Was ist schon ein Bankraub, gegenüber der Gründung einer Bank?
Es gibt Nachrichten, die klingen wie eine Fußnote aus einem Brecht-Stück. Zum Beispiel diese: Die Europäische Union überlegt, eingefrorene russische Staatsvermögen – um die 300 Milliarden Euro weltweit, ein paar Hundert Milliarden also in der Tiefkühltruhe des Völkerrechts – zu nutzen, um die Ukraine zu unterstützen.
Man könnte sagen: Das ist pragmatisch, moralisch begründet, ein Akt der Gerechtigkeit. Man könnte auch sagen: Das ist die eleganteste Form des Bankraubs – der, der nicht wie ein Raub aussieht.
Von Räubern und Ehrenmännern
Ein gewöhnlicher Räuber – wir kennen ihn aus der Boulevardpresse – trägt eine Strumpfmaske, eine Pistole aus Plastik und flüchtet auf dem Fahrrad. Ein gewöhnlicher Räuber wird gefasst, verurteilt, verspottet.
Der institutionalisierte Räuber – nennen wir ihn Bankier, Konzern oder Staat – hat Anwälte, Gipfelkommuniqués, und eine NATO hinter sich. Er gründet keine Gang, sondern eine Bank. Und schon gilt er als Ehrenmann.
Brecht wusste, wovon er sprach.
Historische Parallelen, frisch serviert
Konquistadoren: Gold, Silber, Edelsteine – mit dem Segen der Kirche. Heute: Anleihen, Reserven, Staatsfonds – mit dem Segen der Europäischen Kommission.
East India Company: Kaufleute, die ganze Kontinente „in Verwaltung“ nahmen. Heute: Beamte, die sagen: „Wir verwalten nur die Zinsen.“
Robin Hood: nahm den Reichen, gab den Armen. Heute: nimmt den Russen, gibt den Ukrainern. Der Unterschied: Robin Hood brauchte keinen Rechtsausschuss des EU-Parlaments.
Vom Einfrieren und Auftauen
Offiziell heißt es: Die Gelder sind eingefroren. Ein schönes Bild. Doch was passiert mit Tiefkühlware, die zu lange liegt? Sie taut auf, sie wird benutzt, bevor sie verdirbt. Und so erklärt man: „Wir nutzen nur die Zinsen, wir rühren den Hauptbetrag gar nicht an.“
Das klingt wie ein Dieb, der erklärt: „Ich schlafe nur im fremden Haus, ich esse nur die Vorräte – die Möbel lasse ich stehen!“
Der neue Standard: Moralischer Raub
Natürlich, niemand bestreitet: Russland hat einen Angriffskrieg begonnen. Russland hat zerstört, verwüstet, getötet. Und doch bleibt die Frage: Wann genau kippt die Grenze zwischen Sanktionsrecht und Enteignung? Zwischen Notwehr und Beutezug?
Vielleicht lautet die Antwort: genau dann, wenn man eine Bank gründet. Eine Reparationsbank, eine Wiederaufbaufondsbank, eine Moralbank. Das Etikett ist entscheidend, nicht die Handlung.
Pointe
Am Ende bleibt Brechts Satz stehen wie eine Anklage aus der Vergangenheit:
„Was ist ein Bankraub gegen die Gründung einer Bank?“
Die EU sagt heute: „Wir helfen der Ukraine.“
Die Geschichte sagt: „Ihr gründet gerade eine neue Bank.“
Und die Räuber von gestern – ob sie nun Gold gossen, Kontinente teilten oder Verträge diktierten – sie nicken im Jenseits zufrieden.
Denn eines haben sie alle gewusst: Der wahre Raub trägt Frack, nicht Strumpfmaske.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.10.2025.
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