Die KI der Enten -Was uns wirklich Matsch macht
Haben sie schon einmal ein Tier beobachtet? Ich meine ein natürliches Tier, keines das von Menschenhand erzogen oder misshandelt wurde. Haben sie schon einmal gesehen, wie sicher es sich in seinen Rechten und seiner Existenzberechtigung ist? Vielleicht haben sie schon einmal nähere Bekanntschaft einer Entenfamilie gemacht?
Wenn die Ente sich entscheidet mit seiner Familie die Straße zu überqueren, dann ist sie die Hauptperson. Kommt im selben Augenblick ein Auto angefahren und muss mit quietschenden Reifen bremsen, um nicht gleich eine Familientragödie in der Entenfamilie auszulösen, passiert folgendes:
Empört dreht sich die Ente zu dem Autofahrer herum und schnattert lauthals keifend auf das Auto ein. Sie werden kaum eine Ente erleben, die erschreckt von dannen fliegt, nein, sondern sie ist sich ihrer Rechte „als schützendes Familienoberhaupt oder als `erste´ auf der Straße“ völlig sicher. Sie wird vielleicht sich noch die Zeit nehmen und ihre Küken anschreien, die vielleicht in der Aufregung entsetzt zur Seite gehüpft sind, sich gefälligst wieder an ihren Platz ordentlich aufzustellen, aber dann geht sie ganz sicher weiter.
Der Autofahrer muss sich auch nicht einbilden, dass die Ente jetzt etwas schneller geht, oh nein, im Gegenteil. Sie zeigt ihren Küken auch noch, dass hier keine Eile geboten ist und wie man ihrem Entenkopf, Schnabel aufwärtsgerichtet, würdevoll trägt, während die Autofahrer in der Rush Hour warten und hinter dem Steuer ausrasten. Hat es die Entenfamilie bis zum Mittelstreifen gebracht und kommt von der anderen Seite ebenfalls ein Auto herangeschossen, brauchen sie sich auch jetzt nicht einbilden, dass die Ente sich anders verhält. Auch diesem großen, lauten, stinkenden Stahlgeschoß wird Frau Ente erst einmal ihre Meinung schnattern, bevor sie gleichfalls seelenruhig, wie würdig, weiterwatschelt. So viel zu einem gut funktionierenden Kurzzeitgedächtnis.
Ich kann mir nicht helfen, mich erinnert dieses kleine Schauspiel immer an uns Menschen. Es unterscheidet sich aber wirklich auch in keinem Punkt von unserem Revierverhalten, nur, dass wir mehr Mittel besitzen, als Frau Ente oder Herr Erpel. Vielleicht sind wir etwas aggressiver und haben, dank unseres Bewusstseins, den instinktiven Wunsch, den anderen für sein rücksichtsloses Verhalten zu bestrafen. Mehr Unterschiede gibt es wirklich nicht. Doch, noch einen: die Fahrer der stinkenden Blechflitzer verspeisen gelegentlich Enten, aber das hat sich in den Geflügelkreisen anscheinend nicht herumgesprochen oder es ist nicht wirklich so wichtig, daß die Enten sich so etwas merken müssen.
Jeder fragt sich vermutlich, warum verhält sich die Ente so, nach Generationen niedergebügelter, respektive überfahrener Wildenten? Ist sie so dumm, dass sie keine Angst hat? Ist diese Ente verrückt?
Die Antwort ist ganz einfach. Die Ente hat über Generationen verschiedene Verhaltensmuster gelernt und ihre Hauptaufgabe ist die Brutpflege und die gute Erziehung ihrer Kinder. Alle anderen Informationen sind sekundär. Außerdem scheint es in der Tierwelt Naturrechte zu geben, weshalb sie mit ihrer Familie „rücksichtslos“ die Straße überqueren darf. Eigentlich ganz logisch, in der Tierwelt weicht man sich auf einer Wiese, einem Wald oder Fluß auch aus, es sei denn, man hat Hunger und will sein Gegenüber verspeisen.
