Katharina Schäfer

Traumland

 

Einleitung

,,Hör auf Emily, das kann nicht wahr sein. Sie ist seit 10 Jahren nicht mehr da und du warst auf ihrer Beerdigung, also weißt du das doch oder nicht?“

Emily musste dieses Selbstgespräch einfach führen, weil das, was sie vorhin in ihrem Traum gesehen hatte war so real, dass es schon fast wieder unrealistisch sein musste. Träume waren für Emily immer etwas Besonderes, nicht, weil sie sie in eine wunderbare Welt entführten, sondern, weil sie durch diese Träume manchmal dachte, nicht dort zu sein, wo sie eigentlich sein sollte.

Es war schon komisch, auch dieses Mal wieder, denn gestern war wieder einer dieser Abende, bei denen sie bereits wusste, dass die Nacht nicht erholsam sein wird, aber was sollte sie denn tun? Sie musste schlafen, sie konnte allein schon aus normaler einfacher Sicht nicht 24/7 wach sein. Also legte sie sich hin, schrieb noch ein paar Nachrichten mit ihrer Mutter über WhatsApp und hörte sich noch ein Hörbuch über You Tube an. Es sollte ihren Geist beruhigen, aber wirklich helfen tat es eigentlich nie.

Dennoch schloss Emily die Augen und hoffte, dass sie wenigstens etwas würde erholsam schlafen können, aber die Hoffnung hätte sie sich sparen können.

 

Kapitel 1

Als Emily die Augen wieder öffnete lag sie auf einer muffigen alten Couch, die nach Rauch und nassem Hund roch. Sie selbst lag dort irgendwie in einer verdrehten Position, dass selbst ein Yoga – Meister sich gewundert hätte. Es fühlte sich merkwürdig an und sie begann sich langsam aufzurichten und vorsichtig umzuschauen. Komisch die Couch auf der sie lag. Sie war ziemlich alt und abgenutzt und was noch komischer war, neben ihr lag in einer gleichsam verdrehten Stellung ein Typ, der irgendwie aussah wie dieser Schauspieler Morgan Freeman, aber was hatte ein Filmstar hier verloren? Sie kannte ihn ja nicht mal persönlich, also warum war er hier?

Emily schaute sich um und fühlte sich, als wäre sie betrunken oder hätte irgendetwas Verbotenes genommen. Zumindest kam es ihr im Moment unwirklich vor. Ihr dunkelblondes Haar war total verwuschelt und stand in alle Richtungen ab. Außerdem war da in der rechten Ecke des Raumes ein Weihnachtsbaum. Scheinbar war das hier das Wohnzimmer. Der Baum war geschmückt mit Zahlen und Kugeln. Ketten umschlossen ihn. Die Kugeln waren bestückt mit Zahlen von eins bis vierundzwanzig und kleinen Beuteln. Der untere Teil des Baumes wirkte ziemlich ungepflegt. Irgendwie so, als hätte es den Eigentümer nicht wirklich gekümmert, was dort war oder eben nicht war.

Der Raum schien zudem ziemlich schlecht durchlüftet zu sein, denn es roch so alt und muffig und die Luft war so feucht warm.

Plötzlich begann der Typ, der aussah wie ein Abbild von Morgan Freeman sich zu rühren und aufzurichten. Er fing an zu reden:,, Na Emily, wie geht es dir? Hast ja ziemlich lange geschlafen. Wie war deine Nacht?“

Da fiel Emily dieser komische automatische Rasierapparat ins Auge und sofort dachte sie, wieso benutzt du ihn nicht, hast es dringend nötig.

