Leonhard Ried

Die große und die kleine Welt!

 

 

Auf der Bettkante sitzend, denke ich über den gegenwärtigen Zustand unserer Welt nach. 

Das Blatt hat sich gewendet:

 

Das christliche Zeitalter scheint vorbei zu sein. Jeder bastelt sich seine eigene Religion zurecht. Die Schriften von Verschwörungstheoretikern erzielen hohe Auflagen, während die Bücher von christlichen Theologen zu Ladenhütern geworden sind.

 

Auch die Phase einer unbegrenzten sexuellen Liberalisierung scheint vorbei zu sein. Die Schlagzeilen in den letzten Jahrzehnten waren nicht selten geprägt von Berichten über sexuellen Missbrauch, sexuelle Übergriffe und über die massenhafte Verbreitung von Kinderpornographie. Die Schattenseiten einer ungezügelten Sexualität sind deutlich geworden.

 

Selbst die Demokratie muss auf einmal verteidigt werden. Mächtige Staatenlenker halten die Welt in Atem, weil sie vor nichts mehr zurückschrecken.

 

Das Wasser steht uns schon bis zum Halse. Die Naturkatastrophen nehmen auf dramatische Weise zu. Zugleich stottert die Wirtschaft. Die Politiker stehen vor fast unlösbaren Aufgaben.

 

Das weiß aber jeder, und das muss ich niemandem erzählen. Deshalb kehre ich zu meinem einfachen und bescheidenen Alltag zurück.

 

Die Sonne hat heute auf sich warten lassen. Gut, dass wir erst spät aus den Federn gekrochen sind. Spätestens ab morgen soll es mit den Temperaturen wieder abwärts gehen. 

 

Jetzt will ich raus. Die globalen Probleme lasse ich vorübergehend hinter mir. Ich will Auge und Ohr sein für die immer noch schöne herbstliche Natur!

 

Die Bäume sind erleichtert. Endlich haben sie das viele Laub abgeschüttelt. Sie freuen sich auf eine lange Winterpause.

Die Blätter, die an einer großen Eiche hängen, sind schon verschrumpelt und braun.

 

Ein junger Vater hat seinen Schützling aus dem Kinderwagen herausgenommen. Er wiegt das Kind in seinen Armen. Das warm eingepackte Kind ist mucksmäuschenstill. Ich versetze mich hinein in das Kind und denke mir: Das muss wunderschön sein. 

 

Uns Erwachsenen ist eine solche Erfahrung verwehrt. Aber vielleicht empfinden wir etwas Ähnliches in den Armen eines Menschen, den wir lieben.

 

Im Supermarkt herrscht ein großes Gedränge. Ich sehe eine Frau, die ich von irgendwoher kenne, die ich aber nicht einordnen kann. 

 

Beim Balletshofer gönnt sich ein junges Paar ein üppiges Frühstück. Er ist dunkelhäutig und sehr kräftig gebaut. Und auch sie hat einen dunkleren Teint. Sie unterhalten sich miteinander auf Englisch. Immer wieder wandert ein Lächeln über das Gesicht der Frau. Sie scheint sich in seiner Gegenwart sehr wohl zu fühlen. Und da sage mal einer, das Glück habe keinen Ort mehr!

 

Zwei Buben verlassen den Supermarkt. Beide teilen sich eine Breze. Der eine sitzt noch im Kinderwagen, der andere trägt einen Fahrradhelm und läuft nebenher. Mit einer Hand hält er sich aber fest am Kinderwagen. Der Kleine blickt unverwandt und voller Bewunderung auf den älteren Bruder, der sein Gefährte und sein Vorbild ist.

 

Jetzt muss ich aber anfangen zu kochen. Ich will meine Frau nicht zu lange warten lassen. Es gibt Sommerrisotto! Beim letzten Mal war meine Frau ganz begeistert von diesem Gericht. 

 

Ich darf auf keinen Fall das Chiligewürz vergessen. Ohne Chili schmeckt alles nur halb so gut.


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.11.2025. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Epilepsie – was ist das eigentlich? Gute Frage... denn wie ich immer wieder mit Entsetzen feststellen musste, wussten selbst ein Großteil der von mir und anderen Betroffenen konsultierten Neurologen keine vernünftige Antwort darauf, geschweige denn Allgemeinmediziner jedweder Art und erst recht nicht Otto – Normalverbraucher. Völlig außer Frage steht, dass Epilepsien oft mit geistigen Behinderungen einhergehen, was aber nicht heißt, dass das eine mit dem anderen gleichzusetzen ist. Dieses Buch soll deshalb auch nicht als medizinisches Handbuch dienen, sondern lediglich als ein Beweismittel, dass es auch anders geht, wenn man nur will oder allenfalls eine Art Gebrauchsanleitung für den Umgang mit solchen und ähnlichen Problemen. Es sind, wenn man so will, Geschichten aus dem wahren Leben, die ich hier beschreibe und Konfliktsituationen, für deren Bewältigung sich mal eine mehr, mal eine weniger elegante Lösung findet.

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