Mia Dubau

Mein perfekter Sommer

Kapitel 1
 

Ich hatte die Augen zu und guckte direkt in die Sonne, ich holte tief Luft und atmete wieder aus. Ich wollte noch ein letztes Mal den Geruch des Seewindes riechen und ein letztes Mal den Salzwind spüren und schmecken, bevor ich hier weg muss und diesen Ort nie wieder sehe. Ich machte die Augen langsam wieder auf, um noch mal einen Blick auf den Großen See zu werfen. Er glitzerte bunt, da die Sonne drauf schien. Ich sah Fahrradfahrer, wie sie mit dem Fahrrad um den See radelten, als ich klein war, bin ich mit meinem Vater auch ganz oft dort lang gefahren. Ich kletterte auf meinem Baum noch ein kleines Stück höher, sodass ich in der Baumkrone saß und jetzt auf mein Haus von oben schauen konnte. An dieser Stelle war ich am liebsten, ich machte noch mal die Augen zu und hoffte, dass das nur ein beschissener Traum ist. Bis meine Mom mich aus meinen Gedanken riss: ,,Cleo kommst du bitte, wir fahren gleich und kannst du bitte deine Kiste mitnehmen”, ich holt e noch mal Luft und kletterte dann langsam runter und rief meiner Mom zu:

,,Ja, ich komme”. 

Ich nahm meine Kiste, wo ein paar Sachen aus meinem Zimmer drin lagen. Ich schaute noch einmal zurück zum See und zum Haus, stellte dann die Kiste in den Kofferraum und setzte mich auf den Beifahrersitz. Meine Mom saß schon auf dem Fahrersitz und stellte noch den Sitz ein, weil mein Bruder Nero erst vor zwei Tagen mit dem Auto zu seinem besten Freund gefahren ist und wahrscheinlich den Sitz wieder ganz komisch verstellt hat. Als meine Mom dann endlich ihren Sitz eingestellt hatte, schmiss sie den Motor an und fuhr los. Ich hörte die ganze Fahrt Musik, weil ich nicht wollte, dass meine Mom mich die ganze Fahrt voll labert, dass die neue Stadt viel besser wäre und dass ich mich einfach darauf 

einlassen soll und nicht so viel darüber nachdenken soll. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr Musik zu hören, also fragte ich meinen Bruder: ,,Hey, kannst du mir dein Tablet geben, damit ich meine Serie weiterschauen kann?"

,,Wie du schon gesagt hast, es ist mein Tablet”, stichelte mich Nero.

,,Bitte”

,,Nö” 

,,Nero, gib ihr bitte dein Tablet, du bist sowieso an deinem Handy”, griff meine Mom ein.

,,Aber Mom-”

,,nichts <aber> du gibst ihr jetzt das Tablet”

Nero verdrehte nur die Augen und reichte mir das Tablet vor, während ich ihm die Zunge rausstreckte. Ich machte das Tablet an und schaute, bis wir angekommen waren, auf Netflix meine Serie. Ab und zu schaute ich auch mal aus dem Fenster und guckte mir die Umgebung an. Sie war grün, voller Blumen und Bäumen, ich fand es schön hier, aber bei mir zu Hause war es noch schöner. Bei mir zu Hause gab es alles, ein Cafe, ein Kino, ein Schwimmbad, obwohl es einen riesigen See gab, eine Bibliothek und vieles mehr, was ich alles zum Leben brauchte. In der neuen Stadt gab es noch nicht mal ein Schwimmbad oder ein Kino, nur eine alte Bibliothek, die wahrscheinlich nicht mal neue, gute Bücher hat, sondern nur so alte, schon fast auseinandergefallene Bücher.

Ich habe dann irgendwann realisiert, dass wir in die Straße einbiegen, in der unser neues Haus steht, da meine Mom rief:

,,Wir sind da! Ich bin mir sicher, euch gefällt das neue Haus. Außerdem habt ihr größere Zimmer und Cleo du hast sogar ein begehbaren Kleiderschrank”

,,Und ich nicht?”, fragte Nero total beleidigt.

,,Ne, du nicht. Ich habe gedacht, das wäre nichts für dich und habe deswegen das Zimmer deiner Schwester überlassen.”

,,Doch, jetzt, wo sie einen bekommt, will ich auch einen begehbaren Kleiderschrank”

,,Nero, jetzt verhalte dich doch nicht so wie ein Baby”, sagte ich stichelei mäßig.

