Leonhard Ried

Der Faschingsdienstag beim Balletshofer!

Bei uns ist es üblich, dass sich die Verkäuferinnen in den Bäckereien an den letzten Tagen der Faschings verkleiden

Wir sind heute mal wieder bei dem Balletshofer gelandet, der im Eingangsbereich vom REWE liegt. Der Weg, der hierher führt, ist asphaltiert. Das ist gerade an regnerischen Tagen ein großer Vorteil.

 

Und nirgendwo gibt es so viel zu sehen wie hier.

 

Die Angestellten haben sich dieses Mal auf ein gemeinsames Thema verständigt.

 

Besonders auffallend ist eine Frau, die so gekleidet ist wie die Klosterschwestern, die man auf uralten Fotos sehen kann: schwarze Schuhe und Wollstrümpfe, langes schwarzes Kleid mit weißen Einschüben im Bereich der Stirn und des Halses. Vor ihrem Körper pendelt ein großes hellbraunes Holzkreuz, das sie beim Arbeiten etwas behindert.

 

Ich frage sie, zu welchem Orden sie gehört. Mit dieser Frage hat sie nicht gerechnet. Das ist nicht ihr Fachgebiet. Ihre Wurzeln liegen wahrscheinlich in der ehemaligen DDR. Sie blickt mich fragend an und sagt: “Zu den Johannitern? Passt das?” Ich will sie nicht in Verlegenheit bringen und sage lächelnd: “Ja!”

 

Ihr korrespondiert ein sehr gutaussehender, großer und schlanker Mann, der einen Vollbart trägt. Er ist in das hellbraune Habit eines Kapuziners geschlüpft. Manchmal stülpt er die Kapuze über den Kopf. Das hellbraune Kreuz fällt in seinem Falle kaum auf. Er hat es hinter die Kordel gezwängt. So kann er ungehinderter seiner Arbeit nachgehen. 

 

Zwei weitere Verkäuferinnen tragen einen weißen Heiligenschein, der über ihren Köpfen schwebt.

 

Meine Frau findet diese Verkleidungen gar nicht toll. Sie ist eher unangenehm berührt. Wir wissen nicht, wie es anderen Kunden mit dieser Maskierung ergeht. Was empfinden wohl Atheisten, wenn sie so etwas sehen?

 

Daneben fallen uns noch zwei Männer auf. Die sind nicht verkleidet, scheinen aber total verrückt zu sein. Sie gehen rein und raus aus dem Supermarkt; sie kaufen nichts ein, sie sind äußerst verwegen gekleidet und führen allerhand Krimskrams mit sich. Sie verbringen hier einfach den ganzen Tag. Ich kann das beurteilen, weil ich hier regelmäßig eine Pause einlege, wenn ich etwas einkaufen will. Der Eingangsbereich des Supermarkts scheint ihr Wohnzimmer zu sein. 

 

Und ich komme mir vor, als wenn ich mich in einem kleinen Dorf befinden würde. Meistens kenne ich mehrere Personen, die sich hier aufhalten. Ich grüße Menschen und werde immer wieder angesprochen. 

 

Und meiner Frau erzähle ich dann, was ich über das Leben dieser Menschen weiß.




 

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