Jeder Tag hat seine eigene Melodie. Man merkt das erst, wenn man das Haus verlässt. Schon die letzten Tage waren vergleichsweise mild. Doch der heutige Tag bricht alle Rekorde. Es ist so warm wie schon lange nicht mehr.
Die Spielplätze füllen sich, viele junge Erwachsene spielen Beachvolleyball. Der wolkenlose Himmel ist durchzogen von geschwungenen weißen Fäden. Wenn das kein Föhnhimmel ist!
Die Vögel scheinen Morgenluft zu wittern. So vielstimmig habe ich sie schon seit Monaten nicht mehr gehört. Eine schwarzweiße Katze schleicht lautlos dahin.
Die metallenen Bänke am See sind wieder besetzt. Der parkähnliche Westfriedhof erscheint in einem völlig neuen Gesicht. Die meisten Bäume sind kahl, man hat einen viel weiteren Blick. Die Blätter auf dem Asphalt, die sich noch kürzlich vollgesogen hatten mit Wasser, wurden von der Sonne getrocknet.
Ein sehr netter junger Mann aus Passau schiebt einen Kinderwagen durch den Friedhof. Sein Dialekt erinnert mich an meine eigene Heimat. Deshalb frage ich ihn nach seiner Herkunft. Als er erfährt, dass ich aus der Oberpfalz komme, sagt er: “Dann muos i mi ja ned so verschtöin!” Ob er in Augsburg wohl schon Fuß gefasst hat?
Ich frage eine Verkäuferin, was die großen Tattoos bedeuten, die sie auf beiden Armen trägt. Sie erinnern sie an ihren Mann, der vor zehn Jahren gestorben ist. Rechts neben mir sitzen zwei ältere Damen. Als sie aufstehen, merke ich, dass sie genau das gleiche Bewegungsmuster haben. Ob sie wohl Zwillinge sind?
Hinter mir sitzen zwei Geschäftsleute, die erregt und ununterbrochen Erfahrungen austauschen. Der eine hat eine Mappe mit Papieren vor sich, der andere ein Tablet.
An der Ecke betreiben mehrere Asiatinnen ein sogenanntes Naildesign-Studio. Alle Plätze sind besetzt. Auch ein Weihnachtsbäumchen wurde bereits aufgestellt, obwohl der Advent erst in zweieinhalb Wochen beginnt.
Auf einem kleinen Bus steht: “Meer geht immer”. Hinter diesem Aufkleber erkennt man einen Leuchtturm und einen Mond. Das ist eine sehr klare Ansage!
An der Ampel erzählt mir eine Frau, dass es am Morgen um 4.30 Uhr noch empfindlich kalt war. Soeben ist ihre Schicht zu Ende. Sie will jetzt nur mehr schlafen gehen.
Ich habe bereits mehrere Kleidungsstücke im Rucksack verstaut. Noch immer ist es mir aber zu warm. Wer hat schon mit diesem Frühlingseinbruch gerechnet!
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.11.2025.
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