Missmutig stapfe ich durch den dunklen Tannenwald. Meine Lunge keucht, denn es geht steil bergan. Überall Steine und Wurzeln, ich muss höllisch aufpassen, nicht zu stürzen. Dabei hatte ich mir für den Nachmittag nur einen kleinen gemütlichen Spaziergang am Rande des Waldes vorgestellt, der das kleine Dörfchen umringt.
Aber nicht zum ersten Mal lehnte Julia ab, als ich ihr den Vorschlag machte. »Ach …, warum gehst du nicht allein, wenn du soviel Lust zum Laufen hast. Wir waren doch erst gestern im Wald. Ich lese lieber noch ein bisschen.«
Von wegen Lesen! Als ich das letzte Mal allein unterwegs war, weil sie keine Lust hatte, kam Sebastien aus dem Haus, als ich zurückkam. Er grüßte zwar höflich, grinste mich dabei aber unverschämt an. Wenn sein stechender Blick mich hätte töten können, ich glaube, er hätte es getan.
Sebastien ist Schäfer, abwechselnd mit seinem Vater ist er draußen bei der Herde. Angeblich war er nur da, um meiner Frau ein paar Käse zu bringen. Julia hatte stark gerötete Wangen, als sie mir die brebis, die Schafskäse, zum Kosten gab. Die beiden kennen sich schon lange. Früher war sie mit ihren Eltern oft hier in den Ferien, seit unserer Heirat machen wir jedes Jahr ein paar Wochen Urlaub im gleichen Örtchen in den Pyrenäen. Wenn ich viel zu arbeiten habe, fährt sie auch schon mal allein nach Bonac.
Ich halte an, beuge mich nach unten, stütze meine Hände auf die Oberschenkel, atme heftig aus und spüre meinen Puls in den Schläfen pochen. Dann schaue ich mich um. Hier war ich, glaube ich, noch nie. Der steinige Weg, der sich durch die Tannenschlucht windet, kommt mir völlig unbekannt vor. Selbst die Felsspitzen, die ich oberhalb der Bäume erkennen kann, habe ich noch nie gesehen. Neben meinem Weg plätschert ein Gebirgsbach Mein Handy zeigt mir, dass ich schon zwei Stunden gelaufen bin, einfach so – ohne Orientierung.
Da knackt es hinter mir im Unterholz. Ich fahre herum: Nichts zu sehen. Oder doch, dieser Schatten, der hinter dem dicken Stamm trotz des schwachen Lichts auf dem Waldboden zu erkennen ist? Ist das ein Mann, der ein Gewehr geschultert hat? Sebastien, der mich verfolgt? Ach Quatsch, ich sehe Gespenster. Trotzdem beschleicht mich ein mulmiges Gefühl. Weiter ...
Der Weg führt mich weiter bergan, immer neben dem Bach. Noch brauche ich nicht umzukehren, ich habe noch Zeit. Vielleicht kommt weiter oben eine Abzweigung, die mich wieder nach unten ins Tal führt, da muss ich nicht denselben Weg zurück nehmen. Ein Mann kehrt nicht einfach um! Ich schaue mich noch einmal um, aber meinen Verfolger von vorhin kann ich nicht entdecken. Trotzdem bin ich irgendwie unruhig. Wie der Kerl mich angeglotzt hat. Julia schwärmt von seinen grauen Augen. Ich erkenne da nur Falschheit, mag ihn gar nicht. Ob Julia und er wirklich …? Rasende Eifersucht packt mich.
