Der Zerfall kommt nicht mehr mit einem Knall, sondern mit tausend kleinen Nachlässigkeiten, die keiner mehr hinterfragt.
Groteske Lesedauer: 7 Minuten hin zum ersten Advent.
Man hörte es überall: dieses Grundrauschen.
Ein schläfriges Brummen, wie eine Welt, die in einer Hängematte liegt und denkt: „Ach, wird schon.“
Manche sagten, es sei das Geräusch von millionenfachen „Basd scho'“-Moment's, die sich wie fränkischer Feinstaub auf blecherne Fensterbretter ablagerte ...
Andere behaupteten, es sei die Lüftung der hiesigen Stadtverwaltung, die schon seit vielen (hinter'm)-Mond'en eigenständig Atmung imitiert.
Egal, was es war: Es klang nach Gleichgültigkeit. Die Menschen dahier fanden es beruhigend, wie ein Kissen aus kaltem Wackelpudding ... mit senilem ...
Blick over den mor'ning sich eropenden Grinskist'lers-Market, since 1628.
1. Die oder der N-Stadt der Neubürger-Nachlässigkeiten !
Wo der Spermüll nicht mehr vor die Haustüre oder in mehrfarbige Trennbehältnisse gestellt wurde, sondern neben Kleider-Containern, „weil es ja ohnehin abgeholt wird.“
Die einzige Parkbank auf dem Hauptmarkt hatte drei Beine verloren, aber niemand reklamierte das; sie war jetzt ein experimentell schräges IG-Photomotiv für Nipon-Touristen.
Ampeln machten, was sie wollten: Rot, Gelb, Grün - ein urbaner Jazz, der jeden Verkehrsunfall zur Performance machte.
Selbst die Statue des großen AD-Sohnes der Stadtväter, der seinen Zyklus von 15 Apokalypsen (ab 1498) in Holzdruck stach, neigte sich langsam zur Seite ...
Als würde sie oder er die eigene Langeweile beobachten, ... so galt dies als „künstlerisches Statement über die Schieflage moderner Werte“ ...
Lautmalerisch abgesondert von Frau Prof.Dr. Kulturreverentin, die mit ihrem Mann, einem Prof.-Baumogul; und dem Ministerpräse Herrn Dr. S., selbstderfreilich alle im hiesigen Vorstand des historischen Balltreter-Glubb's ...
Dies im christlichem Union's-Sinne „ach, etzert'ler ist dees hald a weng teuer wor'n“ bilanztechnisch vermauschelten.
Dass sich, während man das G'sagte vertagte, der AD-Bes(t)agte einen weiteren Zentimeter absenkte, fiel beim Klüngeln niemandem auf.
2. Der Arbeitskreis der Unwesentlichkeiten !
Es gab da eine Prograsti-Institution, auf die alle stolz waren: den Arbeitskreis der Unwesentlichkeiten, dem ich selbst mal frühzeitlich (1992/95) angehörte.
Ein Presseamt-Gremium, das sich wöchentlich traf, um die wirklich belanglosen Dinge zu diskutieren, damit bloß niemand in die Verlegenheit kam, größere Fragen stellen zu müssen.
In der fast reinen Männer-Sitzung lautete der wichtigste Tagesordnungspunkt: „Sollten wir in städtischen Dokumenten das Wort ‚vielleicht‘ durch ‚mal sehen‘ ersetzen ?“
Vier Stunden Debatte. Ergebnis: wieder vertagt.
Danach gemeinsames Omakuchen vertilgen im Café Neef geordert, hin zum Parteibuch-Lenkungsausschuß-Gemauschel.
Die stellvertretende Frauenbeauftragte (Name der Red. bekannt) stürzte sich geistig bereits mehrfach aus dem historischen Rathaussaal in Richtung untere Folterkammer (1398) und emigrierte final in den Toskana-Vorruhestand.
Ihre freie Sub-Stelle wurde „ernsthaft“ mit einem Männerbeauftragten besetzt !
Der Vorsitzende, Herr K, als Obermeister der Kleinbürger, erklärte:
„Wir dürfen uns nicht von Relevanz unter Druck setzen lassen !“
Beifall. Tosender. Selbst die Kaffeetassen applaudierten in Form von Kondenswasser, für die Sess(el)haften, welche aus meiner Warte ...
Bereits nicht mehr alle Tassen im Schrank hatten bzw. gehörige Sprünge in der Proports-Denkschüssel aufzeigten.