Es gibt tatsächlich kein Tier, dass mutwillig ein anderes Tier über den Haufen rennt, außer es will es verspeisen. Begegnen wir einer Ente im Park, weichen wir ebenfalls beide, Tier und Mensch, höflich und mit Respekt einander aus.
Der wahre Grund aber ist, die Ente ist schlau. Würde sie nämlich dazu lernen, dass Autos mehr Rechte haben als eine Entenfamilie; Welt und Erde den Menschen gehört etc., wüsste sie, dass sie durch dieses neue Wissen, altes Wissen verlieren würde. Zum Beispiel, wie man seine Familie zusammenhält, wie man als gut erzogenes Entlein anständig und ordentlich läuft. Instinktiv spürt sie, daß diese Informationen für sie wichtiger sind, als so ein außergewöhnlicher Feind von Autofahrer und sie möchte und darf ihre Traditionen und Bräuche nicht einfach so aufgeben und dem Menschen zum Fraß vorwerfen.
Sie versteht, sie hat nichts davon zu begreifen, wie gefährlich ein Auto ist, wenn sie dafür ihre Erziehung, ihre gesellschaftliche Ordnung oder ihre Leitposition in der Familie verliert. Sie würde dafür Informationen speichern, die ihr Angst machen, ihr aber sonst nichts nützen und wertvolles Urwissen verlieren, zum Beispiel, wie man Brutpflege zu betreiben hat.
Außerdem weiß sie, daß die Tiere höfliche Gesetze für ein geordnetes Miteinander strikt einhalten. Jeder!, auch ein verrücktes Autotier kann das vielleicht noch lernen, zumindest sollte ihm sein Verhalten peinlich sein. Deshalb werden auch ihre Küken-Kinder als Erwachsene noch die Autos auf der Schnellstraße anschnattern, wenn sie ihre Küken bei der Rush-Hour über die Straße führen werden. Das ist sicher
Ich finde diese Verdrängungsfähigkeit genial. Woran liegt das? Woher nehmen die Tiere ihr Wissen? Anscheinend wissen Tiere instinktiv, wie schwierig es ist, Informationen im Gehirn zu speichern. Natürlich wissen sie das nicht intellektuell, wie wir, aber auf einer anderen Ebene sind sie auch hier viel weiser als wir. Das mit dem Wissen ist nämlich bei allen Lebewesen seit Urgedenken wie folgt:
Nhemen wir einmal an, unser Gehirn ist ein Gefäß, das randvoll mit 10 Litern Flüssigkeit gefüllt ist. Die Flüssigkeit ist unser Wissen: Gelerntes Wissen, Erfahrung, Erziehung, Geschicklichkeit, Liebe, Achtung, Hilfsbereitschaft, Spiritualität, Instinkt usw. Jetzt wird dem Gehirn zum Beispiel durch neue Technologien neues Wissen zugeführt. Das Lebewesen zu diesem Gehirn hat sich entschieden, das Wissen auf jeden Fall aufzunehmen.
Damit wurde das neue Wissen mit seinen 60 ml Flüssigkeit die Erlaubnis gegeben, in das Gehirn gekippt zu werden. Und was passiert?
Kippt man in ein 10 Liter Faß, welches randvoll gefüllt ist, 60 ml neue Flüssigkeit hinzu, schwappt das Gehirn, Pardon, Gefäß über, und 60 ml altes Wasser werden einfach verdrängt und hinweggespült. Es muss sich natürlich sich nicht nur um altes Wissen handeln, sondern es kann auch etwas Flüssigkeit des neuen Wissens sogleich mit hinausgespült werden.
Tatsache, nach jeder Zugabe neuer Wissensflüssigkeit, wird das alte Wissen verdünnt, zu Gunsten der Aufnahme neuen Wissens. Und da ist die Tragik begraben: Niemand, kein Lebewesen und kein Gehirn kann je kontrollieren, zu welchen Lasten neues Wissen aufgenommen wird.
