Heinz-Walter Hoetter

Der kleine Buddha

 

Im alten China lebte einmal ein armer Jungen namens Lin.

 

Lin war ein lieber Junge und gerade neun Jahre alt geworden, der seinen Eltern überall half, wo es nur ging.

 

Lin war darüber hinaus ein sehr nachdenkliches Kind, das im ganzen Dorf für sein liebevolles und friedliches Verhalten bekannt war.

 

Eines Tages traf Lin auf einen einsamen alten Mönch am Wegesrand, der sich neben einer steinernen Buddha Statue ausruhte und den Jungen zu sich rief, weil er aus dem Wasserbeutel, den Lin bei sich trug, etwas Wasser zu trinken haben wollte.

 

Zuerst stutzte der Junge ein wenig, doch da Lin auf dem Weg nach Hause war und genug Zeit hatte, gesellte er sich zu dem Mönch, gab ihm genug von seinem Wasser ab und blieb noch eine Weile bei dem alten Mönch sitzen, der ihm auf einmal etwas über Buddha erzählte.

 

Der Junge hörte dem Alten aufmerksam zu und war von der Menschlichkeit, dem Mitgefühl und der Weisheit Buddhas fasziniert.

 

Daher beschloss Lin, sich mit Buddha weiterhin zu beschäftigen, weil er mehr über seine Lehre erfahren wollte.

 

Lin verbrachte ab jetzt viel Zeit damit, sich mit dem Studium, der Meditation und den Lehren Buddhas zu beschäftigen, aber ohne die viele Arbeit zu vergessen, um seine Eltern zu unterstützen.

 

Schon bald nannten ihn die Bewohner des Dorfes „den kleinen Buddha“.

 

Die Jahre gingen ins Land und Lin war schon selbst ein alter Mann geworden, der jetzt ein einfaches und friedliches Leben in einem nahe gelegenen Kloster führte. Seine Eltern waren viel zu früh gestorben, was ihn dazu veranlasst hatte, Mönch zu werden.

 

Eines Tages verließ Lin das Kloster, um die Bewohner seines Dorfes, wo er geboren worden war, zu besuchen.

 

Unterwegs ließ er sich neben einer steinernen Buddha Statue nieder, um sich von der anstrengenden Wanderung ein wenig auszuruhen.

 

Plötzlich kam ein Junge aus dem Dorf vorbei, der einen Wasserbeutel bei sich trug. Der alte Mönch winkte ihm zu, er solle doch bitte zu ihm kommen und ihm etwas von seinem Wasser zu trinken geben.

 

Der Junge stutzte etwas, zeigte aber Mitgefühl, ging schließlich auf den alten Mönch zu, setzte sich neben ihn und gab ihm bereitwillig was von seinem Wasser ab.

 

Nach einer Weile fragte ihn der alte Mönch nach seinem Namen und ob er aus dem gleichen Dorf komme, wo er mal gelebt habe.

 

Mein Name ist Lin, ja und ich wurde in dem gleichen Dorf geboren, wie Sie. Es ist ein schönes Dorf. Ich lebe noch bei meinen Eltern, denen ich jeden Tag bei der Arbeit fleißig helfe. Ich unterstütze sie, wo ich nur kann.“

 

Du bist ein guter Junge Lin. Was für ein Zufall. Ich heiße übrigens auch Lin und lebte früher im gleichen Dorf wie du, das ich später, nachdem meine Eltern gestorben waren, verlassen habe, um ins nahe gelegene Kloster zu gehen. Möchtest du etwas über Buddha erfahren? Ich kann dir viel von ihm erzählen, Lin.“

 

Der Junge nickte mit dem Kopf und hörte gespannt zu, was ihm der alte Mönch über die Lehren Buddhas alles so erzählte. Lin war von der Weisheit und dem Mitgefühl, welches Buddha seiner Umwelt und seinen Mitmenschen entgegenbrachte, mehr als nur fasziniert.

 

Als die Sonne schon langsam unterging, verließ der Junge namens Lin den alten Mönch wieder, der immer noch tief in Gedanken versunken neben der steinernen Buddha Statue saß, fast so, als würde er schlafen.

 

Als Lin sich etwas später noch einmal nach ihm ein letztes Mal umdrehte, war der Alte plötzlich nicht mehr da, als hätte ihn der Erdboden verschluckt.

 

Der Junge wunderte sich zwar darüber, dachte aber weiter nicht darüber nach und ging hinunter ins Dorf, wo seine Eltern bereits auf ihn warteten, die sich darüber wunderten, weil er sich plötzlich mit den Lehren Buddhas intensiv zu beschäftigten begann.

 

Schon bald nannten ihn die Bewohner des Dorfes „den kleinen Buddha“.

 

ENDE

 

(c)Heiwahoe

 

 

 

Anmerkung zu meiner Geschichte „Der kleine Buddha“.

 

Gibt es unsichtbare Fäden in unserem Dasein, wenn manche Menschen sich selbst begegnen in ihrem Leben, sogleich als alter und als junger Mensch, aber stets die gleichen Personen sind und keiner von beiden davon etwas bemerkt? Es scheint ein Paradoxon zu sein, findet aber in meiner kleinen Geschichte Eingang.

 

Der Autor Heinz-Walter Hoetter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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