Emily fiel aber schnell nur eine Frage ein, die sie schnell stellte:,, Wer sind Sie überhaupt und warum sind Sie hier?“ Die Antwort auf diese Frage kam recht schnell und war einfach gehalten:,, Was? Erinnerst du dich nicht mehr an mich? Ich habe den letzten Abend mit dir hier verbracht, wir haben etwas gefeiert und ich komme doch manchmal her und mache einige Reparaturen für deine Mutter, sie ist übrigens in der Küche, falls du sie suchst. Nur kurz zur Info, sie sieht ziemlich fertig aus, vielleicht unterhältst du dich mal mit ihr. Ich will mich ja nicht in eure Familienangelegenheiten einmischen, aber sie bereitet mir Sorgen.“

Zumindest wusste Emily jetzt, wieso der Mann hier war, aber nicht, wie er hieß und das war sehr wichtig. Beide schauten sich kurz direkt in die Augen und dann sagte er den Namen:,, Okay, damit du mich nicht vergisst. Ich heiße Frank.“

Emily stand jetzt endlich auf und war ziemlich wackelig auf den Beinen. War es womöglich kurz vor Weihnachten oder Heiligabend? Plötzlich stand vor ihr eine junge Frau oder eigentlich wirkte sie mehr wie ein Teenager, sie war so leise und schnell aufgetaucht. Sie lächelte, hatte genau wie Emily dunkelblondes, aber langes Haar und das war zu einem Zopf zusammengebunden. Außerdem trug sie einen hüftlangen weiten roten Pullover mit einer dunkelblauen Jeans. Auf dem Pullover stand ,,Merry Christmas Boys and Girls“. Nun fing sie an zu sprechen:,, Hallöchen Schwester, Mama ist in der Küche, was schenkst du ihr eigentlich? Ich habe nicht wirklich etwas für sie besorgt. Meinst du, sie wird mir das übelnehmen?“ Emily war total geschockt, sie hatte eine Schwester? Das konnte eigentlich nicht sein, denn sie erinnerte sich nur an einen Bruder.

Jetzt prasselten die Worte erst richtig auf sie ein:,, Was schenken wir Mama?“ Schenken? Also war es doch Heiligabend. Normalerweise besorgte Emily immer alle Geschenke rechtzeitig, aber heute schien das merkwürdigerweise anders zu sein.

Die Gedanken in Emily sprangen auf und ab, vor und zurück. Was war hier los? Warum war sie hier, welcher Ort war das und wie lange war sie schon hier?

Plötzlich sah Emily überall auf dem Boden irgendwelche Nüsse und Nussschalen rumliegen, sie stammten von Erdnüssen, Walnüsse und Haselnüsse und da stand eine mittelgroße leicht bräunliche Tüte. Darauf war eine Gruppe von Rentieren befestigt. Schnell schaute Emily in die Tüte und sie war mit einem Schokonikolaus und anderen Schokoleckereien bestückt. Insgesamt schien die Tüte reich bestückt zu sein. Wem sie wohl wirklich gehörte? Emily wusste es nicht. In der Tüte versteckt waren außerdem noch zwei dieser typischen Figuren, die man sich zu Weihnachten überall als Deko hinstellte. Es war ein Rentier und ein kleiner Schneemann. Man konnte Teelichter hineinstellen. Emily war ziemlich verwundert und ging den Weg zur Küche. Sie wunderte sich, weil sie diesen Weg irgendwie kannte, obwohl ihr dieser Ort gleichsam so fremd erschien.

Die Paneelen und die Tapete an den Wänden erinnerten Emily mehr an das Haus einer älteren Person. Es war alles so verbraucht, verstaubt, dunkel, fensterlos und abgenutzt. Am Eingang zur Küche stand eine schlanke Frau im ungefähren Alter von Mitte oder Ende Vierzig. Sie lächelte, aber dieses Lächeln wirkte falsch und aufgesetzt. Emily erkannte direkt und deutlich, dass diese Frau vor kurzem etwas länger geweint haben musste.