Was ist das? Eine große einladende Höhle, hier könnte ich mir eine Sippe Urmenschen um eine Lagerfeuer herum vorstellen. Ich trete ein und laufe die Felswände im Innern ab. Da geht ein Gang weiter ins Innere, breit genug für einen Mann. Ich erinnere mich an Wanderungen in der Hohen Tatra, die auch durch tiefe Höhlen führten. Schilder an den Eingängen wiesen die Touristen darauf hin, diese nur mit festem Schuhwerk, warmer Kleidung und einer Taschenlampe zu betreten. Drinnen waren die Gänge wie auch auf Wanderwegen üblich mit farbigen Markierungen gekennzeichnet. Gut, meine Schuhe reichen zum Wandern, wir haben Sommer, selbst hier oben im Gebirge ist es warm, und mein Handy verfügt über eine Taschenlampenfunktion. Neugierig betrete ich den Gang, beleuchte mit dem Handy die Schritte vor mir. Es wird enger, der Gang macht einen Knick, aber bleibt für mich breit genug. Meine Schritte hallen ein wenig. Ich drehe mich herum, der Ausgang ist durch ein schwaches Licht zu erahnen. Als ich weitergehe, knallt mir etwas auf den Schädel. Mir wird schwarz vor Augen und ich gehe in die Knie. Ich fasse in meine Haare, offenbar kein Blut. Das wird eine dicke Beule werden. Mist! Ich darf nicht nur den Boden vor meinen Füßen ausleuchten, sondern muss auch darauf achten, dass mein Kopf die Felsdecke nicht unsanft berührt. Vorsichtig, aber neugierig, taste ich mich weiter, die Felswände sind auf einmal nass. Ich bleibe stehen und lausche. Zuerst höre ich nur meinen Herzschlag, dann auf einmal etwas wie ein leises Pfeifen. Oder atmet da jemand? »Hallo, ist da jemand?« Ich wiederhole das auf Französisch: »Y-a-t-il quelqu‘un?« Schließlich sind wir in Frankreich. Nur den Widerhall der eigenen Stimme höre ich. Dann aber ein Platschen, leise, aber deutlich. Das ist vor mir. Ich taste mich vorsichtig weiter. Auf einmal weiten sich die Höhlenwände und im Strahl des Handylichts sehe ich ein Wasserloch, bestimmt zwei Meter im Durchmesser. Am Rand könnte man entlanglaufen, es sind breite Steine mit kleinen und größeren Lücken ringsum. Mir ist klar, dass ich aufpassen muss, die Steine sind glitschig. Aber auf der gegenüberliegenden Seite geht der Gang offenbar weiter. Es reizt mich, noch ein Stück tiefer in die Höhle einzudringen. Ich komme mir vor wie als kleiner Junge, als ich mit ein paar Freunden mutig die Umgebung zu Hause erforscht hatte und auch vor gruseligen Kellern in der Burgruine und dunklem Unterholz nicht zurückgeschreckt bin.
Gerade als ich ein paar vorsichtige Schritte auf dem nassen Felsrand über dem Wasserloch gemacht habe, schallt es dumpf hinter mir: »Allô, allô! Y-a-t-il quelqu‘un là-dedans?« Ich verstehe, da ruft jemand, ob hier einer drin ist. Vor Schreck rutsche ich aus und kann mich gerade so noch halten, bevor ich ins Wasser falle. Aber mein Hosenboden ist nass. Wer ist da am Höhleneingang? Habe ich doch richtig gesehen, dass mich ein Mann im Wald verfolgt hat? Mit einem Gewehr ... Vielleicht hat derjenige gesehen, wie ich in die Höhle gegangen bin und will nur sicher gehen, dass mir hier drin nichts passiert. Aber es könnte auch Sebastien sein, der mir an den Kragen will. Ich bin ihm bei Julia im Wege. Oder sollte gar Julia ...? Sie hat beim Abschied so seltsam gelächelt. Hat sie mir Sebastien hinterhergeschickt?
Ich halte den Atem an und reagiere nicht auf das Rufen. Noch zwei Mal ruft jemand dasselbe am Höhleneingang, dann ist Ruhe. Ich beruhige mich und rappele mich leise auf und bewege mich langsam auf den schwarzen Spalt zu, bei dem der Gang möglicherweise weitergeht. Dort leuchte ich hinein. Tatsächlich kann man hier weitergehen, der Gang ist breit und hoch genug, sogar trocken.
Nach wenigen Metern sehe ich vor mir ein Dämmerlicht, das ich besser erkennen kann, wenn ich mein Handy zur Seite drehe. Das berühmte Licht am Ende des Tunnels, denke ich, gehe noch ein paar Schritte und schaue nach oben, um zu sehen, woher das Licht kommt. War ich zu schnell? Jedenfalls stoße ich mir heftig an den linken Fuß, dass das ganze Bein vom Schmerz durchzuckt wird, und kann mich nicht mehr halten. Beim Versuch, mich im Fallen an den Seitenwänden abzustützen, verliere ich das Mobiltelefon aus der Hand. Im Schwung meines zu Boden stürzenden Körpers fliegt es nach vorn, knallt auf einen hervorstehenden Stein, springt kurz hoch und verschwindet. Ich höre noch ein leises »Plumps«, dann ist Ruhe. Ich liege im Dunklen, schräg über mir ist ein schwacher Lichtschein. Vorsichtig schiebe ich mich zu dem Stein, auf den das Handy geknallt war und sehe dahinter ein Loch. Seltsamerweise ist es nicht schwarz in der mich umgebenden Dunkelheit, sondern in etwa zwei Meter Tiefe sehe ich einen Lichtfleck. Offenbar leuchtet mein Handy von einer Stelle, die ich nicht einsehen kann, die Felswand gegenüber an.
Ich schaue nach oben. Von dort kommt das Licht, das ich zuvor gesehen habe. Ein schmaler Spalt in der Felsdecke dieser Höhlenkammer, in der ich mich befinde, lässt ein schwaches Licht ein. Wahrscheinlich geht es dort schräg nach oben bis zur Erdoberfläche. Ich erhebe mich langsam, taste mich ab, aber außer einem schmerzenden Knie kann ich keinen Schaden an mir erkennen. Nochmal Glück gehabt!
Ein ganz schmaler Absatz führt auch hier ein Stück an dem Loch entlang, in dem mein Handy verschwunden ist. Ich taste mich darauf ganz langsam um das Loch herum, um den Spalt in der Felsdecke besser zu sehen. Auf einmal sehe ich es aufblitzen: Ich kann durch das Loch in der Decke bis in den Himmel sehen. Ab und zu bewegen sich Tannenzweige vor dem Himmelsblau. Ich bin hier schätzungsweise nur etwa vier Meter unter dem Waldboden. Zwei bis drei Meter bis zur Höhlendecke, die dann nur knapp zwei Meter dick ist. Ob das ein Ausweg ist? Von hier aus scheint mir aber der Spalt in der Decke zu schmal für mich.
Ich muss einfach den Weg zurück nehmen. Ohne Taschenlampe kann das schwierig werden. Da unten liegt das Handy, das sollte ich mir vorher wiederholen.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Loches ist es nur knapp zwei Meter tief, dort wo ich stehe, bestimmt vier Meter. Also bewege ich mich im Dämmerlicht, das von oben kommt, auf dem schmalen Absatz langsam wieder zurück, um auf die andere Seite zu gelangen. Auf ungefähr der Hälfte der Strecke wird es plötzlich dunkel. Nur noch der Lichtfleck, den mein Telefon unten auf den Felsen wirft, ist zu sehen. Was ist passiert? Von oben höre ich ein tiefes Brummen, dann etwas wie Scharren – und wieder Brummen. Nun ganz deutlich. Mich durchfährt ein Schreck. Das muss ein Bär sein! Bin ich in seiner Bärenhöhle? Quatsch! Es gibt zwar Bären in den Pyrenäen, aber doch nicht so tief unten im Tal beim Dorf. Aber bin ich nicht zwei Stunden nach oben gestiegen? Vor Kurzem war im L’Indépendant auch zu lesen, dass ein erschossener Bär in der Umgebung von Foix gefunden worden ist. Die Empörung bei den Naturschützern und anderen Leuten war groß. Schließlich sind die Bären streng geschützt. Sie waren fast ausgerottet, aber der Staat hat neue angesiedelt, aus Slowenien. Immer wieder hört man auch von gerissenen Schafen auf der Weide, was die Bauern und Schäfer auf den Plan ruft. Sie protestieren gegen die Ansiedlung dieser Raubtiere. Auch mir wäre es jetzt lieber, wenn es keine Bären hier gäbe. Foix ist keine hundert Kilometer entfernt. Gefunden hat man den getöteten Bären ja nicht in der Stadt, sondern in deren weiterer Umgebung. Das heißt, vielleicht nicht einmal fünfzig Kilometer von hier entfernt. Das ist keine Strecke, die ein Bär nicht zurücklegen kann. Auf der Suche nach einem Weibchen durchstreift ein männlicher Bär riesige Gebiete.
