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Deutschland hat kaum Bodenschätze, kaum natürliche Ressourcen.
Unser Kapital heißt Bildung !
Damit hat es unser kleines Land zu einer der größten und wichtigsten Volkswirtschaften der Welt gebracht.
Doch die Ergebnisse bislang aller Pisa- Studien mahnen:
Etwa ein Viertel unserer Schüler erfüllt nicht einmal die Mindeststandards in Lesen, Schreiben, Rechnen, Naturwissenschaften.
Im internationalen Vergleich ist Deutschland abgehängt. Was ist los mit dem Volk der „Dichter und Denker“ ?
Viele Entwicklungen laufen gleichzeitig aus dem Ruder:
Ein föderales Flickwerk mit Lehrkräftemangel, strukturelle Unterfinanzierung sowie soziale Ungleichheit.
Mangelnde Sprachförderung und Schulen, die in digitaler Hinsicht noch an Analogzeiten kleben.
Das Bildungssystem ist träge geworden, nicht, weil die Menschen darin dümmer sind als früher, sondern weil die Strukturen langsamer agieren als die Welt um sie herum.
Etwa 55% der bayrischen Grundschüler sind fürs Gymnasium geeignet, ... dort kommen aber nur 40% an, oder „sollen nur“ ankommen !
Auf dem Land gehen viele Schüler trotz Gymnasialreife lieber auf die Realschule, wo Kinder aus sozial schwächeren Milieus dadurch um ihre Chancen gebracht werden.
Wer verstehen will, wie tief diese Trägheit sitzt, muss nur einen Blick in jenen Mikrokosmos werfen, der offiziell „höherer Schuldienst“ heißt.
Denn der höhere Schuldienst ist kein Arbeitsplatz, sondern verharrt im Mesozoikum-Zeitalter.
Wer es betritt, findet alles, was die Zeit überdauerte. Kreide, Stempel, Aktenordner dicker als die Bibel und mindestens genauso unumstößlich.
Lehrender ? Berufung ? ... ein Märchen !
Meist ist es nichts anderes als der bequemste Dauerzustand des ewigen Schülers, wo bereits die Vorfahren ohne Kritikfähigkeit im humanistischen Standesdünkel verharrten.
Wir könnten als Familie problemlos drei Dutzend Namen im Umfeld benennen, die nie für die Pädagogik geeignet waren.
Selbstgefällige, impertinente Leer-Körper, die dennoch im Lehrerzimmer gelandet sind.
In Finnland werden solche Personen konsequent ausgesiebt: Durch viele Probeunterrichtseinheiten und ohne Beamtenstatus.
Wer sich als ungeeignet erweist, erhält schlichtweg keine weitere Anstellung im Staatsdienst, denn dort gilt der Anspruch, dass Unterricht zu den besten im internationalen Vergleich gehören soll.
Dagegen wendeten sich Eltern - wie wir - vertrauensvoll & naiv an diese marode Institution der sozialen Reifungszucht, auch staatliches Schulsystem genannt.
Tragen am Ende selbst die Last ...
Mit zwei bis drei Kindern auf höheren Bildungswegen und den Kosten zulasten der Rente ihrer Mutter.
Während eine gleichqualifizierte Lehrerin mit sicherem Gehalt am Nachmittag ihre eigenen Schützlinge fördert ... und sonst niemanden !
Wie bei den mehligkochenden Kartoffeln im Brutto-Supermarkt:
In jedem Sack finden sich ungenießbare und faule Stücke. Das Gesamtbild bleibt getrübt, netto betrachtet ... denn ...
Das Lehramt ist wie eine Rolltreppe: man steigt auf, fährt mit - und ehe man sich versieht, hat man Pensionsberechtigung, teure Studioso-Hobbys und die beruhigende Gewissheit ... dass man ...
Immer noch im pädagogischen Paralleluniversum steckt.
Wo laut Foucault - junge Individuen zu gesellschaftlich funktionalen Subjekten gemacht werden (siehe KI-Schlussbild).
