Leonhard Ried

Das Paternoster!

 

 

In der 8.und in der 9. Klasse hatten wir einen Lateinlehrer, der den maximalen Druck ausübte. Durch furchterregende Auftritte brachte er uns von Anfang an auf Linie. Zwei Jahre lang paukten wir intensiv Latein. Die Lehrer in den darauffolgenden Jahren hatten leichtes Spiel. Wir wussten ja schon alles.

 

Die alten Sprachen hatten im Humanistischen Gymnasium ein sehr großes Gewicht. Wir hatten fast täglich eine Stunde Latein. Naturwissenschaftliche Fächer wie Physik oder Chemie waren nur ein notwendiges, aber fast überflüssiges Anhängsel. 

 

Noch heute fällt es mir schwer, jemandem zu erklären, was ein Ammoniumhydrochlorid ist, falls es so etwas überhaupt gibt.

 

Zu Schulbeginn wurde immer gebetet. Fing nun der Tag mit einer Lateinstunde an, so war es ganz selbstverständlich, dass wir - speziell bei diesem Lehrer - das lateinische Vaterunser sprachen. Das konnten wir selbstverständlich auswendig. 

 

Noch heute gehen uns lateinische Aussprüche ganz leicht von den Lippen, wie z.B.: “O dives, dives, non omni tempore vives!” (O du Reicher, Reicher, nicht ewig wirst du leben!) Das hat sich vor allem bei mir eingeprägt. Jeder Materialismus liegt mir seitdem fern.

 

Das Paternoster (das lateinische Vaterunser) habe ich so sehr liebgewonnen, dass ich es noch heute manchmal spreche, wenn ich nach innerer Einkehr suche. Es hat für mich etwas Ehrwürdiges. 

 

Das deutsche Vaterunser hat für mich hingegen etwas Sperriges. Bei vielen Wörtern frage ich mich, was sie eigentlich zu bedeuten haben.

Was ist mit dem Himmel gemeint und was mit dem Reich usw?

 

Ist es nicht erstaunlich, dass manche Texte die Jahrhunderte unbeschadet überstanden haben, während Häuser abgerissen, ersetzt oder in einem fort renoviert werden müssen?

 

Freilich gehe ich nicht davon aus, dass sich jemand noch übermorgen  für diesen Text von mir interessieren wird. Das macht mir aber nichts aus. 

Ich habe längst aufgehört, nach Größe zu streben. 

 

Es macht mir aber Freude, gelegentlich meine Gedanken aufzuschreiben und meinen Gefühlen und Empfindungen Ausdruck zu verleihen.


 

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