Wie lange ist das her? Wenn mich nicht alles täuscht, fast zehn Jahre. Es war Frühling und es duftete herrlich an diesem denkwürdigen Tag.
Nach einem Spaziergang durch das Städtchen war ich schließlich an diesem kleinen Flüsschen gelandet. Ich setzte mich auf eine Bank und genoss die wärmenden Sonnenstrahlen.
Da stand sie auf einmal! Keine zwei Meter von mir entfernt, am Geländer, und schaute auf das Wasser. Ihre schlanke, irgendwie zerbrechlich wirkende Gestalt bezauberte mich vom ersten Augenblick an. Ich weiß gar nicht mehr, was sie anhatte. Vielleicht einen knielangen Rock, der ihre schönen nackten Waden betonte und eine Bluse? Ja, eine Bluse, fast durchscheinend, das bemerkte ich aber erst später, viel später!
Jetzt stand sie einfach nur da und schaute auf den Fluss. Und ich bewunderte ihre Figur, ihren schlanken Hals, die Rückenlinie und den kleinen Po, der sich unter dem Rock abzeichnete. Sie hatte schulterlange rote Haare.
Dann drehte sie sich um – und die Welt war eine andere! Ihre graublauen Augen versenkten sich in meine, und ich nahm trotz des Schwindelgefühls, das mich erfasste, ein Lächeln wahr. Es war unbeschreiblich, so etwas hatte ich noch nie erlebt!
Ihr muss es ähnlich ergangen sein, denn sie machte die paar Schritte auf meine Bank zu und setzte sich neben mich, meinen Blick wie verzaubert festhaltend.
Magali hieß sie …
Ich weiß nicht, was ihr an diesem Tage zugestoßen war, irgend etwas Ungewöhnliches wird es gewesen sein. Denn völlig ungewöhnlich ging es weiter. Mit uns!
Wir fassten uns ohne Worte an den Händen und liefen am Kai entlang, blieben immer mal stehen und schauten uns in die Augen. Ich war völlig verzaubert. So gelangten wir auf die kleine Brücke über das Flüsschen und von dort auf die einladende Terrasse neben der Kirche am anderen Flussufer.
Eine Weile saßen wir dort auf einer Bank, gingen dann aber weiter, die große Straßenbrücke wieder hinüber und landeten in einem Café. Als wir zuvor an dem Hotel Le rêve vorbeikamen, sahen wir uns fast verschwörerisch an – wir dachten wohl dasselbe.
Jedenfalls saßen wir uns auf der Terrasse des Cafés gegenüber, schauten uns weiter in die Augen und hielten uns über den Tisch hinweg an den Händen. Ab und zu nippten wir wahrscheinlich an einem Rotwein, den wir bestellt hatten – aber da kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Wir verstanden uns ohne Worte. Zum Glück! Denn Magali sprach kein Deutsch und mein Französisch ist sehr rudimentär.
Nicht viel später liefen wir die paar Schritte wieder zurück zu dem Hotel. Le rêve, das bedeutet Der Traum, soviel wusste ich. Und es wurde ein solcher! Magali sprach mit der freundlichen Dame am Empfang, bekam einen Schlüssel, nahm mich bei der Hand und führte mich in das Zimmer. Es war die Magie de l’amour, die uns überwältigt hatte.
Noch heute, nach zehn Jahren, steht mir alles lebendig vor Augen. Ich atme tief aus und lächle in mich hinein. Wenn ich es recht bedenke, könnte es genau dasselbe Zimmer gewesen sein. Es roch genauso! Damals aber fühlte und roch ich bald nur noch sie – Magali!
Eine Begegnung von solcher Intensität, die sich mir wohl für das ganze Leben tief eingebrannt hat.
Der unausweichliche Abschied am nächsten Morgen tut mir heute noch manchmal weh. Auch jetzt durchströmt mich ein Gefühl von Wehmut, das ich mir nur schwer erklären kann – führe ich doch ein glückliches Leben!
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.12.2025.
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