kinder schauten sich an und fragten ihn schüchtern: „Du kannst ja reden, Herr Fuchs!“ „Ja, ich hole schon seit Jahren das Fressen bei euch, Menschen. Da habe ich eure Sprache gelernt. Ich bin Erni, der schlaue Fuchs! Keine Angst vor mir! Ich ernähre mich lediglich von Mäuse und Kleintieren und was ihr so Menschen zum Essen so liegen lasst! Keine Angst vor mir!“
„Was machst Du in der Stadt? Füchse leben im Wald!“ „Wir, Füchse suchen neuerdings unser Essen bei den Menschen. Bei euch gibt es genug davon. Ich habe Hunger. Wie heißt ihr eigentlich?“
„Ich heiße Lena!“ sprach das Mädchen, das sein Selbstvertrauen zurückgewann und als sie ihren Namen sagte, strahlte sie. „Ich bin Timo!“, sagte der kleine Bruder etwas verlegen noch. Es fröstelte ihn mit dem Fuchs zu reden.
„Keine Angst, Timo! Streichel mich mal! Dann verlierst du deine Angst vor mir!“ Timo streichelte das Tier. Erni gefiel das und seufzte dabei zufrieden. „Mmm!“ räusperte er sich. „Schön!“
„Du gefällst uns, Erni! Wollen wir Freunde werden und immer spielen.!“ fragte Lena ohne zu Zögern.
Es war gerade Ende Frühjahr. Die Blumen im Garten blühten. Die Knospen der Bäume sprießten.
Die Kinder entdeckten gerade den Fuchs im Garten mit einer Maus im Maul.
Der Garten lag im Argen. Lenas und Timos Vater hatte keine Zeit. Er arbeitete viel.
„Natürlich werden wir Freunde, wir drei!“ und der Fuchs wackelte beim Laufen hin und her, als er sich vor Freude um sich selbst drehte.
Ihre Mutter wunderte sich über ihre Kinder. Normal saßen sie gerne im Haus vor dem Fernseher. Zur Zeit verbrachten Lena und Timo die meiste Zeit im Garten. Sie hielten die Freundschaft mit ihrem Freund Erni vor den Eltern geheim. Sie spielten mit ihm Stille Post. Beim Herumrennen und Verstecken und Fangen schnaufte Erni immer und war aus der Puste.
„Wie wär´s Erni, wenn wir deine Ausdauer trainieren! Du musst deinen Speck verlieren! Du bist zu fett! Du musst abnehmen!“ und Timo sah, dass sich das Gesicht des Fuchses verfinsterte. Er schaute düster drein und wurde traurig. „Ich weiß! Ich habe mir, weil ich es bei euch Menschen gut gehen lasse, einen Bauch angefressen und kann nicht in den Wald zurückkehren und wie ein normaler Fuchs auf Nahrungssuche sein. Ich kann kaum noch rennen!“ Die beiden Kinder lachten, als er sich um sich drehte und dabei hin-und her wackelte.
„Wir helfen dir doch, Erni, Timo und ich!“ erwiderte Lena freudestrahlend und streichelte Ernie dabei, der den Kopf Lenas Hand entgegenhielt. Der Fuchs räusperte sich dann und war wie immer mit den Streicheleinheiten zufrieden.
Es war mittlerweile Sommer, Es wuchsen wilde rote, weiße und blaue Johannesbeeren im Garten. Im Garten gab es ein kleines Becken für die Kinder, um sich abzukühlen. Sie badeten Erni darin, der sich ungern wusch und meistens nach Fuchs stank. Die Kinder spielten mit Erni und trainierten seinen Speck ab. Er musste über Hindernisse wie über einen Eimer springen. Erni sprang über eine Reihe aufgestellter Eimer. „Hopp!“ feuerten ihn die beiden Kinder an. „Hopp,hopp,hopp!“ motivierten sie ihn und lachten und klatschten, wenn Erni sein Ziel außer Atem erreichte und sich dann auf den Rasen fallen ließ, der eigentlich kein Rasen war, so wimmelte er vor Unkraut.
Ab und zu schaute ihre Mutter heraus und schaute nach dem rechten, ob alles in Ordnung sei. Den Fuchs sah sie nie. Er roch sie und versteckte sich dann schnell im Gebüsch.
Erni wurde immer besser und schneller. Er war nun schlank und hatte Kondition wie in seinen jungen Jahren. Sein schlanker Fuchskörper glänzte dann vom Baden in der Sonne, wenn die Kinder da saßen mit ihm und er sich bräunte. Über einen Stuhl zu springen, der Traum blieb Erni jedoch unerfüllt. Aber das neue Gewicht machte ihn nicht nur jünger, er sah auch wieder jünger aus. Er sah adrett für einen Fuchs aus.
Dann kam Erni seltener. Lenas und Timos Vater mähte den Rasen. Es wurde Herbst. Es schien nur noch ab und zu die Sonne und regnete viel.
Der November kam und Erni verheimlichte den Kindern etwas.
Die Bäume waren ohne Blätter. Der Boden war mit bunten Blättern bedeckt. Die Blumen waren abgeblüht. Herbstblumen begannen zu blühen.