Ein Universum, in dem man längst nicht mehr nur Schüler, sondern auch Nachbarschaft und Kirchenvorstände im Sekundärhabitat belehrt.
Grundsätzlich das Unbequeme, weiterhin didaktisch bevorzugt, an andere delegiert.
Hier herrschen feste Naturgesetze:
Erstes Schul-Gesetz des Pädagogen: Alles bleibt gleich, wenn sich etwas ändert.
Zweites Gesetz: Wer einmal verbeamtet ist, verlässt das System nur noch durch Naturkatastrophen.
Drittes Gesetz: Alles dauert so lange, bis es keiner mehr merkt.
Die Währung des Systems ist nicht Wissen, nicht Bildung, nicht einmal Korrekturen.
Es sind Formulare. Dienstreiseanträge, Klassenbuchkontrollen, Sicherheitsbelehrungen für Tesafilm.
Papier in allen Variationen, gelocht und abgestempelt. Selbst der Klebstoffeinsatz in der 5b wird protokolliert, jedes Niesen fein säuberlich abgeheftet.
Bildung ist hier weniger Wissensvermittlung als Verwaltungsakt. Reformen treten so regelmäßig auf wie Meteoriteneinschläge: man weiß nie genau wann, nur dass es wehtun wird.
Jedes Jahrzehnt wird das Rad neu erfunden - meist als Dreirad, das noch vor dem Ziel umkippt, siehe eigene Erfahrungen mit der Mengenlehre ... und in ...
Lehrerzimmer'n herrscht eine Zeitrechnung eigener Güte.
Während draußen die digitale KI-Revolution tobt, lebt man hier nach der Kreidezeit, nicht nur metaphorisch. Kreide klebt an den Fingern wie Staub im Universum.
Beamer ? Gibt’s auch noch. Einen pro Schule, fest installiert in Raum 305, der dafür grundsätzlich nicht beheizt wird.
Man könnte ihn natürlich ersetzen, aber das hieße, eine Grundsatzdiskussion über Medienkompetenz, Ausstattungsetats und „das Pädagogische an sich“ zu beginnen.
Weil „er ja noch funktioniert“ !
Ja, er funktioniert wie ein alter, mühsam laufender Taxibenz-Diesel mit 800.000 Kilometern auf der Uhr ... oder ...
Wie viele defekte Kampfpanzer des NS- Reiches, deren Vormarsch vor allem zeitlich verloren ging ... weil ...
Kämmerer-Amtsräte in Uniform dunemals jede versunkene Kriegs-Havarie mühsam aus dem Morast zogen ... und ... damit alles aufhielten.
Die Alliierten sprengten „Ihre Zweckmittel“ einfach pragmatisch weg und befreiten „so gesehen“ uns letztendlich von allen Altlasten.
Solche letzten „Reservate der Beharrung“ enden zeitlebens nie. Sie mäandern, sie wuchern, sie erinnern an philosophische Dispute im alten Griechenland, nur mit mehr Filterkaffee und schlechterer Akustik.
Währenddessen kämpft man mit dem Schul- WLAN, das zusammenbricht, sobald mehr als drei Schüler gleichzeitig „googeln“ wollen ...
Welche nicht einmal mehr heimlich die KI auf dem Oberschenkel befragen.
Spätestens dann werden die Lernschwächen sichtbar, wenn es um den Führerschein geht.
Reformen sind die Gezeiten dieses Systems:
Sie kommen in schöner Regelmäßigkeit, heben und senken Erwartungen und hinterlassen eine verkarstete Landschaft voller pädagogischer Geröllhalden.
Jede Endmoränen-Regierung bringt eine neue hervor, so sicher wie die Jahreszeiten.
Mal ist es mehr Kompetenzorientierung, mal mehr Ganztag, mal mehr Digitalisierung, dann wieder fachzentriert, dann ...!?
