Heute Nachmittag sind mir zwei Männer begegnet, die sich jeder Zuordnung entziehen und die sich von der Masse der Menschen in jeder Hinsicht unterscheiden.
Auf dem Fahrrad kam mir K. entgegen. Die grauen Haare hatte der 80-jährige zu einem langen Zopf zusammengebunden. Wir grüßten uns; ich glaube aber nicht, dass er mich noch zuordnen konnte.
Nach einer abgebrochenen künstlerischen Ausbildung hat er fast sein ganzes Leben in fernen Ländern verbracht. Wovon er gelebt hat, weiß ich nicht so genau. Mit Sicherheit hat er Bilder gemalt und verkauft. In Indien hat er sich mal als Masseur versucht.
Fünf verschiedene Frauen hat er im Laufe der Jahre geschwängert. Er hat aber weder zu den Frauen noch zu den Kindern irgendeinen Kontakt. Angezogen fühlte er sich immer von der Regenbogen-Community, was das auch immer sein mag.
Vor einigen Jahren ist er wegen der besseren Gesundheitsversorgung in seine Heimat zurückgekehrt. Er lebt von der sozialen Grundsicherung oder vom Bürgergeld und kann sich immerhin eine Wohnung in Augsburg-Oberhausen leisten.
Liebevoll versorgt er sein großes Aquarium.
Ein ganz anderer Fall ist M., den ich beim Balletshofer in Oberhausen getroffen habe. Auch er konnte seinen Lebensunterhalt nie selbst bestreiten. Doch hat er eine wundervolle Ausstrahlung.
Er wird in wenigen Tagen 57 Jahre alt, sieht aber so aus, als wenn er noch kaum das 30. Lebensjahr erreicht hätte. Er ist unglaublich zart und einfühlsam.
Mit dem Nachtzug ist er zum Rosenmontagszug nach Köln gefahren, der allerdings “ins Wasser gefallen ist”, und gleich danach ist er wieder zurückgekehrt, weil er sich eine Übernachtung nicht leisten hätte können.
Er leidet an einer milden Form des Autismus, wie er selber sagt. Diese Anlage scheint aber dafür verantwortlich zu sein, dass er nie ins Berufsleben integriert werden konnte. Auch in Wohngruppen hat er sich nie auf Dauer wohl gefühlt. Jetzt lebt er wieder bei seinem Papa, der mindestens 80 Jahre alt sein dürfte und der immer noch für beide kocht.
Seine extreme Kränkbarkeit und Empfindlichkeit ließ ihn nie irgendwo Fuß fassen. Den Tag verbringt er jetzt mit ausgedehnten Spaziergängen. Den Abend verbringt er vor dem Fernseher. Am liebsten schaut er sich Serien auf Bibel TV an. Er ist nämlich ein sehr gläubiger und liebevoller Mensch.
Ich treffe ihn immer rein zufällig, er macht aber nie einen verzweifelten oder niedergedrückten Eindruck. Er scheint sein Schicksal einfach angenommen zu haben und bekommt auch die notwendige Unterstützung durch ein Autismuszentrum.
Ich bin erstaunt darüber, wie viele verschiedene Menschen ich in dieser Stadt schon kennengelernt habe.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.02.2026.
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75 Tage Donnerstag (Gedichte)
von Edith van Blericq-Pfiffer
Der Liebe kann man immer und überall begegnen, auch donnerstags; sie kündigt sich nicht an.
Sie ist von einer auf die andere Sekunde da. Sie kennt weder Gesetze noch Grenzen. Sie stellt augenblicklich alles und jeden auf den Kopf. Alter hat für sie keine Bedeutung. Allerhöchstens die von ihr Getroffenen fühlen sich mitunter in ihre Teenager-Zeit versetzt, verstehen sich selbst am wenigsten und fragen mit einem
Kribbeln im Bauch und ziemlich verwirrt: „Warum?“
Die poetische Antwort der Autorin, die hierbei auf Erlebtes zurückgreift, lautet hingegen: „WARUM NICHT!“
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