Am Rande eines Feldwegs sitzt ein kleiner Igel auf einem Stein. Sein Blick ist auf den Himmel und die vorbeifliegenden Vögel gerichtet. Dicke Igelstränen kullern über sein kleines Gesicht.
Die diebische Elster erblickt ihn von weit oben und setzt an zur Landung, direkt neben dem stachligen Burschen.
"Was ist denn mit Dir los? Warum weinst Du denn?" fragt sie ihn besorgt.
"Ich möchte so gerne fliegen können," schluchzt der Igel. "Mit meinen kleinen Stummelbeinen ist das Laufen mühsam und auch nicht so elegant wie Euer Flug". "Dummkopf," krächzt die Elster. "Man kann halt nicht alles können. Maulwürfe sind blind, Schildkröten können nicht klettern, Fische nicht laufen und Regenwürmer nicht singen. Und nur weil Du nicht fliegen kannst, geht doch die Welt nicht unter."
"Doch," sagt der kleine Igel leise. "Ich würde alles, wirklich alles dafür geben, wenn ich einmal von der Erde abheben könnte. Bei Tag und bei Nacht stelle ich mir vor, wie es wäre, den Wind auf meinen Stacheln zu spüren und die Welt von oben zu sehen."
Die Elster überlegt. "Ich hab's," ruft sie euphorisch. "Rühr Dich nicht vom Fleck. Ich bin gleich wieder da." Sprachs und flog davon, direkt zu einem Jahrmarkt, auf dem sie dicke, bunte Luftballons gesehen hatte. Hier macht sie ihrem Namen alle Ehre und schnappt sich die 3 größten Ballone, um mit ihnen zurück zu ihrem kleinen Freund zu fliegen.
Der Igel schaut verblüfft und noch bevor er etwas sagen kann, gibt ihm die Elster ihre Anweisung. "Stell Dich auf die Zehenspitzen, damit ich die Schnüre unter Deinem Bauch durchführen und auf Deinem Rücken verknoten kann." Aufgeregt befolgt der kleine Stachler die Anweisungen und beobachtet, mit wieviel Geschick der Vogel die Schnüre mit den Füßen hält und dem Schnabel verknotet.
Kritisch begutachtet die Elster ihr Werk und fragt: "Bist Du bereit?" schnappt das Ende der Schnur mit dem Schnabel und fliegt los.
"Ich fliege! Hurra, ich fliege", ruft der Igel und stellt mit einem tiefen Seufzer seine Stacheln so sehr auf, dass sie die Luftballone berühren und zum Platzen bringen. "Peng", hallt es durch die Luft und erschreckt die Elster in solchem Maße, dass sie ihren Schnabel weit aufreißt. Ungebremst fällt ihr kleiner Freund, wie ein Stein, zu Boden, wo er, wie ein stachliger Ball einen Hügel hinabrollt und vor einem alten Baumstamm liegen bleibt. Blut fließt aus der kleinen Igelnase, abgebrochene Stacheln liegen weit verstreut und das rechte Auge ist stark lädiert.
"Oh, je", krächzt die Elster erschrocken und fliegt zu dem kleinen Bruchpiloten. "Was hab´ ich da nur angerichtet. Das tut mir ja sooo leid," sagt sie und streichelt den Igel zärtlich mit ihren Flügeln, der sein kleines Köpfchen zu ihr emporstreckt und dem Vogel einen dicken Kuss auf den Schnabel gibt.
"Danke! Endlich bin ich geflogen."
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.02.2026.
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