So kann es also dem Lebewesen passieren, bemerken zu müssen, dass ihm persönlich sehr wichtiges Wissen, zum Beispiel im Umgang mit einander, oder über Höflichkeit oder Tradition hinweggewässert wurde. Dann kann er, sollte er unter dem Verlust leiden, nur hektisch versuchen, das übergelaufene Wasser mit beiden Händen aufzusammeln und schleunigst in das Gefäß zurück zu führen; so wie man es manchmal macht, wenn man Mehl oder Zucker verschüttet. Man kratzt das Verschüttete mit der Hand vom Tisch auf und füllt es in das Gefäß zurück.
Aber auch diese Gefahrenbegrenzung ist sehr zweischneidig. Da man leider niemals die gesamte verschüttete Flüssig wieder auffangen kann, wird dieses zurückgefüllte Wissen immer verdünnt oder nennen wir es verwässert, bleiben. Die Ursprünglichkeit und pure Reinheit dieses Wissens ist für immer verloren.
Und hier unterscheiden sich anscheinend die Tiere, von den Menschen. Die Tiere haben den Schutzfaktor Instinkt, der sie von sehr weitläufigen Änderungen und raschen Mutationen schützt. Der Mensch hat vor Urzeiten seinem Gehirn den Befehl gegeben, zu lernen und immer neue Sachen zu erlernen und sich anzueignen. Wie einem Trüffelschwein, ohne dem armen Tier zu nahe treten zu wollen, stopfen wir einfach alles köstliche Wissen in uns hinein. Dazu hat der Mensch dem Beschützer und Ordnungshüter, auch „Instinkt“ genannt, die Arbeit gekündigt, um somit für das neue Wissen offen zu sein.
Leider hat aber auch der Mensch nur ein 10 Liter - Gehirn, vielleicht 2 Hirnliter größer als das einer Ente, aber immerhin ein begrenztes. Instinktlos konnte der Mensch endlich lernen, seinen Feind auszutricksen, sich vor Regen und Sturm zu schützen, mit einem Gewehr zu töten und das Gewehr nachzuladen, andere zu unterdrücken etc. Dafür musste er allerdings vieles seines Urwissens aufgeben. Das war ihm egal, sein Ordnungshüter, zum Schutz des inneren Wissens, war schließlich entlassen.
Er oder sie hat also durch Verwässerung seines Hirns unkontrolliert seine Tradition, seine Intuition, seine Spiritualität eingebüßt. Irgendwann war sein Hirn vielleicht sogar so ungeschützt, dass er sogar seine Brutpflege, seine Würde und seine Zwischenmenschlichkeit verlor.
Vielleicht wurde der Mensch sogar traurig und hat in seiner Not sogar Tiere beobachtet, um, in Form einer Schadensbegrenzung, dieses Urwissen wieder zu erlangen, hat alte Aufzeichnungen und Rituale von früher sich erneut angelernt. Nicht zu vergessen immer als Wissen aus zweiter Hand. Und, wie wir auch erraten, immer auf Kosten anderen Urwissens oder Verdünnung unserer Gehirnflüssigkeit.
Haben Sie eine Ahnung was das für verheerende Auswirkungen hat?
Wir werden nunmehr wiederum von solchen verwässerten Personen erzogen, die, weil sie alle merken, dass etwas schiefläuft, sich für ihrer Brut eine bessere Chance in dem Menschen-Dschungel wünschen. Indem sie ihren Kindern beibringen, permanent schneller und rascher neues Wissen aufzunehmen.
„Wissen ist Macht“, ist vielleicht eine der ältesten traditionellen Weisheiten, die in ihrem eigenen verwässerten Hirn noch übriggeblieben ist. Welches Wissen gemeint ist, was Weisheit oder echte Macht ist und wozu man sie nutzen sollte und wozu nicht, oder aber dieser ganze Satz nicht mehr stimmt; diese Informationen sind allerdings den Menschen zu Gunsten der Bedienung einer elektrischen Geschirrspülmaschine abhandengekommen.