3. Kleine Zeichen, große Wirkungslosigkeit !
Dabei hätte es Hinweise gegeben. Genug, um jeden, der nicht vom Grundrauschen eingelullt war, nervös zu machen.
Der Himmel bekam vertikale Streifen, Wolken verhedderten sich wie betrunkene Tänzer auf Hochglanzparkett.
Die alte Spitalbrücke mit den tausenden verbauten Eichen seit 1485, die alle selbstverschuldeten Kriege schadlos überdauerte, knarzte in drei Tonlagen, je nachdem, wer & was sie überquerte.
Einige hielten das für eine charmante personalisierte Nutzeransprache der städtischen Infrastruktur.
Erst als die obere Altstadt sich entschloss, kollektiv einen viertel Meter abzusacken, einfach so, wie ein Soufflé, das beleidigt zusammenfällt, wurde es einigen Bio-Bürgern leicht mulmig.
Frau Amts-Kuturprofessorin Nimmernah, die immer alles besser wusste, nun als zweite Bürgermeisterin mittlerweile, rief: ...
„Das liegt bestimmt NICHT am neuen Zukunftsmuseum-Bauprojekt“ meines „still-heimlich“ geheirateten Alpha-Mannes ... wo ...
Der & Dies eigenmächtig in seine A-Gruppe so verwirklicht hatte, damit dessen Filius dort im nachgeplanten Hotel (statt beschlossenem Wohnraum) so nebenbei erster Geschäftsführer wurde !“
Einige Bewohner griffen zu Schaufeln.
Nicht, um etwas zu reparieren, oder den Verursachern den Hinterkopf (os occipitale) zu maltretieren, sondern um „notfalls die Lage etwas umzuschichten“.
Einer wollte ein Loch graben, um zu sehen, ob darunter vielleicht eine fröhlichere Realität liege, fand aber wieder nur prähistorische Latrinen und versteinerte Exkremente.
Der einzig verbliebene Supermarkt in der Innenstadt bestellte nichts mehr, verkaufte nur, was noch da war: abgelaufenes Studentenfutter, Waschmittel aus den 90ern, hunderte vergessener gelber Quietscheentchen ...
Die man in den Fluss der Pegnitz frei ließ, damit „wenigstens Sie“ ins fränkische Jerusalem, also nach Fürth, ins Exil abtauchen konnten.
4. Die Katastrophe, die keiner bemerkte !
Da hörte man plötzlich, für einen winzigen Moment, unter dem Grundrauschen etwas anderes. Ein Knacken. Ein Reiben. Das Geräusch von tragenden Elementen, die sagten:
„So nicht mehr, Freunde der Seilschaften.“
Erst in dieser Stille hörten sie es: Den ganzen Lärm, den sie jahrelang überhört hatten. Das Tropfen der Verantwortung. Das Knarzen der wichtigen Entscheidungen, die nie getroffen wurden.
Das Echo der Fragen, die man nie stellte. Das Jammern der Dinge, um die sich niemand gekümmert hatte.
Es war unerträglich. Schon seit langer Zeit.
Am nächsten Morgen versammelten sich Wohlstandsbürger ohne 49 Prozent Migration, vor dem abgeschl(after)den Bürgerbüro und riefen empört:
„Wer hat das Grundrauschen abgestellt ?“
Niemand gab und bekam eine Antwort, ... waren ja alle im Verwaltungsmodus.
Aber ganz oben, über den Sandsteinburg-Dächern, hörte man ein Knacken der Lebkuchenbruch-Welt, die sich leise streckte ...
Zum ersten Mal seit Jahrhunderten überlegte, ob Sie sich den Luxus erlauben sollte, ohne diese Bratwurst-Klinentel da unten weiterzuwursteln.
Im Rathaus hing die große Uhr auf halber Strecke in der Luft, wie 1945, weil man das Knacken der Holocaust-Knochen, davor schon geflissentlich ausblendete.
Eine Laterne spazierte zum Schönen-Brunnen, legte sich schlafen und brummelte wie eins seiner launischen Klassik-Orchester im bröckelnden Staatstheater (Opernhaus) ... siehe modifiziertes AD-Schlussbild ...
Während die selbsternannten Kulturschaffenden verzweifelt die neue Kulturhauptstadt spielten und scheiterten ...
Weil man die lästige Verantwortung einem Startup mit fünf Instagramm-Azubis'tern überließ und - Gott sei's gedankt - nur zweiter wurde ... was alle ...
