Christa Astl

Unerwartete Begleitung

 

 

Damals, als ich noch jung und in den Bergen nahezu daheim war, hatte ich ein nettes tierisches Erlebnis.

Meist war ich ja allein unterwegs zu irgendeiner Hütte. Traf ich dort freundliche Bergsteiger,  schloss ich mich ihnen an, um einen Gipfel oder einen Übergang zu erreichen. Ich war damals konditionell gut und sicher unterwegs. Doch im gefährlichen Gelände, man weiß ja nie …, ich war vorsichtig.

Diese Tour aber musste ich von Anfang an mit Begleitung machen. Ich war an der Hand operiert worden und hatte eine Gipsschiene. An den Beinen fehlte nichts, also konnte ich wenigstens eine einfache Wanderung machen, wenn … Ein glücklicher Zufall schickte eine Schulfreundin vorbei, die mir die Bergschuhe binden konnte und mich dann auch begleitete.

Bei den ersten Almen nach gut einer Stunde Gehzeit rasteten wir kurz. Hatte sie uns da schon erspäht? Wenige Meter danach kam sie mit zierlichen Sprüngen nachgehoppelt, ein kleines grau getigertes Kätzchen. Oh wie lustig, diese kleine verspielte Begleiterin! Gerne ließen wir uns eine Weile aufhalten. Doch wir hatten ja ein anderes Ziel in zwei Stunden Entfernung! Also sagten wir unserem Spielgefährten „Pfiat di!“ und setzten mit großen Schritten im vorübergehend ebenen Wald unseren Weg fort. Das Kätzchen saß da und schaute uns enttäuscht nach… Doch nicht lange, und es war bei uns. Zurückjagen ließ es sich nicht, blieb kurz hinten und uns wieder nach. „Die wird schon umkehren, wenn sie müde ist“, meinte meine Freundin. Dem war aber nicht so. Ausdauernd folgte sie uns, wir minderten deshalb natürlich unser Tempo. Was machen wir mit ihr? Zurücklassen können wir das kleine Tierchen hier nicht, der Fuchs oder ein Greifvogel hätten ihre Freude damit. Nun mussten auch Rastpausen sein, die in immer kürzeren Abständen immer länger wurden. Die kleinen Pfötchen konnten nicht mehr und das Kätzchen begann nun auch kläglich zu maunzen. Was tun? Einen gesunden Arm hatte ich, und da hatte diese „Handvoll Katze“ wohl Platz. Als hätte sie darauf nur gewartet, schmiegte sie sich an mich und schnurrte zufrieden. Sie ließ sich auch nicht mehr gerne auf den Boden setzen, nach wenigen Schrittchen blieb sie wieder liegen.

Lachend empfing uns der Wirt unseres Gasthauses. „Was habt ihr da für eine zarte Begleitung, wo ist euch die zugelaufen?“ Interessiert hörte er unsere Geschichte und meine Bitte, sie bei nächster Gelegenheit jemandem in die andere Richtung mitzugeben. „Ach was, die behalte ich, die wird einmal sehr stark und ich brauche eh eine gute Mauserin!“ Aber natürlich versprach er, auf der anderen Alm Bescheid zu geben. Schade, ich hätte sie auch gerne behalten!

 

 

ChA 10.01.26

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