Am Ende bleibt es, wie es immer war:
Lehrende unterrichten, Schüler lernen manchmal, und die wechselnden Ministerien schreiben so lange Konzepte & Rundschreiben, die durch 16 Bundesländer rauschen.
Vermehren sich exponentiell, ganz wie Galaxien im expandierenden Kosmos, bis keiner mehr den Überblick hat.
Doch das System bleibt, was es ist:
Träge, fast würdevoll rührend und unbeweglich, wo selbst die Verwaltung des Chaos noch einmal verwaltet wird.
Das Ergebnis ist immer gleich:
Mehr Arbeit, weniger Klarheit und eine Flut von Erlässen, die in der Praxis so nützlich sind wie ein Regenschirm im Sturm.
Bürokratie als pädagogisches Hauptfach, ist die dunkle Energiefeld-Materie des Schulamtsuniversums - unsichtbar, aber unaufhaltsam auseinandertreibend.
Seit S.Hawkings Erkenntnissen zieht sie sich nicht mehr zu einem erneuten Big Bang zusammen. Quasi die Lehre von der Leere.
So entsteht ein paradoxes Bild:
Der höhere Schuldienst ist ein Bollwerk der Beharrung und eine Maschine, die unablässig Reformen prokrastiniert.
Ein in sich geschlossenes System mit eigenen Umlaufbahnen, immun gegen äußere Einflüsse, verlässlich in seiner gravitativen Schwerfälligkeit.
Genau das spiegelt sich in allen bisherigen Pisa-Ergebnissen:
Nicht die Kinder fehlt's an Talent, sondern den Strukturen an Dynamik. - Wenn man eines Tages wirklich mal ernsthaft reformiert, wird sich's zeigen: ... weil ...
Diejenigen welche von der sozialen Herkunft privilegiert sind, schaffens immer ohne Nachhilfe im alten Standes-System weiter zukommen. - Das ist gewollt und zementiert.
Jeder da verharrt, wo er gesellschaftlich gefälligst hingehört und dort bleiben soll.
Das Universum dehnt sich weiterhin aus, aber das Lehrerzimmer bleibt, was es ist, eine Konstante, wo das Papier geduldiger ist als jeder Schüler.
Wie auch die Selbstkritik in dieser Welt eine zarte Pflanze ist, die selten Licht bekommt.
Nun ja, im Schuldienst hat man eine Art kosmische Resistenz entwickelt.
Lehrende, die zwischen Elternabenden, Klassenarbeiten und ministerialen Rundschreiben lavieren, denen erschüttert auch keine Rückmeldung mehr.
Wer jahrzehntelang Fehler anrotiert, entwickelt eine dicke Haut. Kritik prallt ab wie Kreide an der Tafel. Sie hinterlässt Spuren, aber niemand wischt sie weg.
Stattdessen erinnert man sich daran, dass es früher ja auch schon irgendwie funktioniert hat. Was zwar nicht stimmt, aber manchen sehr beruhigt.
„Wir müssen uns hinterfragen!“ heißt es gerne in den pädagogischen Konferenzen. Aber gemeint ist eigentlich: „Wir müssen die Schüler hinterfragen.“
Denn die sind ja bekanntlich das Problem, wie neuerdings das lästige Bargeld bei den Banken und die Schön-Schreibschrift in Schulbänken.
Sie, unsere Schutzbefohlenen, haben es schließlich gewagt, in die Schulpflicht genommen zu werden.
Am Ende bleibt die beruhigende Gewissheit: Solange das System läuft, wie es läuft, muss sich niemand ernsthaft verändern.
So bleiben die Orte bestehen, an denen aus Kindern „gesellschaftlich funktionierende Erwachsene“ gemacht werden.
Wenn dann eines Tages der letzte Stempel gesetzt, das letzte Klassenbuch geschlossen und das letzte Formular abgeheftet ist, tritt der Schul-Beamte in den Vor-Ruhestand.
Mit der Gelassenheit eines Menschen, der weiß: Der nächste Overheadprojektor wird noch eine weitere Generation überleben.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.11.2025.
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