,,Das sagt genau die richtige!”, sagte Nero mit einem Unterton.

Unser Haus war eigentlich schlicht, aber es war mit Efeu und anderen Ranken bestückt. Was ich als Bestätigung nahm, dass das Haus sehr alt war. Dafür war es aber groß, sehr groß, es sah beeindruckend aus. Es hatte eine weiße Wandfarbe und ein braunes Dacht, das aussah, als ob es gleich in sich zusammenfällt. Als wir einen Parkplatz gefunden hatten, stiegen wir alle aus und fingen direkt an, die Umzugskisten aus dem Auto ins Haus zu tragen. Dabei fragte ich meinen Bruder:

,,Kannst du mir diesen Sommer eigentlich mal Autofahren beibringen?”

,,Ne, ganz bestimmt nicht, du darfst ja noch nicht mal. Du bist viel zu jung”

,,Ähm, bist du einfach dumm oder tuhst du nur so? Ich bin vor 3 Monaten 16 geworden!”, konterte ich. 

,,Trotzdem darfst du noch nicht”, stotterte mein Bruder.

,,Oh doch, darf sie laut Paragraph-"

,,Mom bitte, wenn du mir schon helfen willst, dann lass wenigstens deine Paragraphen weg. Bitte!", bettelte ich.

,,Ok, sorry! Kannst du bitte deine Schwester unterrichten im Autofahren? Außerdem ist das mein Auto!”, griff meine Mom mir unter die Arme.

,,Ja okay, aber wunder dich dann nicht, wenn du eine Delle hast”, gab Nero nach.

Nach einer Weile, nachdem wir alle Umzugskisten in die richtigen Zimmer gestellt hatten, bin ich in mein neues Zimmer gegangen, um es mir genauer anzuschauen. Es war alles so kahl, so leer, es gab nichts in diesem Zimmer, außer ein Bett und Regale und den begehbaren Kleiderschrank. Ich ging als erstes in meinen Kleiderschrank und wie meine Mom schon gesagt hatte, er ist riesig, ich könnte mich darin verlaufen, ich weiss gar nicht was ich alles rein hängen sollte. Ich habe gar nicht so viele Klamotten dabei, dachte ich mir in diesem Moment, es hängen noch ein paar Klamotten in meinem alten Zimmer.

,,Mom, können wir dann irgendwann nochmal zurück fahren? Weil ich nicht alle Sachen von mir dabei habe. Ich hatte nicht gedacht, dass ich so einen großen Kleiderschrank habe und deshalb nicht alle eingepackt.”, rief ich durch das ganze Haus.

,,Ja, klar. Ich muss sowieso nochmal zurück fahren, ich habe auch was vergessen.”, rief meine Mom zu mir hoch ,,Willst du am Wochenende mitkommen? Da kannst du nochmal deinen Baum sehen und du kannst ein letztes mal in der Stadt rumlaufen”

,,Ne, weiss ich noch nicht. Kann ich über die Woche entscheiden?”

,,Klar, kannst du das machen”

Nachdem ich in meinem Kleiderschrank war, bin ich zu meinem Fenster gegangen und habe eine Weile rausgeguckt. Das erste, was ich gesehen habe, sind ganz viele Häuser und Autos. Ich konnte nur daran denken, dass das alles nur die Umwelt verschmutzt. Die Sonne schien mir gerade direkt ins Gesicht, ich war gezwungen, die Augen zu schließen, da sie wirklich sehr hell schien. Ich hatte die Augen zu und dachte an die Momente, als ich auf meinen Baum saß und mir nie in meinem Leben mir vorstellen konnte, dass ich da jemals weg muss. Ich dachte an die schönsten Momente, die ich je in der Stadt erlebt hatte, ich dachte zurück an meinen zwölften Geburtstag, wo meine beste Freundin extra 8 Stunden aus Stuttgart zu mir an den Zwischenahner See gefahren ist. Ich machte langsam meine Augen wieder auf, wünschte mir aber trotzdem, dass ich immer noch da wäre. Ich guckte weiter aus dem Fenster, sah in der Ferne ein paar Wolkenkratzer und einen Kontrollturm, d amit wusste ich, dass es hier direkt einen Flughafen in der Nähe gab. Ich malte mir direkt wieder aus, wann ich hier abhaue und wieder zurück fliege, zurück zu meinem Zuhause. Ich guckte mich noch eine Weile um und schüttelte dabei nur den Kopf, weil ich es einfach hasste in der Innenstadt zu wohnen. 

