Hajo Schindler
Weihnachtsflimmern - Das ultimative Geschenk mit Potenzial
Auch in diesem Jahr möchte ich meiner Frau zum Fest der Liebe ein Geschenk machen, das sie glücklich stimmt. Dieses Mal bin ich sicher, dass es eine Euphorie entfacht, die ihresgleichen sucht. Sie bekommt etwas, womit sie nicht gerechnet hat.
Sie wird Bauklötze staunen, sprachlos sein und wir werden beide mit Tränen in den Augen vor dem Weihnachtsbaum sitzen. Das wird der Kracher. Ich schenke, überrasche meine Frau mit etwas, dass sie sich schon immer schon mal gewünscht hat und auch für mich wichtig ist. Schließlich sind es gerade die besonderen Geschenke, die unser Leben bereichern und uns kostbare Momente fürs Herz schenken.
Statt Diamanten, Parfüm, Pralinen, Haushaltsklimbim, einer blöden Strickmütze kombiniert mit Handschuhen oder eines Pflege-Sets, gibt es….. ein Blutdruckmessgerät. Dieses Gerät unter dem Weihnachtsbaum ist die finale Erkenntnis, die Antwort auf alle Fragen, auf all die Jahre, in denen meine Frau und ich uns gegenseitig „Gesundheit“ wünschten, ohne sie wirklich bewusst zu verschenken.
Zwischen Gänsebraten, Klößen, Rotkohl und einem guten Roten wird das Gerät zum moralischen Zeigefinger. Kaum hat man den dritten Kloß verdrückt, piept es schon: „Bitte einmal Oberarm freimachen.“ Weihnachten als Gesundheitspfad.
Natürlich kann man das Ganze auch als Fürsorge tarnen. Schließlich schenkt man nicht nur ein Gerät, sondern gleich ein schlechtes Gewissen gratis dazu.Wer will schon die Feiertage genießen, wenn die Manschette im Hintergrund lauert wie ein strenger Onkel Doktor?
Die versteckte Botschaft lautet: „Ich will, dass du lange bleibst – und bitte mit stabilen Werten.“ Sind wir doch mal ehrlich: Zwischen übersüßtem Glühwein, kitschigem Lametta und zuckerübersättigten Lebkuchen, Marzipankartoffeln, wirkt das Gerät doch eher lebensbejahend und geradezu lebenserhaltend. Das ist nicht nur Liebe, das ist Prävention. Ich bin gespannt auf den Moment der Wahrheit: das Auspacken. Ich werde das Gesicht meiner Frau beim Auspacken wie ein Geheimagent auf Mission beobachten. Hebt sie die Augenbraue? Ist es ein echtes Lächeln oder nur die Grimasse der Enttäuschung?
Ja, ja, ich höre sie, die mahnenden Stimmen der Leserinnen und Leser, die mir zurufen: Du hast wohl zu viel Weihrauch inhaliert, du hast nicht alle (Glühwein-)Tassen im Schrank.
Meine Antwort darauf ist eindeutig, klar, unmissverständlich, lässt keine Zweifel aufkommen. Ich lasse mir von niemand die Tour vermasseln, das Knickebein-Stiefelchen Edelbitter vom Weihnachtsteller nehmen, finde meine Geschenkidee richtig originell. Ehrlich!!! Am Ende verharre ich in meiner Weihnachtsstimmung. Ich spüre wie eine tiefe Verbundenheit zum Stall in Bethlehem in mir aufsteigt und sagen Sie bitte jetzt nicht: Logo, er macht den Esel.
Ich denke, natürlich muss man das Ganze unter einem positiven Blickwinkel betrachten: Während andere Geschenke nach wenigen Wochen in irgendeiner Ecke verstauben, begleitet dieses kleine Gerät meine Frau treu durch den Alltag. Es ist praktisch, nüchtern und ehrlich – Eigenschaften, die man von Geschenken nicht immer behaupten kann. Ein Blutdruckmessgerät ist das Geschenk der reinen Wahrheit. Es sagt: „Deine Werte sind spannender als die Werte vom ZDF-Politbarometer.
Und so wird das Blutdruckmessgerät, da bin ich mir schon heute ziemlich sicher, zum heimlichen Star der Festtage: Es sorgt für Spannung, misst sie und senkt sie vielleicht sogar.Wie auch immer, vielleicht ist das Blutdruckmessgerät das ehrlichste Geschenk überhaupt. Es verspricht zwar keine Romantik, keinen elitären Luxus, sondern nackte Zahlen. Es ist die unumstößliche Wahrheit in festlichem Geschenkpapier. Ein Geschenk, das nicht glänzt, sondern mahnt – und das Fest der Liebe darüber hinaus in einen kleinen Gesundheits-Check-up verwandelt und – das möchte ich nicht verschweigen - ich auch nutzen darf.
Sind wir doch mal ehrlich, Hand aufs Herz: Wer ein Blutdruckmessgerät verschenkt, schenkt weniger Glamour, dafür aber Lebenszeit – und das ist, wenn ich es mir recht überlege, schlicht und ergreifend betrachte, das kostbarste Geschenk überhaupt.
Und so bleibt die Moral dieser Geschichte: Wer seiner Frau zu Weihnachten wirklich etwas schenken will, sollte weniger an Amazon, Temu, an protzige Kluncker, belanglose Gutscheine oder Haushaltshilfsmittel denken, dafür aber ihr mehr Aufmerksamkeit entgegenbringen. Manchmal reicht schon ein ehrliches „Ich hab an dich gedacht“ – und das ist unbezahlbar.
Mit Blick auf die kommenden Feiertage möchte ich Ihnen, den Leserinnen und Lesern, ein wunderbares, zwangloses und lebensfrohes Weihnachtsfest wünschen. Lassen Sie es sich gut gehen! Mit oder ohne Blutdruckgerät. Für das Jahr 2026 sollen Gesundheit, viele glückliche Augenblicke, Freude und Gelassenheit Sie begleiten – und dass die nächsten 365 Tage von Frieden, Wertschätzung und schönen Erlebnissen erfüllt sind.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.12.2025.
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