,,Hallo Schatz, wie geht es dir heute? Schön dich hier zu sehen. Schau mal, was ich hier für Alle gemacht habe. Ich habe Wintereis gemacht. Das können wir uns nachher zusammen schmecken lassen, vorausgesetzt alle machen mit. Setz dich doch hin und wir plaudern ein bisschen. Ich war den ganzen Morgen alleine und freue mich doch immer mit dir zu plaudern.“

In Emily sprang sofort ein Gedanke auf: Sollte das hier wirklich ihre Mutter sein, diese Frau? Das konnte doch nicht sein, diese Frau sah so traurig. Sie hatte scheinbar ziemlich viel geweint in den letzten Stunden, aber warum? Wegen ihr oder wegen etwas anderem was geschehen war oder wegen ihrer Schwester? Da fiel Emily plötzlich ein, dass sie den Namen ihrer angeblichen Teenie - Schwester noch gar nicht kannte, das musste sie schnellstmöglich noch in Erfahrung bringen.

,,Nun ja, ich will nur kurz noch etwas klären, dann komme ich ganz schnell wieder zu dir, versprochen.“

Emily lief ganz schnell in das Wohnzimmer zurück mit dem Weihnachtsbaum und diesem Frank. Schnell nahm sich Emily die Tüte mit dem Nikolaus und den zwei Figuren und packte zusätzlich noch ein Paar Nüsse vom Boden hinzu. Und da stand wieder so plötzlich dieser junge Teenie, von dem sie nicht mal den Namen kannte.

,,Tut mir leid, dich das fragen zu müssen Schwesterchen, aber ich habe gestern ziemlich heftig gefeiert. Ich versuche gerade etwas ,, geistig aufzuräumen“, aber dein Name fällt mir nicht ein. Sag ihn mir doch mal schnell. Wirkt doch komisch, wenn ich dich die ganze Zeit nur als ,,Schwesterchen“ bezeichne oder?“

Die junge Frau schaute skeptisch in Emilys Gesicht und schien die Äußerung zu analysieren. Dabei zog sie die Augenbrauen hoch und fragte:,, Willst du mich reinlegen Schwesterlein oder hast du wirklich zu viel gefeiert?“

Emily spürte Unruhe in sich. ,,Jetzt komm schon, wir haben keine Zeit, Mama steht in der Küche und wartet auf uns.“

,,Okay, ich bin etwas schockiert über diese Art zu feiern, aber ich sage dir den Namen sofort. Ich bin deine Schwester Melanie und 14 Jahre alt. Reicht dir das vorerst aus?“

Schnell packte Emily die Tüte und lief zurück in die Küche. Ihre angebliche Mutter stand dort immer noch und bereitete ein Eis zu. Emilx fiel auf, dass die Frau deutlich geschwächt wirkte und zusätzlich diese dunklen Augenringe hatte, irgendwie so, als hätte sie keine Kraft mehr, um.

,,Oh schön, dass du wieder da bist. Wo ist denn Melanie? Kommt sie auch gleich zu unserer kleinen Gruppe? Sie liebt Eis doch am meisten.“

,,Ja, sie kommt gleich. Da bin ich mir sicher. Jeder hat Lust auf dein schönes Wintereis. Schau mal, was ich für dich habe. Ich hoffe es gefällt dir. Hast es dir verdient bei all der Arbeit, die immer anfällt.“

Emily hielt der scheinbaren Mutter die schnell zusammengefummelte Tüte hin und gab sie ihr. Die Mutter strahlte so unendlich und man sah ihre innerliche Freude und ihren Dank für das kleine Geschenk. Es schien, als hätte sie sowas noch nie erhalten. Gut das Emily das gemacht hatte dachte sie, denn ohne dieses simple Geschenk hätte die Frau wahrscheinlich gleich wieder geweint und wäre in sich zusammengesackt. War das etwa so gewollt gewesen?

,,Danke, für dieses schöne Geschenk liebe Emily. Die Figuren sind richtig süß, ich stelle sie mir oben ins Schlafzimmer und ins Wohnzimmer auf den Schrank. Damm wirkt Alles gleich noch weihnachtlicher. Außerdem werden sie mich immer an dich erinnern. Die Süßigkeiten lasse ich mir dann auf der Couch beim Fernsehen schmecken. Du bist so lieb Emily. Ich danke dir 1000-mal dafür.“

Dadurch, dass die Augen so zu strahlen begannen wusste Emily, dass diese scheinbare Mutter das verdient hatte, auch, wenn Emily sie gar nicht für ihre Mutter hielt.

