Wenn alle Katzen Prinzessinnen sind, war Miss Fleur die Königin. Sie hatte wunderbar weiches Fell, dass sie jeden Tag von ihrem Assistent bürsten ließ, bis es glänzte. Ihre Augen strahlten eisblau und ihre Kunden sagten, sie besäße eine majestätische Eleganz. Obwohl sie als divenhaft galt, wurde sie oft gebucht und machte Werbung für Katzenfutter, tierisches Spielzeug und hatte sogar schon in diversen Filmen mitgespielt. Doch ihr Aussehen verdankte sie nicht guten Genen oder dem Wasser aus einer französischen Quelle, das sie jeden Tag trank. Das Geheimnis ihrer Schönheit hütete sie besser als ihr Lieblingswollknäuel. Denn sollte jemand herausfinden, was sie dafür getan hatte, wäre sie in großen Schwierigkeiten.
Als kleines Kätzchen hieß Miss Fleur Flora. Sie hatte struppiges Fell, war abgemagert und obdachlos und fühlte sich wie Dreck. Und so wurde sie auch behandelt – von Menschen und Tieren. Nachdem sie einmal mit Steinen beworfen und von ihrem Schlafplatz vertrieben wurde, rettete sie sich durch ein offenes Fenster in einen Kellerraum. Das war riskant, denn sie wusste nicht, ob sie das Haus wieder würde verlassen können, aber in diesem Moment war es ihr egal. Sie wollte nur einen trockenen, warmen Platz, um sich auszuruhen, und etwas zum Fressen stibitzen. Sie schaute sich im Keller um und die Haare an ihrem Schwanz stellten sich auf. Dieses Haus war merkwürdig. Anders als die Menschenhäuser, die sie kannte. Es roch nicht nach Kartoffeln, Feuchtigkeit und Putzmitteln. Hier schwebte ein feiner Duft durch die Luft, der würzig war und geheimnisvoll. Er macht Flora neugierig und sie folgte dem Geruch und verließ den Keller. Sie schlich durch Zimmer, die bis unter die Decke mit staubigen Büchern vollgestapelt waren und durch Gänge an deren Wänden Tafeln mit seltsamen Zeichen hingen. Der Raum, aus dem der geheimnisvolle Duft strömte, war in Kerzenlicht getaucht und überall standen Glasgefäße, in denen es brodelte und dampfte. Der Mensch, der in einem dicken Buch blätterte und die schimmernden Flüssigkeiten mischte, musste ein Zauberer sein. Flora hatte Geschichten über Magier gehört, aber sie hatte sie sich immer als alte Männer mit langem Bart oder als verstrubbelte, zerstreute Professoren vorgestellt. Dieser hier war anders. Er sah aus wie ein Supermodel. Sie versteckte sich hinter einem Regal, um alles in Ruhe zu beobachten, als ein Alarm ertönte.
War dieser Raum gesichert? Hatte sie eine Laserschranke berührt? Flora verharrte in Schockstarre, bis sie merkte, dass das Piepen von einem quietschgelben Vogel kam, der auf einer Stange unter der Decke thronte. Das Federvieh starrte sie an.
Jetzt drehte sich der Zauberer zu ihr um und lachte: »Wen haben wir denn da? Tweeds, sei ruhig. Dieses zerrupfte Vieh wird dich schon nicht fressen.«
Der Kanarienvogel wurde still, schaute die Katze aber weiter hasserfüllt an.
Flora überlegte, was sie tun sollte. Würde der Magier sie verscheuchen? Würde er sie dafür bestrafen, dass sie in sein Haus eingedrungen war? Sie schlich so unauffällig wie möglich Richtung Tür, aber der Mann stand in ihrem Weg und redete weiter: »Siehst du dieses Fläschchen hier?« Er schwenkte einen Kolben mit einer leuchtend blauen Flüssigkeit hin und her. »Das ist mein Meisterwerk. Dieser Trank macht mich schön. Ohne ihn wäre ich so hässlich wie du.« Er stellte das Gefäß auf einen Tisch und griff nach der nächsten Phiole. »Dieser Saft soll mir ewigen Ruhm bringen. Aber er will mir nicht gelingen. Es fehlt etwas. Eine Geheimzutat. Und ich frage mich, ob das nicht geriebener Katzenschwanz sein könnte.« Er lachte ein irres Lachen und Tweeds zwitscherte begeistert.
