Sind Sie verheiratet? Ja? Ich auch, aber das, was mir und meinem Mann beim Standesamt passiert ist, ist ihnen garantiert erspart geblieben. Und übrigens, wir waren nicht bei den Schildbürgern – wir waren in München.
„Grüß Gott,“ wurden wir von der elegant gekleideten Standesbeamtin begrüßt. „Dann wollen Sie also heiraten?“
„Ja“ antworteten wir synchron und schauten uns glücklich an.
„Haben Sie alle Unterlagen dabei?“
Wir gingen die Liste gemeinsam durch: Personalausweis – ja. Geburtsurkunde? „Nein“, sagte mein Mann. Ich habe keine Geburtsurkunde, weil meine Familie Heimatvertriebene sind und die Papiere auf der Flucht verloren gingen.“
„Ja, dann müssen Sie die Papiere in der Gemeinde anfordern“.
„Der Ort wurde aber dem Erdboden gleich gemacht. Den gibt es nicht mehr“, entgegnet mein Mann.
Kopfschütteln bei der Standesbeamtin. „Ohne Geburtsurkunde können Sie nicht heiraten“.
Die Gesichtszüge von meinem Mann entgleisten. „Gute Frau, als ich zur Bundeswehr einberufen wurde, hat kein Mensch nach meiner Geburtsurkunde gefragt. Ich habe 18 Monate lang Wehrdienst geleistet und bin seit rund 20 Jahren verbeamtet, weil ich bei der Münchener Berufsfeuerwehr arbeite. Noch nie wurde ich nach meiner Geburtsurkunde gefragt. Und jetzt soll ich nicht heiraten dürfen, weil dieses Dokument fehlt?“
„Jo, mai, es ist halt Vorschrift“.
Ratlosigkeit bei meinem Mann.
Die Standesbeamtin schien einzusehen, dass es auch für Vorschriften Ausnahmen geben muss, denn dass mein Mann geboren wurde, kann ja niemand abstreiten - der lebende Beweis saß schließlich vor ihr.
Mit den Worten: „Dann muss ich meinen Chef fragen, was wir da machen können“, verließ sie das Büro für eine gefühlte Ewigkeit.
Die Tür öffnete sich und mit einem zuversichtlichen Lächeln sagte die Dame zu meinem Mann. „Ich habe gute Nachrichten. Wenn Sie uns eine eidesstattliche Erklärung von Ihren Eltern vorlegen, dann können wir eine Ausnahme machen“.
„Ja toll! Und was, wenn meine Eltern nicht mehr leben?“
Die Standesbeamtin zuckte mit den Schultern und entgegnete: „Dann müssen Sie die halt selbst ausstellen“.
Jetzt musste ich mich sehr, wirklich sehr beherrschen. “Blos nicht lachen. Bleib ernst! Die verstehen hier keinen Spaß“, sagte ich zu mir.
Und so stellte mein Mann sich selbst eine eidesstattliche Erklärung aus, frei nach dem Motto: “Geboren, wenn ja, warum ?“ und schon stand unserer Eheschließung nichts mehr im Wege.
Ich hätte schwören können, dass „Die Versteckte Kamera“ ihre Finger im Spiel hatte. Aber nein, es war wirklich nur unsere deutsche Bürokratie.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.02.2026.
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