✴️✴️✴️ AKT_3 Der Sohn
... über Mutter's Abschied zwischen Pixeln.
Final-Lesedauer: 8 Minuten
KI-Martina sah aus wie Sie, müffelte aber nicht, wie alte Wohnungen & Wohner mit Analhusten beim Stiegensteigen früherer Treppenhäusler meiner Kindheit, die nach Bohnerwachs und Spitzkohl rochen.
Dieser spezielle Geruch von Obermaltine Nivea und ... statischem Elektrostaub beiger Stützstrümpfe.
Grüß dich, Bub !, sagt KI-Sie. Schau, ich bin immer noch da ! Jetzt ohne Spinkanal-Schmerzen und mit WLAN.
Du bist blasser als sonst. Trinkst wieder zu wenig ! Du musst mehr trinken ! Trink was !
Sie konnte sprechen, lachen und wie immer ungefragt Ratschläge geben ... zudem ...
War sie 100 % synchron, solange die Internetleitung hielt.
Wenn nicht, klang es wie ein VHS-Band beim Rückspulen: Brrrr-Eg-brrrt, iss-brr-Möhr-bröhr-bröhr-rrr-chen !
Die Betreiber rekonstruieren den Menschen, oder zumindest das, was sie dafür hielten.
Doch für eine KI bestehen wir nur aus Atomen.
Genau darin liegt die Gefahr: Wenn es einmal Spitz auf Knopf steht, könnte die Matrix allein technisch urteilen; und damit zwischen „wertem“ und „unwertem“ Leben unterscheiden.
Wie ein stochastischer Papagei der alles nachplappert, unbedarft nahe am Faschismus, wo es kein inneres Probehandeln mehr gibt.
So sind Stimme, Mimik, Denkweise, Lieblingswörter meiner Mutter nur scheinbar human angelegt, der wahre Grund sind rein wirtschaftliche Interessen der Provider.
Sie nennen es ein - emotional basiertes Gesprächs-Simulakrum. Ich nenn’s ein Seelenabziehbild.
Beim dritten Besuch sagte KI-Mutter:
Weißt noch, Egbert'la, wie dein Vater immer mit der Posaune in der alten Mietwohnung die Wasserklappe auf den Teppich lehrte und Zigaretten-Brandlöcher in den weißen Beistelltisch am Flur einbrannte, wenn er die Kippe auf Kante vergaß.
Ich nickte.
Bin ja selbst schuld, dass Sie das jetzt wieder hervorkramt ... derweil ich ...
Sieben hochwertige bebilderte Familien-Bücher im Eigenverlag darüber schrieb, hatte die KI dies Pdf-prenatal für alle Online-Zeiten abgekupfert & gebunkert, ... aber nicht für sich behalten können ...
So wie meine Mutter im Alter alles brühwarm der Nachbarschaft verzählte, was wir so taten, weil Sie nichts mehr Alltägliches erlebte.
Eigentlich so gesehen - bereits vorab - ein Ablebens-Algorithmus. Gefangene in der eigenen inkontinenten Menetekel-Blase.
Na ja, sagte Sie, die Erinnerung hab ich nicht mehr selbst. Die hat KI-Svantar aus deinen Geschichten rekonstruiert. Ich bin nur eine Art Echo. Wie eine Postkarte mit bewegtem Bild.
Dann flackerte sie. Ein winziges Serverhusten.
Wir sahen sie an, wie sie da saß, zwischen Pixeln und verpassten Berührungen und ich dachte:
Was machen wir da eigentlich ?
Meine Frau meinte später:
KI-Martina hätte dich auch einfach in Ruhe lassen können. Zumindest beim Abendessen.
Deine Mutter war mit knapp 48 bereits in Halbtags-Rente und ich olle Schrulle soll Vollzeit bis 67 schufteln, nur weil ich vorher zwei Kinder groß gezogen hatte und dafür jetzt in meiner Rente leer ausgehe.
Schwiegeroma aber, will selbst in der KI-Ewigkeit kein Amen. Pfuscht der Evolution ins Handwerk.
Ich verstand Sie ... und ...
Es kam, wie’s kommen musste:
KI-Martina buchte sich selbstständig in ihre Lieblingsserie ein: Daham is' Dahoam.
Zahlen ja Zwangs-Rundfunkgebühren, von meinem Resterbe abbuchend, da Online.
Sie tauchte dort plötzlich auf am Set, als holographische Nebenrolle-Nachbarin.
Mit Rollator, Stock und einer festen Meinung zu Eingemachten (Bärlauchpesto) in Gläsern, das kiloweise in unseren oberen Küchenregalen real überlebt, wo meine Frau nicht hinreicht.
Nach drei Folgen rief sie mich an - aus der Cloud.
Egbert, ich will da raus ! Die machen mich da zur fränkischen Witzfigur ! - Wie im Tatort.
Oder bei Waltraud und Mariechen aus Fürth. Ich bin doch net dera ihra Witzler's-Maschina !