,,Das hier wird nie mein Zuhause sein, niemals!”, schoss es mir durch den Kopf, was ich am liebsten auch durch das ganze Haus geschrien hätte, ich es aber nicht tat, weil es meine Mom verletzten würde. Ein Neon Pinkes und gleichzeitig ein Neon Grünes Auto bogen in unsere Straße ein und hielten vor einem Basketballplatz, denn ich aber erst jetzt sah. Aus dem Auto stieg gerade ein Junge mit braunen Haaren aus. Er sagte wahrscheinlich seinen Freunden Hallo, bis die Horde von Jungs weiter Basketball spielten. Ich guckte ihnen eine Weile zu, bis mir bewusst wurde, dass mir einer der Jungs ein Lächeln zuwarf. Ich lächelte zurück und sah, wie er gerade einen Korb warf und mir dann ein Handzeichen gab, das sowas wie, komm runter und guck von hier unten zu, hieß.

,,Na, ist die Aussicht schön oder warum lächelst du so?”, fragte mich meine Mom.

,,Eh, nein die Aussicht ist scheiße, ich seh nur dinge die, die Umwelt verschmutzen”

,,Oh Cleo, bitte du weißt wie wichtig mir das ist, dass es dir hier gefällt, oder?”

,,Ja, weiß ich Mom”, wies ich sie drauf hin und rollte dabei die Augen.

,,Dann bemüh dich doch mal und gib diesem eine Chance, okay? ”

,,Mhm”, gab ich meiner Mom zurück. 

Ich wartete, bis meine Mom aus meinem Zimmer war und guckte dann nochmal aus dem Fenster, die Jungs spielten immer noch und einer warf schon wieder einen Korb. Wie ich gerade sah kam ein neuer dazu, aber es sah nicht so aus, als ob sie ihn kennen würden, denn der Junge fragte sie eher, ob er mitspielen könnte. Was dann geschah, sah ich leider nicht, weil ich das Gefühl hatte, dass meine Mom gleich rein kommt, was dann auch so war. Deswegen hatte ich so getan als ob ich meine Kisten ausräumen würde, dass meine Mom nicht weiß das ich die Jungs beobachte. Sonst würde sie mich wieder bis zum kleinsten Tropfen ausquetschen, was ich auf gar keinen Fall wollte. Sie wollte dann nur wissen, was ich gerade machte. Als sie wieder raus war, ging ich wieder zum Fenster und sah, dass der neue Junge einen Korb machte. Er kam mir aber irgendwie bekannt vor, bis er sich umdrehte, um einem anderen Typ einzuschlagen, es war …

… mein Bruder, Nero! Ich war schockiert, ich musste mich erstmal hinsetzen. Wieso kennt er diese Typen oder besser gesagt wieso hat er schon innerhalb  von einer Stunde neue Freunde gefunden und ich nicht, wir wollten doch zusammen neue Freunde finden. Ich fühlte mich hintergangen. Wie konnte er so schnell seine alten Freunde vergessen, seine Freundin? WIE? 

Es schoss mir durch den Kopf: ,,Ich muss mich ablenken!”

Deswegen habe ich dann meine Kisten wirklich ausgeräumt und die Sachen direkt in die Regale eingeräumt, bis es Abendessen gab. Auch wenn ich mehrere Stunden gebraucht habe, habe ich mich abgelenkt und war nicht mehr ganz so sauer auf meinen Bruder. Ich legte mich nach dem Abendbrot in mein Bett und dachte nochmal über den hübschen Jungen mit den braunen Haaren nach, der mir ein Lächeln zuwarf. Wie ich beim Abendbrot mitbekommen habe, heißt der hübsche Typ: Nate.