Können sie sich aber jetzt vorstellen, wie schwer oder nahezu unmöglich, die Menschen ihren Kindern und deren Kindern eine Chance geben können, wieder zum Ehrlichen, Natürlichen, Wahren und Ursprünglichen zu kommen?
Wir mutieren jetzt also mit einer atemberaubenden Schnelligkeit (danke Software, Fernseher, Internet und Flugzeug), die uns aber nicht garantiert, dass wir durch hochpotente Verwässerung nicht irgendwann die Verhaltensmuster eines Schafes, einer Eidechse oder eine Amöbe annehmen. Denn, wer weiß denn wirklich noch irgendetwas richtig oder instinktiv? Der Instinkt wurde gefeuert und somit wurden auch seine Söhne nicht mehr an unsere Kinder weiter vererbt.
Ich habe mir für das Dilemma eine ganz neue Methode angeeignet (wieviel Liter Gehirnraum sie mich gekostet haben möchte ich aus angegebenem Grund gar nicht wissen). Das Liter-Gehirn, von dem ich nämlich rede, ist unser Gedächtnis - Seine kleine Schwester, das Kurzzeitgedächtnis, wird glücklicherweise durch seine Kurzlebigkeit immer wieder sofort vergessen.
Deshalb bringe ich jedem Kind, welches ich in die Hände bekomme immer nur eines bei.“ Schmeißt alles, was ihr an Wissen, Erfahrung und Informationen um die Ohren gehauen kriegt, bloß erst einmal in euer Kurzzeitgedächtnis. Egal was es ist! Sollte hier irgendetwas wirklich Wichtiges und Ursprüngliches ankommen, wird euer Herz euch schon helfen, die Bedeutung wahrzunehmen. Aber überlasst bitte euer Wissen wirklich nur dem Kurzzeitgedächtnis und dem Herzen.
Die Menschen, die den Mut haben sich bedingungslos dem Herzen als liebevollen Berater zu verschreiben, werden staunen, was sie alles nicht mehr wissen müssen und auf welche fantastische Art das Herz, herzlich aber konsequent, sortiert“.
Manche dieser neuen Menschenkinder werden tatsächlich ad hoc nicht eine Waschpulvermarke nennen können, die anderen werden nicht einen Schauspieler aus irgendeiner Serie (welcher Serie?) mit wirklichem Namen nennen und andere können sich nicht daran erinnern, welches Kleid ihre Schwägerin letzten Sonntag beim 50. Geburtstag trug. Es gibt allerdings Cracks, die sind so weit, dass sie sich jedes Mal von neuem das Handy oder die Fernbedienung erklären lassen müssen. Davon kann ich als Lernender nur träumen... .
Aber wissen sie jetzt, warum ich eine Entenfamilie, die über die Hauptverkehrsstraße watschelt, für paradiesisch halte? Nicht nur weil sie ihren Kindern beibringt, dass so ein Auto und Autofahrer allenfalls Bedeutung für ihr Kurzhirn hat, nein, sondern weil sie das besitzt, was wir durch unsere Wissenssuche und brutalem und massivem Lernen uns versuchen anzueignen. Ein besseres, zufriedenes und paradiesisches Leben. Ein Leben in dem Paradies. Stressfrei und authentisch.
Ich sehe die Geschichte von Adam und Eva mittlerweile auch schon anders. Die Schlange war ein verwässertes Gehirn von bedürftigem Unternehmer, der Eva mit einer Zeitschrift über Mode und Adam mit der Bedienungsanleitung für eine ferngesteuerte Eisenbahn verführte. Den Rest der Geschichte kennen wir ja nun einmal alle.
Das Schlimme ist nur, daß niemand noch wirklich genug über den biblischen Feind der Menschen weiß. Bei mir persönlich ist er unter „Informationsflut“, „Herzlosigkeit“, „Fortschritt“ gespeichert. Muss aber nicht sein. Auf jeden Fall handelt es sich auch bei mir nur noch um halbes Wissen und sehr dünn verwässertes Wissen aus erster Hand. Wie schade eigentlich.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.10.2025.
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