Die Familie gingen Pilze in den Wald pflücken und beide Kinder hielten im Wald Ausschau nach Erni. Die Eltern wollten nicht mehr, dass die Kinder nur mit sich spielten. Sie wollten mit ihnen etwas unternehmen. Lena und Timo gingen nicht mehr so oft in den Garten. Es regnete dauernd und es wurde kühler und frischer. Ab und zu klapperten nachts die Rollläden von den Herbststürmen – mal mehr, mal weniger, je nachdem wie der Wind blies. Beide Kinder vermissten den Fuchs. Erni war so seltsam, er war anders wie sonst. Seine Stimme war zärter, natürlich sprach er nicht mehr mit Akzent. Er hörte ja die Kinder dauernd reden, aber das war es nicht! Es muss einen anderen Grund geben und Timo fragte deswegen traurig, als sie den Fuchs wieder sahen. „Erni, du bist so seltsam zur Zeit zu uns. Du kommst nicht mehr so oft zu uns! Bedrückt dich was?“ „Mir geht es glänzend, Ich weiß nicht was ihr meint, Kinder?“ Die Kinder gaben sich mit der Antwort zufrieden und sie hofften auf den Frühling, wieder mehr mit dem Fuchs spielen zu können.
Ihre Mutter wollte nicht, dass die Kinder bei schlechten Wetter herausgingen und sich erkälten. Lena war mittlerweile in der ersten Klasse und musste auch lernen. Die Kinder waren enttäuscht nicht rausgehen zu können, aber Erni kam sowieso nicht zu ihnen auf Besuch.
Bei ihren Eltern waren die Kinder unheimlich ruhig, zu ruhig. „Was habt ihr denn? Ihr kommt mir so brav vor. Bedrückt euch etwas?“ „Nein, Mama, nein Papa! Was soll denn sein?“ „Ich höre euch gar nicht mehr so lachen! Ihr ward immer so lebensfroh.“ erwiderte die Mutter ernst.
Beide schüttelten den Kopf, dass sie nicht wüssten, was die Eltern meinten.
Es kam der Winter und der Winter blieb. Es schneite im Februar. Lena und Timo bauten einen Schneemann im Garten. Immer schauten sie nach dem Fuchs, der nicht auftauchte.
Dann tauchte er ganz unsicher auf. Er schaute den Kindern nicht in die Augen. „Ich muss euch etwas sagen, ihr beiden. Ich bin nicht mehr allein.!“ Der Fuchs stockte. „Ich habe eine Frau.“
„Ist doch toll, Erni. Du musst dich um sie natürlich kümmern! Das verstehen wir doch!“
„Noch etwas!“ stutzte der Fuchs und sagte zögernd: „Ich habe Nachwuchs! Ich möchte jetzt bei meiner Familie bleiben. Ich komme irgendwann nicht mehr zu euch. Ich möchte meine Nahrung wie ein Fuchs suchen und nicht wie ein Schmarotzer!“ Er stockte. „Ihr saht ja, was daraus wurde. Ich war kein Fuchs mehr. Ich, ich war übergewichtig – ganz untypisch für einen Fuchs.
„Das ist doch selbstverständlich!“ sagte Lena und streichelte ihn. Sie war erleichtert und enttäuscht zu gleich. Erleichtert, weil Erni endlich sagte, warum er sich anders verhielt und enttäuscht, weil die Kinder Abschied von ihrem Freund nehmen mussten. Als Lena ihn wieder streichelte, räusperte sich der Fuchs dieses Mal nicht mehr und war zufrieden, sondern er war traurig und gedrückt.
Die Kinder verstanden nicht! dachte er gedankenversunken.
Dann kam der Fuchs Mitte März zu ihnen. Es war immer noch kalt. Dieses Jahr wurde es mit dem Schnee nicht weniger. Er lag seit Februar. Die Straßen waren frei vom Schnee. Aber die kahlen Laubbäume und die Sträucher waren weiß bedeckt. Erst hatten Lena und Timo keine Lust auf eine Schneeballschlacht, aber die anderen Nachbarskinder rissen sie mit und sie spielten wie früher bevor sie den Fuchs kennenlernten. Lenas und Timos Eltern waren froh. Ihre Kinder lachten wieder und spielten mit den Nachbarskindern.
Einmal war der Fuchs sehr erregt als er bei den Kindern ankam: „Ich verabschiede mich heute von euch. Wie ich sehe spielt ihr jetzt mit euresgleichen! Da kann ich ja dann gehen!“
„ Aber...!“ Lena liefen Tränen von den Wangen hinunter. „Lena, ich habe doch jetzt Kinder...“ Erni stockte ebenfalls. Er drehte sich weg und sprang auf die Straße und drehte sich um sich selbst vor Freude. Die Kinder sahen gerade von links ein Auto heranfahren. Sie wollten gerade schreien. Da machte es einen Knall. Erni lag auf dem Boden. Das Auto fuhr weiter. Der Fuchs lag da. Als die Kinder zu ihm rannten und sich über ihn beugten, hatte der Fuchs eine Träne im Auge und sagte in einem ernsten Ton: „Als der Schnee nicht taute...!“ und dann starb er. Sein Körper zuckte noch einmal zusammen. Seine Augen schlossen sich und der Kopf lag unbewegt auf der Straße nachdem er diesen Satz sagte. Es blutete aus seinem schlanken Körper und in dem Moment als er starb, blitzte die Sonne bei kühler Umgebung hervor..

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Katja Baumgärtner).
Der Beitrag wurde von Katja Baumgärtner auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.09.2025.
- Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).
yahoo.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)Katja Baumgärtner als Lieblingsautorin markieren

Menschen ohne Skrupel
von Ursula Aswerus
Im Altenheim „Sonnenschein “gehen merkwürdige Dinge vor sich. Plötzlich erkranken Bewohner an seltsamen Symptomen Schmuck und Geld verschwindet aus den Schränken und Spinden. Die Angst greift um sich unter den Senioren, die um ihr Hab und Gut und um ihr Leben fürchten müssen ...
Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!
Vorheriger Titel Nächster Titel
Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:
Diesen Beitrag empfehlen: