Das Gurren der Tauben klingt in allen Ländern dieser Erde gleich. Immer die gleiche Tonhöhe, immer der gleiche Rhythmus. Man könnte auf der Grundlage dieser Tonfolge einen neuen Musikstil entwickeln, mit dem man in kürzester Zeit die Charts erobern könnte (den Taubenrap!).
Es ist bloß noch keiner drauf gekommen.
Heute ist es im amerikanischen Viertel noch sehr ruhig. Von zwei Seiten höre ich dieses Gurren. Die Stimmen der überall vertretenen Krähen haben dagegen etwas Unfreundliches, ja fast etwas Aggressives.
Ein älterer Mann erzählt mir, dass bei einem Sturm alle Kastanien herunter geprasselt sind. Schon zwei Tage später war keine Kastanie mehr zu finden. In der Ecke des Parks liegt nämlich eine Kindertagesstätte. Die Kinder haben gejubelt.
Später sitze ich in der Cafeteria beim REWE.
Um mich herum sitzen ein paar Handwerker in ihren Monturen. Sie haben gerade eine Arbeitspause eingelegt.
Draußen beobachte ich zwei Tauben, die herumtappen und immer wieder auf den asphaltierten Boden picken. Was sie da wohl alles finden! Die eine Taube ist weißbraun, die andere blaugrau. Aber auch hier haben die Krähen das Sagen. Die Krähen selbst sind gekleidet wie die Männer, die im Vatikan das Sagen haben.
Im Park treffe ich Peter, einen Mann, der immer mit einem behindertengerechten weißen Fahrzeug unterwegs ist. Und mit einem entzückenden Hund, welcher Timi heißt.
Er erklärt mir, weshalb er keine Kässpatzen mag. Seine Mutter zwang ihn einmal, kalte Kässpatzen zu essen, die ihm ganz zuwider waren. Sie hatte noch sieben weitere Kinder. Deshalb herrschte in ihrem Hause ein militärischer Ton.
Würgegefühle bekommt er auch, wenn er Spaghetti sieht.
Ich muss mich jetzt leider von ihm verabschieden. Die Küche ruft mich. Heute gibt es Penne Carbonara mit Salat! Meine Frau muss um 13 Uhr das Haus verlassen.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.10.2025.
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Mittagsläuten
von Maike Opaska
Weil ich das Verschwenderische des Lebens begriffen habe, die Extreme erkannte und über den Weg von einem zum anderen nachzudenken anfing, weil ich verstand wie elend es ist, wußte ich auch, wie schön es ist und weil ich erkannte, wie ernst es auch ist wußte ich auch wie fröhlich es ist.
Und weil ich begriff wie lang und wie kurz der Weg zwischen beiden ist, nahm ich ihn auch wahr und so ist mir heute jeder Schritt es wert eingehalten zu werden, weil hinter jedem Ereignis sich ein anderes verbirgt und sichtbar wird.
Und deshalb schrieb ich diesen Gedichtband.
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