Katzenschwanz? Er wollte doch nicht ihren Schwanz? In diesem Moment wurde sie gepackt und sah das Messer, das der Zauberer plötzlich in der Hand hielt. Flora miaute laut. Dann streckte sie alle vier Pfoten gleichzeitig von sich und biss so fest sie konnte in den Arm des Zauberers. Damit hatte er nicht gerechnet. Er hatte sie für ein dummes Schmusekätzchen gehalten. Er schrie vor Schmerz und Flora fiel zu Boden, während der Magier in das Regal hinter ihm stürzte. Es brach zusammen, Hunderte Fläschchen zerbarsten und spuckten Flüssigkeiten in allen Farben. Dort, wo sie sich berührten, gab es Explosionen. Flora sah, dass die Kleidung des Mannes an mehreren Stellen brannte. Er klopfte wild mit den Armen darauf herum und zerbrach dabei weitere Gefäße.
Nichts wie raus hier. Flora rannte durch den Rauch zur Tür. Vor ihr lag der Kolben mit der glänzenden blauen Flüssigkeit. Ohne nachzudenken, nahm sie ihn ins Maul und sprintete Richtung Keller. Draußen angekommen, drehte sie sich zum Haus um. Es stand vollständig in Flammen.
»Miss Fleur, der Boss will dich vor dem nächsten Take sehen.«
Flora erhob sich von ihrem Samtkissen und schüttelte die Erinnerung an diese schreckliche Nacht ab. Immerhin hatte sie den Trank retten können und es mit seiner Hilfe zu Erfolg gebracht. Sie nahm jeden Tag einen winzigen Tropfen und niemand würde sie je wieder »hässlich« nennen. Allerdings war nur noch beunruhigend wenig in der Flasche. Was sollte sie tun, wenn er aufgebraucht war?
Aber jetzt musste sie sich auf den Boss konzentrieren. Wollte er ihr eine neue Werberolle anbieten? Sie stupste die Tür zu seinem Büro auf. Wo war er denn? Niemand saß an dem klobigen Schreibtisch. Hinter ihr hörte sie das Rascheln von Federn. Auf einer Stange thronte ein Raubvogel. Das musste Xander sein, das Lieblingstier des Programmchefs. Sie war ihm nie begegnet, aber seine Augen ließen ihre Schnurrhaare zucken. Woher kamen ihr die bekannt vor? Nein, das konnte nicht sein. An seinem Blick sah sie, dass er sie ebenfalls erkannt hatte.
»Tweeds. Du hast es aus dem Haus geschafft. Und scheinbar ein Fläschchen gerettet.« Sie sah ihn genauer an. Die Spitzen seiner Federn waren leicht kanarienvogelgelb eingefärbt. »Dein Trank ist aufgebraucht.«
Er krächzte: »Gib mir etwas von deinem ab.«
»Warum sollte ich das tun? Du hast mir damals nicht geholfen.«
»Wenn nicht, erzähle ich allen, dass du dein Aussehen nur einem illegalen Schönheitstrank verdankst. Was werden deine Fans dazu sagen? Und die Polizei und die Versicherungen suchen immer noch nach einem Verantwortlichen für den Brand.«
Sie wollte hier raus. Sofort. »Ich denke darüber nach.«
Das Thunfischmenu, das ihr Sternekoch ihr zubereitet hatte, schmeckte ihr nicht. Sie saß in der Falle. Selbst wenn sie Tweeds austricksen könnte, wäre ihr Trank bald aufgebraucht. Sie seufzte. Sollte sie sich zur Ruhe setzen? Geld hatte sie genug. Sie könnte ein schönes Leben haben, irgendwo abgeschieden in einer Villa, wo niemand sie sah. Sie würde den Trank in ein Menschenklo schütten und verschwinden. Doch schon auf dem Weg dorthin kam sie vor Langeweile fast um. Sie bog ab, marschierte in das Büro des Programmchefs und baute sich vor Tweeds auf.