Wie ein sanfter Luftzug so schnell, stand Melanie auf einmal neben ihr und schaute sich die ganze Situation an. Sie schien etwas verunsichert, als sie die Mama anschaute. Die Frau hingegen Melanie an und sie sagte sofort:,, Schau mal, als kleines Weihnachtsextra habe ich für euch, selbstgemachtes schönes Wintereis. Das magst du doch so, Melanie. Zumindest bist du immer Supermarkt immer so verrückt danach. Ich hoffe, dass es euch schmecken wird, aber das testen wir am besten gleich jetzt. Schau mal Melanie, was Emily mir geschenkt hat. Das ist doch lieb oder?“

Und da wurde es Emily klar, Melanie hatte ihrerseits niemals ein Geschenk gehabt und stand jetzt ganz mit leeren Händen da. Das war ziemlich unverschämt fand Emily. Aber helfen konnte sie Melanie jetzt auch nicht mehr.

,,Oh ja, das sieht schön aus. Da kann ich mit meinem Geschenk nicht mithalten. Aber das will ich natürlich, deshalb besorge ich einfach Übermorgen ein Neues Geschenk. Es soll dir ja gefallen und das wird es auch.“

Melanie hatte sich damit sehr schnell aus der Situation herausgeredet und das Schlimmste verhindert. Ihre Mutter schaute Melanie verständnisvoll an und gab ihr einen Kuss auf die rechte Wange. ,,Das glaube ich dir, aber das ist nicht das Wichtigste in diesen Tagen. Lasst uns nicht über Geschenke reden. Wir wollen doch lieber etwas naschen. Ist Frank eigentlich noch im Wohnzimmer? Er kann ja zu uns kommen und auch etwas von dem Eis haben. Emily holst du ihn bitte?“

Emily lief schnell zurück in das komische muffige Wohnzimmer, aber jetzt stand dort keine Couch mehr, kein Rasierer lag mehr rum und auch Frank war weg. Wo war er denn so schnell hin? Was war hier überhaupt in den letzten paar Minuten passiert? Alles wurde immer komischer, aber das Komischste sollte noch kommen, da war sie sich sicher.

 

Kapitel 2

Emily wollte zurück zur Küche und ging los, zumindest glaubte sie das, aber da war sie plötzlich nicht. Sie stand in einer Nebentür, die auf einmal aufgetaucht war und dort sah sie jetzt eine merkwürdige Treppe. Zusätzlich war es ziemlich dunkel oder eher schwarz in diesem Raum und auch hier roch die Luft muffig und überall waren Spinnweben. Emily konnte Spinnen nicht leiden. Es waren beeindruckende Tiere, aber irgendwie flößten sie ihr auch Angst und Ekel ein. Der Rückweg aus der Tür raus schien aber versperrt, also schaute Emily weiter nach vorne und die Treppe hoch. Da glaubte sie plötzlich zu erkennen, dass es dieser Weg der Weg zum Dachboden sein könnte. Sicher war sie sich aber nicht. Sie bekam Angst und ihr Herz fing an wie wild zu schlagen. Wo war sie hier nur gelandet und warum? Eben war sie doch noch bei dieser traurigen Frau in der Küche gewesen und wollte Eis essen. Und jetzt stand sie in einem fast sc hwarzen Raum. Hing das Alles irgendwie zusammen? Sie wusste es nicht und genau das bereitete ihr Angst.

,,Okay Emily, bleib ruhig, sicherlich gibt es dafür eine vernünftige Erklärung. Gleich klärt sich bestimmt Alles auf und dann ist wieder Alles gut. Kein Problem.“

Sie führte gerne diese Selbstgespräche, denn jetzt brauchte sie wirklich Beruhigung, definitiv. Aber, wenn sie das sonst machte, wusste sie, dass sie in einer außergewöhnlichen Situation war jetzt genau war sie sich da nicht wirklich sicher. Es schien Alles einfach dar und nicht dar zu sein. Eben war sie im Wohnzimmer gewesen bei Frank und der Couch und jetzt war weder die Couch, Frank oder der Rasierer dar. Emily war einfach überfordert. Warum war das gerade jetzt und heute passiert. Zusätzlich stand Emily jetzt noch vor einer Treppe, in einem nahezu schwarzen Raum und wusste nicht mal wieso, weshalb und warum.