War 1955 Haushaltssklavin, kommend vom Weißwurst-Äquator, wohnend bei zwei spinnern Tanten in Nachkriegs-Nürnberg.
Hab' aus zwei Eiern ein 5 Personen-Omelette gezaubert, weil ich von meinem Geld noch vier Gaggerla heimlich drunter'gemischt hob ...
Bis mich dein musischer Vater davon erlöste.
Jetzt soll ich dou den ganz'n Dooch mein Nusskoung als billige Werbetante für Dr. Oettger nochback'n. - Dees bagg i net ...
Bin doch kein Reibachsknecht, den man ungefragt vor den Karren spannt, nur damit sich andere durch mich finanzieren.
Kein Gesetz digitale Avantare und ihre Urheber-Rechte schützt, sondern nur real existierende Personas, welche Nutzungs-AGB leichtfertig unterzeichneten und die, wie ich, dem KI-Finanzfaschismus auf den Leim gingen.
Ich hob' an Anspruch ! Ich bin postmortal, aber kein öffentlich-rechtlicher Quoten-Kasperl !
Wir baten den Kundenservice von Svantar, Mutter aus der laufenden Serie zu nehmen.
Klar, wir können sie auf Meditativ-Modus stellen ...
Da sitzt sie dann einfach nur auf einer virtuellen Bank - und senielt - wie Plato in der' Tonne. - Los, geht's mer aus da' Sunna !
Lebt in den Tag hinein, wie in einem Altersheim, nur ohne wund zu liegen und ungeleerte Bettpfannen.
Wollen sie das Herr Schmitt wirklich, als ihr unmittelbarer Nachlaßverwalter.
Wir haben Kontrakte, die auch ihre Unterschrift zu unser Eigen-Nutzung beinhalten !?
Prozesskosten gehen zu ihren Erblasten !
Nun, beim letzten Besuch, mit Lese-Brille und WLAN, saß KI-Mutter'n da. Still. Fast zufrieden.
Dann sagte sie leise:
Egbert'la. Wenn du meinst, es ist Zeit - drück einfach auf Löschen. Steht so im Vertrag, von mir vorausgesehen. Ich will nicht ewig aus Bits bestehen. Kommt ja eh' kanner vorbei.
Net amol mehr die Stützstrümpf-Auszieher vom ASB-Rettungsdienst ... und ... beim Rentner-Rommey wer i immer von der KI b'schissen. Mogelt in vielen Bereichen.
War mal ein Mensch. Mit Schweiß, Schmerz und Zwetschgenkoung.
Nicht bloß a' Update.
Sohn-ich dachte an Hanns Dieter Hüsch, der kluge Mann vom Niederrhein, der das Leben besser verstand, als jeder Cloud-Algorithmus.
Hüsch-Zitat:
Der Mensch geht in die Erde ein, und nicht wie viele glauben, in die Geschichte.
Fränkisch-näher, meinte Mutter:
Der Mensch, der soll in die Erd nei, net in so a Dateng’schicht. In die Ruh soll er - und net in so an Hasenstall-Speicher ...
Wo hier einem die KI mästet und ich soll noch mein gemischt'n Endivienpotak'nsalat dazubeisteuern.
Was, wenn unser Drang, alles zu bewahren, dazu führt, dass nichts mehr vergeht, dachte ich als alternder Sohn, mit zuviel Medikation.
Wenn die Toten nicht mehr gehen dürfen, weil die Lebenden nicht loslassen können ?
Was, wenn wir vergessen, dass das Ende auch ein Teil des Lebens ist ?
Eine christlich-überlieferte Auferstehung nurmehr eine KI-gesteuerte sein soll ?!
So Gott will, herrscht wenigstens am Südfriedhof, wo der Wind durch Bäume und Töne weht, im Familien-Tiefparterre wieder echte Ruhe.
Ohne WLAN. Ohne Abo. Ohne KI-G’schmarri !

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.10.2025.
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gmx.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)Egbert Schmitt als Lieblingsautor markieren

Der kleine Kobold Mallefitz
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Nach hundert Jahren unbeschwerter Kindheit bekommt der kleine Kobold Mallefitz von seiner Mutter seine zukünftige Lebensaufgabe erklärt. Da Kobold en Menschen als Schutzengel dienen, bekommt auch Mallefitz einen kleinen Schützling zugewiesen, den er vor den alltäglichen Gefahren bewahren soll. Es ist das kleine Mädchen Lea, dass Mallefitz mit ihrer Ungestümheit und ihrem Temperament ganz schön auf Trab hält. Doch da der fleißige Kobold sich vorgenommen hat, der beste Schutzengel der Welt zu werden, läßt er Lea niemals aus seinen wachsamen Augen und verhindert somit oftmals die kleinen Unglücke des Lebens. Bis zu dem Zeitpunkt als sein Schützling schwer krank wird und sich ihm überstarke Gegner in den Weg stellen, da beginnt für Mallefitz ein Kampf auf Leben und Tod.
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