»Du hast jahrelang gesehen, wie man den Trank braut. Ich habe Geld für die seltenen Zutaten. Wir beide starten unsere eigene Produktion.«
Tweeds krächzte heiser. Sollte das ein Lachen sein? »Wir beide zusammen? Niemals.«
»Du hast keine andere Wahl, oder? Du brauchst den Trank so wie ich und wenn du ihn alleine brauen könntest, hättest du damit schon vor einer Ewigkeit angefangen.«
Der Vogel schien erstarrt zu sein. »Woher weiß ich, dass ich dir trauen kann?«
»Das kannst du nicht. Ich traue dir auch nicht. Aber ich will den Trank.«
Das gelbe Federvieh starrte vor sich hin. Der Vorgang des Überlegens schien bei Vögeln recht lange zu dauern. »Also gut. Ich nenne dir jetzt die Zutaten. Merk sie dir gut, ich zähle sie nur einmal auf. Besorg sie bis morgen. Ich bin um acht bei dir.«
An seinem Tonfall würde er arbeiten müssen.
Er kam genau 15 Minuten zu spät in einer Limousine vorgefahren. Natürlich. Miss Fleur beobachtete, wie Tweeds sich zur Tür tragen ließ und seinen Lakaien dann wegschickte. Sie öffnete die Tür, drehte sich um und ging wortlos in Keller. Tweeds folgte ihr. Auf einem langen Tisch stand alles bereit, sorgfältig abgewogen und klein gehackt. Sie war stolz darauf, dass sie die Zutaten so schnell besorgt hatte. Besonders für die gemahlenen Chamäleonschuppen hatte sie einige Beziehungen spielen lassen müssen.
»Die Spitze der Titanenwurz-Blüte ist nicht frisch genug.«
Rot-glühende Wut loderte in Miss Fleur auf. Doch von dem Federball würde sie sich nicht provozieren lassen. Sie wedelte den Einwand elegant mit ihrem Schwanz beiseite. »Macht nichts. Die brauchen wir nicht wirklich, oder? Damals im Labor habe ich keine gesehen.«
An einem leichten Zucken seines Schnabels erkannte sie, dass sie richtig lag. Sie hatte überhaupt keine Ahnung, welche Zutaten der Magie damals in seinem Keller hatte, aber sie wusste, dass Tweeds sie testen wollte.
»Fangen wir an?«
Stunden später standen zwei Fläschen vor der Katze und dem Vogel. Darin war eine sprudelnde gelb-grüne Flüssigkeit. Sie war etwas heller als der Trank, den sie aus dem Haus des Magiers gerettet hatte, und sah eher aus, die Multi-Vitamintabletten-Lösung, für die sie mal Werbung gemach hatte.«
»Bist du sicher, dass wir alles richtig gemacht haben?«
»100 Prozent. Probier doch mal.« Tweeds sah sie auffordernd an.
»Nie im Leben. Du zuerst.«
Tweeds zuckte mit den Flügeln und hüpfte auf den Tisch. Vorsichtig nahm er einen winzigen Schluck zu sich. Er drehte sich zu der Katze um. Seine merkwürdigen Augen strahlten. Jetzt sahen nicht nur seine Augen aus wie die des Magiers. Auch sein Lächeln wirkte irgendwie ... Es knallte. Miss Fleur flog durch den Raum und wurde gegen die Wand geschleudert. Autsch. Für einen Moment blieb sie benommen liegen. Dann richtet sie sich auf und suchte nach Tweeds. Sie fand ihn nicht, dafür saß auf dem Tisch der Magier. Er lachte. »Damit hast du nicht gerechnet, du widerliche Flohschleuder. Du hast wohl gedacht, du steckst mich und mein Haus in Brand und ich bin für immer verschwunden. Aber ich bin ein mächtiger Zauberer. So leicht wirst du mich nicht los.«
Flora konnte sich nicht bewegen. Sie starrte den Mann nur an.
»Du fragst dich sicher, wie das möglich ist. Nun, es war ganz simpel. Ein kleiner Seelenverbindungszauber, weiter nichts. Dumm nur, dass dieser Vogel es nicht hinbekommen hat, den Lösungstrank zu brauchen. Doch dann kamst du. Ausgerechnet du und hast mir den Trank direkt serviert.«
Während der Magier darüber schwadronierte, auf welche Art und Weise er die Katze umbringen würde, drehte Miss Fleur sich um und schlich auf leisen Pfoten zu einer verdeckten Katzenklappe, die in einen Geheimgang führte. Sie war schon tief unter der Erde, als sie an den wütenden Schreien erkannte, dass der Mann ihr Fehlen bemerkt hatte.