,,Ich nehme jetzt all meinen Mut zusammen und gehe einfach vorwärts voran. Mal schauen, was da noch so kommt. Noch komischer als jetzt konnte es ja nicht wirklich werden oder? “ Aber da hatte Emily sich getäuscht.

Sie trat die Schritte zur Treppe vorsichtig und bedacht an, ganz zögerlich, denn Vorsicht ist besser als Nachsicht sagt man doch oder? Die Stufen knarrten sehr komisch und man sah, dass sie aus altem dunklem Holz waren, vielleicht Tanne, aber da kannte sich Emily zu wenig aus und im Moment war es ihr ehrlich gesagt egal. Eine Stufe nach der Anderen, ganz vorsichtig und als sie den Fuß gerade langsam gehoben hatte, sprang da etwas auf sie zu, es war komplett schwarz und behaart. Ohne es genauer gesehen zu haben, wirkte es direkt weich und irgendwie zutraulich auf Emily. Unmittelbar schön und erst nach einigen Augenblicken erkannte sie, was da wirklich stand, es war eine große Katze. Sie war tatsächlich komplett schwarz. Jedes Haar, selbst die Schnurrhaare und die Nase. Nur die Augen war golden mit schwarzen Pupillen. Sie war wie ein Blatt im sanften Frühlingswind aufgetaucht. Emily wollte sie nochmal ansehen und da war sie schon wieder weg. Wo war sie j etzt hin? Emily schaute sich um und so schnell wie sie aufgetaucht war, war sie auch wieder verschwunden. War sie jemals wirklich dar gewesen? Emily bekam immer mehr Angst und wusste nicht, was sie noch tun sollte, aber sie nahm all ihren Mut zusammen und ging weiter die Treppe rauf, Stufe für Stufe.

Diese Treppenstufen schienen gar kein Ende zu nehmen, aber das konnte ja nicht sein, denn jedes Haus musste doch ein Dach haben. Egal, ob es ein Wolkenkratzer war oder ein normales Einfamilienhaus, auch, wenn sie nicht wusste, in welche Art von Haus sie hier war, aber dem Aussehen der niedrigen 2m Räume nach zu urteilen, schien es mehr ein normales Haus zu sein und eben kein Wolkenkratzer. Emily schaute nach vorne und irgendwann schien es so als ob die Dunkelheit endlich ein Ende haben könnte, aber sicher war sie sich nicht. Trotzdem ging sie weiter nach oben und dann war sie sich doch ziemlich sicher, dass da endlich Licht am Absatz der Treppe war.

,,Endlich, ich habe ziemliche Angst. Erst dieses Treppensteigen in der Dunkelheit, dann die schwarze geheimnisvolle Katze und kurz später eben keine Katze mehr.“

Vielleicht würde sie da oben am Treppenabsatz mehr erfahren und die Situation endlich verstehen. Sie ging weiter, aber immer noch vorsichtig und ganz langsam. Trauen wollte sie der Situation einfach nicht.

Als Emily oben nach einer scheinbaren Ewigkeit endlich angekommen war, war es etwas heller und da war noch eine weitere Tür, der Boden war ebenfalls aus Holz, wie Alles hier, aber es war heller, als das bei der Treppe. Emily glaubte immer mehr daran, auf einem Dachboden zu sein. Sie drehte sich plötzlich aus irgendeinem Grund erschrocken um und da stand ein kleiner Schrank, nein, eigentlich war es eine frühere Kommode. Diese hatte drei Schubladen, aber die interessierten Emily jetzt nicht wirklich. Sie hatte viel mehr Angst vor der Sache hier als Ganzem und wollte nur hier weg und wieder dorthin zurück, wo sie eigentlich wirklich hergekommen war, aber wo war das nur?