Nate, so ein schöner Name für einen Jungen, der mich bemerkt hat. Ich wurde noch nie von einem Jungen bemerkt, der mich hübsch fand, die Jungs in meiner alten Klasse haben immer nur auf meinen riesigen Busen geguckt. Aber Nate nicht, er hat mich gesehen, weil ich hübsch bin. Er kann meinen Busen auch gar nicht gesehen haben, da ich nur mit meinem Gesicht aus dem Fenster geguckt habe. Ich hoffte, er denkt wirklich so, denn ich fände es würde nicht zu ihm passen, da Nero schon ganz viel von ihm erzählt hatte beim Abendbrot. Ich probierte, dann gegen 22:00 einzuschlafen, doch es ging einfach nicht, egal auf welche Seite ich mich drehte, mein Körper wollte einfach nicht so wie ich wollte. Ich machte eine Weile so weiter, bis ich es aufgab und dann Richtung Küche nach unten geschlendert bin. Beim Abendbrot habe ich nicht ganz so viel gegessen, weswegen ich jetzt Hunger bekam. Ich horchte an der Tür meiner Mom und dann an der Tür meine s Bruders, weil ich sichergehen wollte, dass beide schlafen. So schlich ich mich auf Zehenspitzen in die Küche und nahm mir einen Joghurt und setzte mich an den Küchentisch. Ich dachte weiterhin über Nate nach und schaute gleichzeitig aus dem Fenster. Ich beobachtete die Ranken, wie sie vom Wind hin und her gepustet wurden. Ich guckte noch eine ganze Weile so aus dem Fenster, bis mir auffiel, dass noch jemand auf dem Basketballplatz spielte, ich ging ein wenig näher zum Fenster, um besser sehen zu können, wer der jenige ist, der um diese Uhrzeit noch Basketball spielt. Als ich dann nah am Fenster war, sah ich, dass es Nate war, also zog ich schnell meine Schuhe an und lief schnell raus, als ich zu ihm rüber lief spielte er noch immer Basketball, doch als er mitbekam dass ich ihn beobachtete wirbelte er schnell herum und brach nur den Satz:

,,Na, hübsches Mädchen. Was machst du noch hier draußen um diese Uhrzeit?”, mit einem süßen Lächeln hervor.

,,Das gleiche könnte ich dich fragen”

,,Nein, jetzt mal ehrlich, es ist schon spät, was machst du noch hier draußen?”

,,Ich konnte nicht schlafen und dann hab ich dich hier gesehen und dachte mir, da ich vorhin schon nicht runter gekommen bin, sag ich jetzt mal hallo”, sagte ich und merkte, dass meine Stimme ganz leise wurde - dieses Lächeln war gefährlich süß.

Für einen Moment herrschte Stille, ich sah nur das Flackern der Straßenlaterne über sein Gesicht wandern.

,,Bist du öfter nachts unterwegs?”, fragte er

,,Nur, wenn ich weiß das es sich lohnt”

,,Nicht nur hübsch sondern auch noch vor eingebildet"

,,Na wenn schon, dann den schon”, konzerte ich.

So ging das über eine halbe Stunde lang, danach musste ich schließlich wieder rein. Ich nahm mir noch eine Banane mit hoch und ließ mich ins Bett fallen, schnell putze ich die Banane weg und entspannte mich dann langsam.

Ich fragte mich, was er wohl gerade machen würde, ob er gerade auch über mich nachdachte oder ob er vielleicht schon schlief, da es ja bereits 02:24 war. Das waren meine letzten Gedanken, bevor ich schnell einschlief. Ich hatte an diesem Abend nach gefühlt Jahren wieder geträumt und das nicht schwarz. Ich weiß zwar nicht warum, aber ich habe von ihm geträumt, wie er mit mir Basketball übt für meine neue Klasse. In meinem Traum war Nate auch in meiner Klasse und wir waren zusammen. Mein Bruder hat es in meinem Traum gehasst, dass wir zusammen waren und er würde es auch im echten Leben hassen. 

So gegen um 7, wo alle noch im Haus schliefen, wachte ich auf, da ich ganz dringend aufs Klo musste. Ich ging schnell und auf dem Weg nach oben schoss es mir durch den Kopf, dass ich doch jetzt eh wach war, ich mir auch was zum Frühstück machen könnte, auch wenn es eigentlich viel zu früh dafür war. Ich schnitt schnell einen Apfel und eine Banane und vermischte es mit dem Naturjoghurt aus dem Kühlschrank. Danach hatte ich die Idee, dass ich mich einfach wieder ins Bett lege und noch ein wenig Schlaf von letzter Nacht nachhole. Und während ich mich wieder in mein Bett legte, hörte ich es klopfen - leise, aber eindeutig. An meinem Fenster.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.10.2025. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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