Wochen später klopfte es an der Tür von Miss Fleurs hochgeheimen Strandhaus. Widerwillig erhob sie sich vom Sofa. Wer konnte das sein? Der Lieferant für das Dosenkatzenfutter war gestern schon da gewesen. Sie öffnete die Tür und starrte in vier nervös dreinblickende Katzenaugen.
Die getigerte Katze fragte zögernd: »Öhm, sind Sie Miss Fleur?«
Ihre Freundin stupste sie an. »Passt, das sieht man doch an den Augen.«
Miss Fleur hatte den Zaubertrank, den sie hier für den Notfall gelagert hatte, entsorgt. Mit dem Magier wollte sie nichts mehr zu tun haben. Außerdem hatte sie sich gehen lassen und hatte jetzt nicht nur wieder aus wie eine Straßenkatze, sondern hatte auch ein paar Kilo zugelegt. Trotzig regte sie den Kopf und scheuchte die beiden ins Haus, bevor sie jemand sah.
»Nennt mich Flora. Wie habt ihr mich gefunden?«
»Das war gar nicht so einfach,« plapperte die getigerte Katze drauf los. »Mein Onkel ist die Katze von einem Bauunternehmer und der hat das Haus hier gebaut und Onkel Muffin hat auf jedem Familientreffen damit angegeben, dass sein Besitzer das Haus für die Katze aus der Werbung gebaut hat, und dann sind wir in das Büro eingebrochen und ...«
Flora unterbrach sie: »Und wofür der Aufwand? Nur für ein paar Autogramme?«
Die beiden Katzen sahen sich unsicher an und schütteln die Köpfe.
»Nach der Flucht wussten wir nicht, wo wir hinsollten, und wir hatten die Hoffnung, dass es hier sicher ist.«
Flora verstand kein Wort. »Wieso seid ihr geflohen? Was ist passiert?« An den zuckenden Schwänzen erkannte Flora, wie beunruhigt ihre Gäste waren. »Ich hab in der letzten Zeit nicht so viel Nachrichten geschaut. Ich brauchte eine Auszeit.« In Wirklichkeit hatte sie ihre Tage damit verbracht, Videos von glücklichen Katzen auf TikTok zu schauen.
»Macht es euch auf dem Sofa gemütlich und berichtet mir, was ich verpasst habe.«
Die beiden Katzen erzählten und Miss Fleur fühlte sich, als hätte sie einen Liter verdünntes Flohpulver getrunken. Der Magier hatte die Macht über sämtliche Fernsehkanäle übernommen. In endlosen Shoppingsendungen präsentierte er jetzt den Menschen seine Tränke. Zu Unsummen konnte man Elixiere für Glück und Erfolg kaufen und Wässerchen gegen so ziemlich jede Krankheit. Daneben gab es Kochsendungen, in denen er Zaubertränke braute, die die Menschen zu Hause nachmachen konnten. Fast alle enthielten Körperteile von Katzen. Da sämtliche Social-Media-Kanäle mit Hassbotschaften und Lügen über Katzen geflutet wurden, trauten sich inzwischen selbst eingefleischte Katzenliebhaber nicht mehr, zu ihren Haustieren zu stehen. Einige versteckten ihre Lieblinge, aber die meisten warfen sie auf die Straße, wo sie Opfer von Katzenjägern wurden, oder sie endeten direkt als Zutaten. Jetzt wusste sie, warum es in der letzten Zeit so schwierig geworden war, ihre geliebten Videos auf der Plattform zu finden.
Flora stellte ihren Schwanz auf und machte ihn so buschig wie möglich. »Das werden wir uns nicht bieten lassen. Holt alle Katzen hier her, die ihr finden könnt. Ich habe einen Plan.«
Rund um Reagenzgläser mit blubbernden Flüssigkeiten, Bunsenbrenner, Phiolen mit glänzenden Säften und Mörsern voller Kräuter standen die schlausten Katzen des Landes. Einige von ihnen hatten in Häusern von Chemieprofessoren, Alchemisten und in Bibliotheken gelebt. Doch die richtige Mischung gegen den Magier hatten sie bis jetzt nicht gefunden.