Es wird wieder heller. Vielleicht war es gar kein Bär, sondern nur eine dunkle Wolke? Wieder dieses Brummen, gefolgt von einem Schnauben, und es wird wieder dunkel. Aber ein Bär passt doch nicht da oben durch! Wenn der Spalt für mich schon zu klein ist. Er gibt aber keine Ruhe. Ob er mich riecht? Man sagt ja, dass Tiere die Angst ihrer Opfer spüren. Ja, Angst habe ich … Vielleicht kennt die Bestie den Höhleneingang, den ich genommen habe – oder einen anderen …
Schnell hier raus! Zuvor aber das Handy holen. Jetzt bin ich an der Stelle, wo das Loch am wenigsten tief ist. Ich setze mich auf den schmalen Rand und lasse mich nach unten gleiten. Meine Füße spüren den Felsboden am Grund des Loches, finden aber keinen Halt, ich knalle auf meinen Steiß und rutsche, rutsche … immer tiefer, durch den Lichtkegel meiner Ersatztaschenlampe hindurch und weiter … Es wird enger, ich werde langsamer, bis mein Kopf an etwas Hartes anschlägt. Ein stechender Schmerz, ich sehe Sterne, dann fühle ich nichts mehr …
Wo bin ich? Mir ist kalt, ich spüre Nässe um meine Beine, an meinem Hintern. Mein Schädel brummt, als hätte er einen Schlag abbekommen. Auf einmal wird mir bewusst: Ich habe einen Schlag bekommen! Mich durchläuft ein kalter Schauer, mein Magen krampft sich zusammen. Wie ein Blitz erhellt sich mir meine schreckliche Lage: Ich liege tief unten allein in einer Höhle, ein wildes Tier hat mich schon gerochen und sucht mich vielleicht schon. Ringsum ist es dunkel, nur seitlich rechts sehe ich einen schwachen Lichtschein. Meine Hand fährt vorsichtig zu meiner schmerzenden Schädeldecke über der Stirn. Dort klebt Blut … Ich bin verletzt, aber ich lebe … Langsam schiebe ich mich auf dem Rücken liegend nach oben, auch mein Steiß tut höllisch weh, ich drehe mich etwas seitlich, um den Schmerz auszuhalten. Da … da leuchtet mein Handy … rechts von mir, etwas über einen Meter weg. So komme ich mit dem Arm nicht hin. Ich biege meinen Oberkörper nach rechts, muss dabei höllisch aufpassen, dass ich nicht abrutsche, denn es geht hier weiter abwärts und ist glitschig nass. Das Telefon lehnt an einem hervorstehenden Stein. Da … jetzt habe ich es! Sofort sehe ich hoffnungsvoll nach, aber … kein Netz! Aber wenigstens Licht …
Von oben kommt kein Lichtschein. Offenbar ist es Nacht geworden, das Handy bestätigt mir die nächtliche Uhrzeit. Ich war mehrere Stunden bewusstlos. Mir ist kalt, sehr kalt, meine Zähne klappern aufeinander. Die Nächte im Gebirge kühlen eben doch stark ab, sogar hier in der geschützten Höhle spüre ich das deutlich. Vielleicht habe ich auch eine Gehirnerschütterung?
Ich sehe mich um, wie ich hier wieder hoch kommen kann. Klar, ich muss mich wieder hoch schieben, wo ich hinuntergerutscht bin, ich kann die Wand des Loches erkennen, an der ich mich so unglücklich hinuntergelassen habe. Dort ist auch ein Vorsprung, an dem ich mich festhalten und hochsteigen könnte. Aber erst einmal bis dahin kriechen, ich drehe mich auf den Bauch und schiebe mich langsam auf dem nassen Felsen ein Stück hinauf. Aber was ist das? Das Licht ist plötzlich ganz schwach … und nur wenig später ist es aus. Dunkel, nichts als Dunkelheit umgibt mich. Der Akku ist leer, keine Uhr, keine App, nichts mehr! Kein Wunder, heute hatte ich nicht aufgeladen, ich hatte eine Wanderung ja gar nicht vor! In mir steigt eine fürchterliche Wut auf diesen Sebastien hoch … rasende Eifersucht … auch tiefe Traurigkeit vermischt mit Zorn, wenn ich an Julia denke. Warum nur? Wir waren doch glücklich?
Jetzt aber liege ich hier in der Finsternis, allein, hilflos und verletzt. Das nutzlose Handy stecke ich ein und taste um mich. Da, etwas Weiches, Schwabbliges, in das meine Finger tauchen. Es stinkt … wie verwesendes Fleisch … Mich überkommt eine Gänsehaut. Es ist ein Kadaver! Trotz des Ekels, der mich schüttelt, taste ich noch einmal in die Richtung und bekomme etwas Festes zu fassen. Ich ziehe daran, es löst sich. Ich halte etwas wie einen kurzen Stock in der Hand. Es klingt knöchern, wenn ich damit auf den Untergrund schlage, auf dem ich liege. Tierknochen! Die erneute Erkenntnis durchfährt mich und lässt meinen Magen sich zusammenziehen, mein Herz macht einen Aussetzer. Ich bin in einer Bärenhöhle!