,,Ich gehe einfach durch diese Tür und schaue, was dort ist, vielleicht kann ich ja vom Dach aus irgendwo hinschauen und Jemanden rufen oder vielleicht ist die schwarze Katze ja nochmal dar. Ich habe wirklich keinen Plan und genau das macht die gesamte Situation so angsteinflößend.“

Gerade, als Emily durch die Tür treten wollte, nahm sie hinter sich ein leises Geräusch wahr. Es war dezent, aber es klang nicht gefährlich, eher verhalten und plötzlich stand sie dar. Emily erkannte sie sofort, aber wie konnte das sein? Was war hier passiert?

,,Hallo Emily, schön dich zu sehen, warst lange nicht hier und du hast mich nicht angerufen. Das finde ich schade und das weißt du auch. Hey, was guckst du denn so komisch, du schaust mich an, als hättest du einen Geist gesehen. Was machst du überhaupt hier oben? Deine Mutter wartet unten mit Eis. Geh schnell runter, sonst hat deine Schwester gleich das ganze Eis weggefuttert und du weißt, dass sie das macht. Hast du meinen Hempel irgendwo gesehen? Ich glaube er ist vorhin hier hochgelaufen, aber ich weiß es nicht genau. Dieser Kater ist einfach so schnell und leise, aber ich liebe ihn auch so sehr.“

Emily wollte loslaufen, die Treppe wieder runter. Die Frau einfach beiseitestoßen, aber das machte man doch nicht bei älteren Damen, zumindest dachte sie das. Die Frau, die da vor ihr stand, hatte schwarze gelockte Haare, ungefähr schulterlang. Sie war etwas korpulenter, aber nicht dick. Irgendwie was dazwischen. Sie wirkte jetzt wie eine klassische Hausfrau aus den fünfziger oder sechziger Jahren. Sie hatte eine Stoffschürze um sich gebunden und in der steckten verschiedene Kochutensilien, aber genau erkennen konnte Emily sie nicht.

In diesem Augenblick war Emily wirklich klar wer dort stand, es war ihre frühere Oma, aber wie konnte das sein? Ihre Oma war schon seit zehn Jahren tot, aber die Frau, die dort stand, war ein genaues Abbild von ihrer Oma, genauso, wie Emily sie in Erinnerung hatte. Dieses schwarze lockige Haar, die Schürze, Alles wie früher aus ihrer Erinnerung. Nur, dass ihre Oma früher Katzen nie wirklich gemocht hatte, aber sie hat sich um ein oder zwei Streunerkatzen gekümmert. Diese Art zu sprechen, es entsprach ebenfalls ihrer Oma. Emily wunderte sich nur, warum sie jetzt so schnell aus dem Nichts hier auftauchte.

Gefehlt hatte Emily ihre Oma schon, es war hart gewesen sie damals einfach gehen lassen zu müssen. Sie war immer die klassische Hausfrau gewesen, aber sie konnte auch sehr bestimmend sein. Opa musste das täglich erleben und ihre Mutter ebenfalls. Sie war einfach eine Frau vom alten Schlag.

,,Emily, hallo, ich rede mit dir. Redest du nicht mehr mit mir oder was ist los?“

Emily schaute diese Frau kurzzeitig direkt an und versuchte all das zu verstehen und zu verarbeiten und da öffnete sie ihre Augen unvermittelt und sie lag in einem weichen Bett in einem bequemen Schlafanzug und unten rechts zu ihren Füßen lag eine ihrer Katzen, es war Fredi und er schaute sie so liebevoll an.

Da war sie also wieder, sie hatte den Rückweg aus dieser komischen Traumwelt gefunden und war wieder in ihrer realen Wohnung mit den langen schwarz - weiß gestreiften Vorhängen und dem HD - Fernseher und der Couch, die ihr Bruder ihr mal geschenkt hatte. Plötzlich saß da auch ihre andere Katze, es war Bobby und er war pechschwarz mit goldenen Augen.

Es war also Alles wieder nur ein Traum gewesen oder?

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.02.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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