Leonhard Ried

Franz Schubert (1797- 1828)

 

 

Franz Schubert war sehr klein (157 cm), untersetzt und pockennarbig. Aus seinem Munde kam fast immer ein übler Geruch. Meist war er missgestimmt, gelegentlich kam ein hämisches Grinsen über seine Lippen. 

 

Im Umgang mit anderen war er oft schroff und unfreundlich. Nie schwang er das Tanzbein. Bei Tanzveranstaltungen saß er am Klavier. Nie konnte er eine Frau für sich gewinnen. Mit 27 Jahren infizierte er sich bei einem Bordellbesuch mit der damals noch unheilbaren Syphilis. Anschließend unterzog er sich einer Quecksilberkur. Heute weiß man, dass diese Quecksilberbehandlungen, die auch in Augsburg durchgeführt wurden, den Körper viel mehr schädigten als die Syphilis selber. Schubert verlor nach dieser Behandlung alle seine Haare, sodass er fortan eine Perücke tragen musste.

 

Umso erstaunlicher ist es für mich, dass Franz Schubert von frühester Jugend an einen Freundeskreis um sich scharen konnte, der immer mehr zu einer Fangemeinde anwuchs. Im Mittelpunkt stand er mit der Musik, die er tagtäglich komponierte. Bei den regelmäßigen Treffen dieser Freunde, die schon bald als "Schubertiaden" bezeichnet wurden, wurden auch Gedichte vorgetragen, die Franz Schubert oft sehr schnell in ein Lied verwandelte. 

 

Als Hilfslehrer war er kläglich gescheitert. Auch seine Fähigkeiten am Klavier waren begrenzt. Nie konnte er auf eigenen Beinen stehen oder sich eine eigene Wohnung leisten. Sein Vater ließ ihn immer wieder spüren, dass er ihn für einen Versager hielt. 

 

Eins konnte er aber viel besser als alle anderen Menschen: Komponieren. Er konnte an einem einzigen Tag neun Lieder vertonen und innerhalb einer einzigen Woche eine ganze Symphonie zu Papier bringen. Der damals schon weltberühmte und Skandal umwobene Beethoven lebte zur gleichen Zeit in Wien. Mit ihm konnte er aber nicht allzu viel anfangen. Dessen Musik war ihm zu "bizarr".

 

Schubert hat viele Messen geschrieben. Er war aber weniger gläubig, als man gemeinhin denkt. Beim lateinischen Credo hat er diejenigen Passagen einfach weggelassen, an die er nicht glauben konnte. 

 

Wie viele andere Menschen in der damaligen Zeit war er enttäuscht von den politischen Entwicklungen, als nach dem Wiener Kongress die alten monarchistischen Verhältnisse wiederhergestellt wurden. 

 

Er stellte in seinen Kompositionen der oft bedrückenden Realität eine andere und bessere Welt der Phantasie entgegen, die nicht nur ihm, sondern auch vielen anderen Menschen half, diese zuweilen erbärmliche  Realität besser zu ertragen.

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