Eine der Katzen warf frustriert ihre Formelsammlung auf den Boden: »Das wird nichts. Seit Wochen probieren wir hier rum und sind der Lösung kein Stück näher gekommen.«
Eine Perserkatze stimmte ihr zu: »Völlig richtig. Das mit dem Trank wird nichts. Das ist nur so eine fixe Idee von Flora. Sie will ihn mit seinen eigenen Waffen schlagen. Wo ist sie überhaupt?«
Eine Havana Katze drückte ihren Rücken durch: »Sie wollte etwas besorgen. Warten wir nicht auf sie. Wir sind viele. Stürmen wir den Sender und reißen den Zauberer in Stücke.«
Die anderen Katzen mauzten zustimmend und niemand bemerkte Flora, die plötzlich mitten im Raum stand.
»Ruhe!«, zischte sie. »Das werden wir nicht tun. Egal wie viele wir sind, wir würden niemals bis zum ihm vordringen. Er hat Wachleute mit Waffen.«
»Aber was sollen wir tun? Wir kommen nicht weiter und wenn uns jemand findet, landen wir in diesen widerlichen Tränken.«
Floras Schnurrhaare zuckten kaum merklich: »Ich habe die Geheimzutat gefunden.«
Die Katzen brachen in johlendes Gelächter aus, als Flora ein Sack mit gemahlenem Vogelfutter hochhielt.
Flora lag in einem Lüftungsschacht und beobachtete das Fernsehstudio unter ihr. Sie kannte dieses Gebäude in- und auswendig und hatte sich in der letzten Nacht hineingeschlichen und einen der vorbereiteten des Magiers ausgetauscht. Jetzt konnte sie nur abwarten. Würde der Trank funktionieren? Sie hatten ihn schließlich nicht testen können. Und was, wenn er ein anderes Fläschchen nahm und nicht das, das sie vertauscht hatte? Am liebsten hätte sie mit ihren Krallen die Wände des Schachts bearbeitet, aber sie durfte kein Geräusch riskieren. Tief unter ihr regte sich etwas. Die Kamera- und Tonleute begannen mit ihrer Arbeit und kurze Zeit später erschien der Magier, ließ sich Pudern und scherzte mit der Regieassistentin. Dann ging es endlich los. Live vor der Kamera erklärte der Zauberer etwas und warf lässig eine Handvoll Kräuter in einen Kessel. Tränke mussten ewig ziehen, daher zog er unter dem Tisch ein vorbereitetes Fläschchen hervor. War es die Phiole, die Flora dort deponiert hatte? Sie konnte es nicht erkennen. Der Magier nahm einen großen Schluck und erklärte dem Publikum die Vorzüge seines Liebestranks. Zum Beweis seiner Fähigkeiten rannten drei junge Statistinnen auf ihn zu und überschütteten ihn mit Küssen und Geschenken. Flora hielt es nicht länger aus. Sie schlug mit ihrem Schwanz, der gegen die Decke des Schachtes krachte. Der Magier drehte sich suchend um und sein Blick traf Floras eisblaue Augen. Er brüllte und zeigte zum Lüftungsschacht. Flora drückte gegen das Gitter. Es fiel krachend herunter und sie sprang dem Magier ins Gesicht. Er kreischte, packte sie und warf sie zu Boden. Andere Menschenhände hielten sie fest.
Der Magier richtete sich auf und wischte Blut von der Stirn. »Widerliches Biest. Wer hat es hier rein gelassen? Bringt sie sofort zum Schlachter.«
Flora wand sich und versuchte, jemanden zu kratzen, aber es waren zu viele Menschen. Da ertönte ein Knall. Alle zuckten zusammen und jemand reif: »Wo ist der Magier?«
Eine Frau kreischte: »Er hat sich in einen Vogel verwandelt.«
Kurz herrschte Stille, dann brachen die Menschen in Gelächter aus. »So ein Depp, da ist wohl etwas schief gegangen mit seinem Trank.«
Die Hände lösten sich von Flora und sie konnte sich umdrehen. Der kleine gelbe Vogel starrte sie hasserfüllt an und flatterte dann in Richtung der Studiotüren. Doch dort warteten Floras Freunde mit einem Käfig.
Flora stellte sich vor ihn. »Live im Fernsehen. Wie unangenehm für dich. Zum Glück kannst du dich jetzt bei uns etwas erholen.«
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Der Beitrag wurde von Vera Lörks auf e-Stories.de eingesendet.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.10.2025.
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