Andreas Rüdig
Olaf der Dicke am Marterpfahl
Wer kennt ihn nicht, den Marterpfahl? Zumindest dann, wenn man Karl May in seiner Jugend gelesen hat, ist dieses vermeintliche oder tatsächliche Folterinstrument bekannt. Die (Kriegs-)Gefangenen werden daran gebunden und Wind und Wetter ausgesetzt, mit Messern beworfen, beschimpft, verhöhnt, ausgelacht u. v. m.
Olaf der Dicke steht auch am Marterpfahl. 50 Meter Seil waren vonnöten, so sonst 10 Meter reichen, so dick und fett ist er.
Die Vorögehensweise ist bei ihm eine andere.
Zuerst wird er gelobt. Er bekommt seinen Namen zu hören, Komplimente gemaccht
Dann bekommt er solange Lebensmittel, die er mag, gezeigt, bis sein Magen lauthals rumort - Pralinen und andere Konfiserieprodukte, Kaviar, Auistern, Hummer, Spargel und andere Delikatessen. Dann wird ihm gezeigt, wie jemand anders diese Köstlichkeiten verspeist.
Dann folgen die Beinamen, die Olaf dem DIcken aufregen, insbesondere
- der Dicke
- der Pralinen-Kenner
- der Liebhaber berauschender Getränke
- der Gourmet-Kugel-Spazierträger
- Wampen-Olaf
- ...
Dann wird ihm ein Porträtbild seines härtesten Konkurrenzen und Intimfeindes Hans-Willibert gezeigt, für einige Sekunden nur - sie reichen aber trotzdem, um seinen Blutdruck auf 180 und seinen Puls auf 150 treiben.
Olaf der Dicke ist Lebensberater, Ehe- und Partnerschaftsvermittler, Event-Manager im Freundschaftsbereich (z. B. an Valentinstagen), um nur seine wichtigsten Tätigkeiten zu benennen.
Und Angelika, seine wichtigste Kundin, ist unzufrieden mit ihm. "Olaf - Sie haben keine geeigneten Männer in Ihrer Kartei," behauptet die rüstige lebensältere Dame. "Sie vermitteln mir immer dieselben Typen. Ich will keine Wiederholungen. Ich will keine alten Säcke. Ich möchte junges Gemüse. Ich möchte eine Zucker-Großmutter sein, die einen jungen Liebhaber aushält und ihr vieles Geld sinnvoll in die Zukunft investiert."
Die Zeit am Marterpfahl soll seine Phantasie anregen und ihn motivieren, nach genauer Kundschaft zu suchen.
Wir dürfen gespannt sein, was die Zukunft bringt.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.11.2025.
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