Still liege ich da, höre nur mein Herz klopfen, in den Ohren rauscht mein Blut. Da ist aber noch etwas? Ein leises Tapsen, dann wieder ein Kratzen … wie Krallen auf Stein … Nähert sich der Bär? Ich halte den Atem an. Da höre ich es deutlich: Hecheln, Kratzen und Tapsen. Er kommt näher. Den Gang entlang, den ich gegangen bin oder einen anderen? Der, den ich weitergehen wollte, führt wahrscheinlich zu einem anderen Ausgang. Aber das ist doch so egal, sage ich mir, auf welchem Weg er zu mir kommt und mir den Garaus machen wird … Trotz der Kälte schwitze ich auf einmal, der Bär wird meine Angst riechen … Obwohl ich nicht gläubig bin, bin ich versucht zu beten …
Ein greller Lichtblitz erhellt die Höhlenkammer, ich erkenne am Rand des Loches einen Bärenkopf, der sich zu mir hinunterbeugt. Dann ist alles wieder schwarz und ein lauter Donnerhall folgt, der von den Wänden der Höhle zurückgeworfen wird. Während das Echo noch ausklingt, folgt ein zweiter Blitz. Der Bär fährt herum und entfernt sich laut brummend. Ich atme auf, während die Höhle vom nächsten Donner überrollt wird. Das Gewitter über mir hat mich gerettet … Plötzlich begleitet ein heftiges Rauschen das fast ununterbochene Donnergrollen. Die Blitze durchzucken immer wieder die sonstige Schwärze. Die Vorsprünge in den Felsen ringsum werfen dabei gespenstische Schatten. Das Rauschen wird heftiger, meine Füße werden nass. Das ist kein Blätterrauschen, das ist das Geräusch des Gewitterregens … Ein Wasserfall ergießt sich in die Höhle … Ich liege bis zur Taille im Wasser. Schnell versuche ich mich aufzurichten, dabei zuckt ein wahnsinniger Kopfschmerz durch meinen Schädel, mir wird schlecht und schwindlig. Ich kann mich nicht halten und falle in das steigende Wasser. Prustend komme ich wieder hoch, versuche, auf die Füße zu kommen, werde aber von einer Strömung an den Füßen gepackt und weggerissen. Mit Beinen und Armen im eiskalten Wasser strampelnd halte ich den Kopf über Wasser. Der scheint mir bald zu platzen, so hämmert es unter der Schädeldecke. Beim nächsten Blitz sehe ich die Decke der Höhlenkammer nur noch wenige Zentimeter über meinem Kopf. Offenbar steigt das eindringende Wasser rasend schnell. Ich stoße beim Strampeln an einen spitzen Stein an der Decke, ein furchtbarer Schmerz, dann fühle ich nichts mehr … Auf dem Rücken im Wasser liegend spüre ich den Felsen an der Stirn, ich atme tief ein und schlucke dabei Wasser …
Ich sinke, sehe blauen Himmel über mir, Schafe grasen friedlich auf der Weide, mir ist so gut, warme Wohligkeit umfängt mich …
Ein finster blickender Kerl im Schäfergewand beugt sich über mich, ein großes Messer in der Hand. »Habe ich dich endlich?«, raunt er böse. Sebastien, denke ich, jetzt ist es aus … Ich reiße die Augen auf, da steht kein Schäfer, sondern ein Mann in weißem Kittel, der mich freundlich anspricht. Ich verstehe nur »Docteur Bernard« und begreife. Hinter dem Doktor sehe ich Julia, die sich mit Tränen in den Augen auf mich wirft. »Ich habe eine solche Angst um dich gehabt, Tobias. Zwei Tage warst du weg, bis Sebastien dich endlich gefunden hat, halbtot in einer Höhle in den Bergen. Jetzt habe ich dich endlich wieder!«
© Franck Sezelli
Diese Geschichte ist in meinem Buch Schreiblust – Kurze Geschichten über dieses und jenes bei epubli, ISBN 978-3-756509-42-3, unter dem Titel Die Höhle gedruckt erschienen.
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Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Franck Sezelli).
Der Beitrag wurde von Franck Sezelli auf e-Stories.de eingesendet.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.10.2025.
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