Die Gerontologie ist – ganz nüchtern betrachtet – die Wissenschaft vom Altern. Also jene Disziplin, die sich furchtlos in die Tiefen biologischer Prozesse wirft, die uns Jahr für Jahr ein neues Fältchen schenken, als wären es liebevolle Postkarten des Lebens. Sie untersucht, warum wir altern, wie wir altern und weshalb Herr Meier aus dem dritten Stock mit 90 noch Bäume pflanzt, während andere mit 60 bereits über die Fernbedienung schnaufen.
Das große Ziel dieser ehrwürdigen Wissenschaft? Natürlich eine gesunde, kraftvolle Alterung – so kraftvoll, dass man mit 120 den Rasen mäht, die Mülltonne mit Schwung an die Straße wuchtet und sich dabei voller Inbrunst über die Enkel aufregt, die „immer so am Handy hängen“.
Die Entwicklung dieser wunderbaren Disziplin wird, da sind ihre Anhänger sich sicher, unser Lebensalter drastisch verlängern. Die Zukunft sieht also rosig aus! Vielleicht sogar so rosig, dass man eines Tages eine zweite Rente beantragen muss, nur um die dritte zu überbrücken. Die Rentenversicherung wird begeistert sein – oder sprachlos, was ja auch eine Form von Begeisterung ist.
Ehrlich gesagt – und jetzt gestehe ich es öffentlich – vor fünfzig, sechzig Jahren hätte man mich mit Gerontologie ebenso jagen können wie mit einem Diätbuch. Mein Interesse daran lag ungefähr auf dem Niveau eines Teenagers beim Sortieren des Altglases. Doch mit den Jahren erweitert sich ja bekanntlich der Horizont. Bei manchen nur bis zum Gartenzaun, bei mir glücklicherweise bis in wissenschaftliche Höhen.
Heute verfolge ich den Kampf der Gerontologen um die lange, gesunde Alterung mit wachsender Faszination. Was ich als Zehnjährige nicht einmal fehlerfrei buchstabieren konnte, erfüllt mich heute mit einer Mischung aus Staunen und stillem Jubel.
Endgültig gewonnen hatten sie mich, als ich las, dass der Mensch nach neuesten Berechnungen dieser strahlenden Wissenschaft ein Durchschnittsalter von 140 bis 150 Jahren erreichen könne. Seitdem kenne ich keine Grenzen mehr – weder in meiner Bewunderung noch in meiner Fantasie. Gott segne sie alle! Welche Perspektiven! Welche Möglichkeiten!
In sechzig Jahren bin ich also zarte 140 – wohlgemerkt nur die untere Grenze. Wieviel Schönes ließe sich bis dahin erleben! Und wie sehr mag die Gerontologie selbst noch wachsen, reifen, erblühen?
Mit etwas Glück stürmt sie bis dahin die 200- oder 220-Jahre-Marke – und wenn sie das Tempo unserer Straßenverkehrsentwicklung hält, dann forscht sie irgendwann gleich weiter bis zum ewigen Leben. Kurz gesagt: Ich bin restlos begeistert!
Doch wie alles im Leben hat auch die Gerontologie ihren kleinen Haken. Für mich hat sie nämlich nur dann eine Zukunft, wenn das hohe Alter nicht bedeutet, dass man die mühsam erworbene Bescheidenheit und Würde verloren gibt – jene feine, unauffällige Haltung, die man vielleicht „jugendhaft-alt“ nennen könnte und die ich mir trotz aller möglichen 220 Jahre nicht nehmen lassen möchte.
Sollte das allerdings noch nicht möglich sein, dann – so Leid es mir tut – trenne ich mich eben wieder von der Gerontologie. Und dann altere ich ganz nach meinem eigenen biologischen Verständnis… und zwar in meinem ganz persönlichen, höchst exklusiven Tempo.
Vorheriger TitelNächster TitelDie Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Istvan Hidy).
Der Beitrag wurde von Istvan Hidy auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.11.2025.
- Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).
t-online.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)Istvan Hidy als Lieblingsautor markieren

Ein tiefes Blau - Berlin
von Heiger Ostertag
Während eines Berlinaufenthalts lockt eine schöne Unbekannte den Schriftsteller Alexander Veldo in die Räume einer Vernissage. Dort wird er mit einem Bild konfrontiert, das ihn völlig in den Bann schlägt. Am nächsten Morgen ist das Gemälde verschwunden. Die Suche nach dem Bild führt Veldo tief in die faszinierende und vielfältige Welt der Kunst. Im Kunstmilieu selbst begegnen ihm Anne, Julia und Antonie, drei sehr eigenwillige Frauen, mit denen bald ein verwirrendes Beziehungsspiel beginnt. Im Hintergrund des Geschehens agiert der Händler Panduli, der Veldo für seine zwielichtigen Kunstgeschäfte zu nutzen sucht. Veldo macht sich in seinem Auftrag mit Julia auf die Suche nach dem verlorenen Bild. Auf der Reise intensiviert sich das kunstvolle Spiel ihrer Verbindung. Doch bald zerstören Pandulis dunkle Geschäfte die Idylle. Julia verlässt ihn und Veldo lebt kurz mit Anne und dann mit Antonie zusammen. Eine unbestimmte Drohung lastet über den Beziehungen, vor der Veldo nach Ägypten flieht. Vergeblich, denn während einer Schiffsfahrt auf dem Nil treten ihm erneut Anne, Antonie und Julia entgegen und Veldo verliert sich mit ihnen in einer surrealen, Angst erfüllten Traumwelt, aus der er nur mit Mühen entkommt. Schließlich kehrt er mit Anne nach Deutschland zurück, aber ihre Beziehung scheitert erneut. Monate vergehen, die er mit der Verarbeitung und der Niederschrift seiner seltsamen Erlebnisse verbringt. Und eines Tages macht Veldo eine eigenartige Entdeckung.
Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!
Vorheriger Titel Nächster Titel
Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:
Diesen Beitrag empfehlen: