Der gregorianische Kalender wies damals gerade mal auf den 12-ten September 1995 hin, als Atze Hussmann an einem Mittwochmorgen das Büro der ELEKTRO VAG in Frankfurt am Main aufsuchte, in dem er seit vielen Jahren als Bezirksdirektor tätig geworden war.
Seit neustem war Atze bei der Hauptverwaltung der ELEKTRONIK VAG als viertes Mitglied der Geschäftsleitung beschäftigt, und somit betrat er mit besonderer Vollmacht seine bisherige Dienst-stellen der zu diesem Zeitpunkt ausschließlich Mitarbeiterinnen tätig, bzw. untätig anzutreffen waren.
Lediglich seine frühere Innen-dienstleiterin namens Renate und Frau Gudrun Berger, die Geliebte eines der Vorstandsmitglieder der ELEKTRONIK VAG, waren damit beschäftigt, die Kontakte zu den von ihm schon damals zugewiesenen Versicherungsmaklern zu pflegen, während Frau Rehbein, sowie die Anderen im Innendienst beschäftigten Frauen das taten, womit sie seit ihrer Anstellung in der Geschäftsstelle, wenigstens etwa eine Woche im Monat beschäftigt waren.
Meistens, so gegen Nachmittag in der Woche, brachte ein Bote der TELELEFONBAU GmbH, der Muttergesellschaft der ELEKTRONIK VAG in Mappen die im Rahmen hessischen Dienststellen vom Außendienst der TELEFONBAU GmbH abgeschlossenen Miet- und Wartungsverträge.
Lediglich Frau Grath spielte eine eigene Rolle im Team der Geschäftsstelle, schließlich war sie die Vorsitzende des Betruebsrates.
Atze wusste über den Hergang dieser Hexe in Frauengestalt sehr wohl Bescheid.
Frau Grath war einst als Erstes Sekretärin des Vertriebsvorstands der ELEKTRONIK VAG und danach gleiches bei dem Prokurristen und Leiter der Vertriebsorganisation der ELEKTRONIK VAG namens Heinz Doppelbart, und war Atze besonders negativ anlässlich einer Vorstandssitzung in Räumen der ELEKTRONIK VAG auf den Geist gegangen, an der Atze damals als Abgesandter der beiden Regionalkonferenzen des gesamten Außendienstes der ELEKTRONIK VAG teilgenommen hatte, während Frau Grath als Vorsitzende den Betriebsrat während der Sitzung vertrat.
In Atze keimte an diesem Mittwochmorgen in Gegenwart der Frau Grath Bitterniss auf, und er erinnerte sich rückbesinnend an jenen Konferenztag, an dem er, der junge Außendienstmitarbeiter der ELEKTRONIK VAG Hussmann, zeitgleich an einem Mitarbeiter-Malwettbewerb der TELEFONBAU GmbH teilgenommen hatte, und dabei als preisgekrönter Sieder gewonnen hatte.
In der damaligen Sitzung waren, wie üblich, drei besitzende Geschäftsführer der TELEVONBAU GmbH anwesend, die dem Künstler Hussmann herzlich gratulierten, als sie vom positiven Ausgang des firmeninternen erfuhren.
Kaum war damals der Beifall verebbt, erlaubte sich Frau Grath lauthals die Frage:
„Sagen Sie mal, werter Herr Hussmann, wieviel Stunden am Tag kommen Sie denn zum Schaffen, wen sie doch als freischaffender Künstler tätig sind?“
„Meistens verbleiben mir drei oder vier Stunden, wenn ich nicht von aufreizenden Personen, wie Sie es sind, bei meinem Schaffen gestört werde“. war meine Entgegnung.
Ein lauthaltiges Lachen durchfuhr damals den Konferenzsaal.
Wen kann es wundern, dass zwischen beiden Kontrahänden echte Zwietracht vorherrschte?
Seltsamerweise wurde Frau Grath Jahre später vom Vorstandsvorsitzenden Dr. Freimaurer ausgerechnet in die Frankfurter Filialdirektion versetzt, nachdem es zwischen Herrn Doppelbart und ihr ernsthafte Auseinandersetzungen gegeben hatte.
„Geben Sie diese Person doch einfach zu Herrn Hussmann, bei dem handelt es sich um einen außerordentlichen Überredungskünstler, was der mit seinen wiederholten Vertragsabschlüssen immer wieder unter Beweis stellt, die Ereignisse vor langer Zeit sind Schnee von gestern.“
Da Atze seine guten Beziehungen zur Geschäftsleitung der ELEKTRONIK VAG nicht in Frage stellen wollte, stimmte er der Vorstandsentscheidung schweren Herzens zu.
Interessanterweise hatte Frau Grath die damaligen Ereignisse vollkommen aus dem Gedächtnis verloren, und so stellte sie sich in seinem Vorzimmer bereitwillig als Sekretärin zur Verfügung, die von diesem Moment an seine Interessen frei von jeglichem Widerspruch reichloch vertrat.
Nun war es wieder einmal so weit, dass der Bote der TELEFONBAU GmbH die Vertragskopien in die Geschäftsstelle ablegte, derweil sämtliche Damen des Innendienstes sich zu den Malzeiten ihrer Familien davongeschlichen hatten.
Wie gewohnt, würden sie bei ihrer Rückkunft damit fortsetzen, kleine DIN-A6-Besuchskarten zum Zweck der verschiedenen Kunden bzw. Interessentenbesuche niederzuschreiben, als Atze eine gute Idee in den Sinn kam:
„Ich werde verlangen, dass die Frauen an sofort damit aufhören, zeitaufwendig Besuchskarten mit den Inhaltsangaben der Vertragskopien niederzuschreiben, was ihnen sowieso maximal an den oder vier Tagen in der Woche gelingen würde, die verbleibende Zeit wurde, wie Atze beim Blick in die Schreibtischschubläden sehen konnte, mit dem Ausfüllen von Kreuzworträtseln überbrückt.
Nein, ab sofort verlange ich, dass die Vertragskopien der TELEFONBAU GmbH direkt in separate Aktenmappen abgelegt werden.
Mit der Vorlage eines solchen Dokuments kann der entsprechende Außendienstmitarbeiter die Verbindung unsrer beiden Firmen bekunden.
Unabhängig davon werde ich den Außendienst der ELEKTRONIK VAG jeweils freitags um fünf und montags um acht Uhr zu einer Mitarbeiterschulung bestimmen, um so sicherzustellen, dass keiner von ihnen ein verlängertes Wochenende einplanen kann.“
©16.02.2026
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.02.2026.
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