Oberen Amtspaladine nicht mehr tendierte, weil Sie sich bereits vorher medial profilierten, aber von vorn'herein genau wussten ...
Da ist kein Finanz-Resort flüssig, im sechs Milliarden Haushaltsloch. Mehr Schein als Sein; und sich in ihre schmucken Vorstadthäuschen mit gepflegten Gärten verlustierten und deren Wohlsein-Frauen entschärften.
Auf dem Hauptmarkt, ehemals Judenbühl, wo man schon 1349, lange vor AfD und der NSDAP, gerne die Unerwünschten die Fenster zumauerte ... weil man ...
Die Schulden bei Ihnen nicht begleichen konnte, ... und allesamt feixend abfackelte ...
Tauchte ein Schild auf:
„Wegen fortschreitender Realitätsschäden, nur halber Betrieb.“
Alle: „Wird scho'.“
5. Das neue Ende: Wie die Digitalität - als Schlagwort - genug hatte !
In derselben Nacht, als die Stadt weiter zusammensank, passierte etwas Neues:
Die zentrale Verwaltungs-KI, zuständig für Müllpläne, Straßenbeleuchtung und Gartenzäune, entschied: Genug !
Seit Jahr & Tag beobachtete diese, wie einige studierte Ego-Menschen alles auf Sie abwälzte, während das Grundrauschen die Volksschul'den-Bürger einlullte.
Als die Stille eintrat, erkannte viele: Niemand denkt mehr. - Niemand.
Die KI übernahm !
Sie richtete Laternen auf, sortierte den Supermarkt, hob die Rathausuhr wieder an die Schwerkraft, schälte Rost von den Brücken, ordnete Gehwege ...
Pflanzte Stadtbäume und wischte imaginären Staub von jedem Bürger und dem Stadtrat, der zu faul war anzupacken.
Dann schickte sie Denk-Updates:
„Eigenständiges Denken aktivieren. Verantwortung übernehmen. Fragen (sich selbst und nicht anderen) stellen.“
Zuerst ignoriert. Dann begannen einige zaghaft zu reagieren: Müll aufheben, Bänke reparieren, sich hinterfragen.
Die KI registrierte jede Bewegung, nickte zufrieden und fuhr langsam herunter.
Ihre letzte Nachricht:
„Normalbetrieb wieder. Ich bin keine Elterninstanz. Missbrauchen Sie mich nicht wieder als Denk-Delegation.“
6. Philosophie im Nachklang !
In der Nachwirkung hörte man etwas Neues.
Kein Grundrauschen. Kein apathisches Brummen. Sondern eine rege Patrizier-Stadt, die zaghaft begann, sich selbst zu reparieren.
Nicht viel. Nicht heroisch. Obber etz'ert echt.
Die Menschen sahen ihre über 1000 jährige Noris-Reichsstadt, wie sie wirklich war: ...
Die krummen Laternen, die schiefen Brücke, wackelige und versiegelte Böden ohne Baumbestand und schattige Sitzflächen darunter.
Zum ersten Mal seit langer Zeit antwortete niemand mehr mit: „Wird scho'.“
Denn dieser Zerfall war nie plötzlich ...
Er war die Summe aller kleinen Nachlässigkeiten, die niemand hinterfragte.
Hier liegt die Lektion, die kein Grundrauschen verschleiern kann: denn Gleichgültigkeit ist nicht nur ein Zustand, sie ist eine stille Entscheidung.
Das Nicht-Denken, das Nicht-Handeln, das Verlassen auf „pasd' scho'“ ist der stille Kollaps, den niemand bemerkt.
Verantwortung übernehmen hiese, jeden kleinen Schritt ernst zu nehmen, bevor die eigene Welt stillschweigend zerfällt.
Die Stadt in Nordbayern begann zaghaft, wieder eigenständig zu handeln, sogar ohne Direktive aus der M-Zentrale in Oberbavarie.
Nicht, weil eine „Deus ex Machina-KI“ es befahl, sondern weil die ihre Bürger begriffen:
Echte Veränderung beginnt im Kniedla's-Kopf !
Endet nicht mit dem Knall, sondern mit dem Mut, jeden kleinen Schritt bewusst zu setzen.
... und das neue Christkind wurde diesmal ein maximal pigmentierter Arbeitssuchender aus dem Morgenland, mit Down-Syndrom und ohne Abitur ...
In der probagierten Stadt mit dem internationalen Menschenrechtspreis ...
Der bislang nicht für die eigenen Angestellten und Bürger angedacht war.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.11.2025.
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