Dem Wächter fiel es nicht schwer die Cornuti zu finden. Es war lange her das die letzte Cornuti eindrang, doch die Wächter, selbst jene die nie selbst eine sahen, verpassten es nicht ihre Nachfolger gewissenhaft auszubilden. Diese war jung; vielleicht 6 oder 7 Jahre alt.
Als Kimme und Korn im Einklang waren; als sie das erste Mal ihren schrecklichen Zweck erfüllten und das Gesicht eines Lebenden einrahmten, zögerte der Wächter. Die Frau, die die Cornuti ihre „Mutter“ nannte blickte den Wächter entsetzt an. Es bestand kein Zweifel das sie wusste was ihre „Tochter“ war, sie hatte das Kind schließlich schon seit mehreren Tagen in ihrer Obhut.
Die Cornuti leben seit vielen Generationen fern ab, nicht lange genug als das man sie auf den ersten Blick an ihrer Physiologie erkennen könnte, aber doch lange genug das sie nicht mehr ganz menschlich sind. Jeder weiß um die Gefahr die von den Cornuti ausgeht, doch was hat dieses Mädchen sich zu Schulden kommen lassen, dass sie den Tod verdient hätte? Wollte der Wächter wirklich dieser jungen Mutter, die schon ihr eigenes Kind verloren hatte, auch noch dieses nehmen?
Er senkte seine Waffe und zog unverrichteter Ding ab. Er berichtete das er seine heilige Pflicht; seine Raison d'Être erfüllt habe und wurde von den anderen gefeiert und beneidet, da er der einzige unter ihnen war der jemals eine Cornuti zu Gesicht bekam und das seltene Privileg, den schlimmsten aller Feinde zu töten, erhielt.
Als er Jahre später wieder zum Ort seiner Tat, oder besser seiner nicht-Tat, geschickt wurde ahnte – wusste – er was ihn dort erwarten würde. Seine eigene Weste war rein; unbefleckt und frei vom Blut Unschuldiger. Die Weste des ehemaligen Kindes war es nicht.
Kaum hatte der Lehrmeister seine Geschichte zu Ende erzählt fragt einer der jungen Wächter „Was möchtet ihr uns damit lehren, Meister? Das alle Cornuti – wenn es die überhaupt gibt – für die Verbrechen der anderen ihrer Art büßen sollen? Das wir auch Unschuldige töten sollen damit wir uns selbst schuldig machen bevor die Cornuti zu Schuldigen werden können? “. Der Lehrmeister beantwortete diese respektlose Häresie mit einem milden Lächeln: „Sobald ihr euren Platz als Wächter einnehmt braucht ihr Schuld nicht zu fürchten. Was aus dieser Welt wird liegt in euren Händen, ganz egal wer an was Schuld ist.“
Die jungen Wächter nahmen ihren Platz ein und wachten. Als sie ihrerseits eine Cornuti fanden trafen sie die richtige Entscheidung.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.02.2026.
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