Fritz Lenders

Alleine 12

...Isabella und Terrorbaby  verbrachten eine ruhige Nacht miteinander und pünktlich um 6.00 Uhr morgends befand Biene es an der Zeit, fröhlich herumzubrabbeln und auf Bienes eigener Babysprache zu sagen :

" hey Stiefmutter, Baby hat Hunger und die Windel beginnt unangenehm zu werden. "

Isi versuchte Biene noch für 5 Minuten zu ignorieren, aber bei Isabellas kleinster Bewegung dreht der kleine Kartoffelsack den Kopf und begann dieses typische Gejaule, um Isabella auf keinen Fall weiter schlafen zu lassen.

Völlig übermüdet holte sich Isabella den Kartoffelsack namens Biene zu sich ins Bett und dachte sich, dass Isi`s  Müdigkeit vielleicht ansteckend wirken könnte?

Doch in dieser Sekunde, als Isabella verzweifelt versuchte, sich noch 10 Minuten schlaf zu stehlen, begann Biene  Isabela zu erkunden.

Die kleinen Babyhände streichelten über Isi`s  Gesicht und kleine Babyfinger versuchten Isabellas Nase langzuziehen.
Bienefinger zupften an Isabellas Lippen und als sich Bienes Hand in den Haaren von Isabella verfing, begann zuerst dieses lustige Glucksen aus dem Babymund und als sich die Hand immer mehr in Isabellas Haare verfing, begann dieses altbekannte Hupkonzert aus dem Babymund.

Oh ja, Biene konnte so richtig herzerreissend weinen.
Genaugenommen schrie sich Biene die Seele aus dem Leib, Gesicht an Gesicht zu Isabella.

" Wenn du nicht mit deinem Geplärre aufhörste, sperre ich dich unten im Keller in die Kartoffelkiste. "

Isabella versuchte so richtig böse zu blicken , was Biene jedoch ziemlich lustig fand und das Baby voller Freude , noch fester, an Isabellas Haare herumzupfte.

Isi spürte Babys Atem direkt an ihrer Nase und Sie war sich sicher, daß Biene fest zubeissen würde, wenn Zähne vorhanden gewesen wären.

" Na, du kleiner zahnloser Wurm, wollen wir mal in die Windeln sehen ?

Biene quieckte zustimmend und strampelte freudig mit den Beinen.
Die Beine des Babys vollführten einen Trommelwirbel auf Isabellas Brust und die Hand versuchte voller Schwung, Isabella zu skalpieren. 

" Biene, wir Beide müssen baden, ich weiß nicht, werd von uns der größere Stinker ist? "

Isi ließ das Wasser in die Badewanne einlaufen und bereitete nebenbei das Fläschen für Schreimonster zu.
Mittlerweile wurde das Zubereiten dieses flüssigen Babybreis fast schon zur Routine.
Und in weiteren Gedankenspielen, überlegte, ob diese Babynahrung eventuell für Papa, Mama, Klara und Alexandra geeignet sein könnte ?

Nach dem füttern von Biene. saßen die Beiden nun also im lauwarmen Wasser und plantschten fröhlich in den Fluten der Badewanne.
Isabella musste rüber ins Kaufland, um einzukaufen.

Babys Bedarf wurde immer größer.

Babyseife, Strampelanzüge zum wechseln und  einiges mehr.
Seit Isabella der einzige Mensch in der Umgebung war ( natürlich außer Biene ), erhöhte sich deren Arbeitsvolumen in einen
16-Stunden Tag.

Und Isabella bekam nicht mal Schichtarbeiterzuschlag.

Während Isabella lächeln mußte über die eigenen Gedanken..., begann Biene voller Freude ins Wasser zu pinkeln.
Wie konnte so ein kleiner Wurm, so einen kräftigen Strahl an Urin herauspinkeln ?
Dieses kleine Monster entwickelte sich für Isabella immer mehr zu einem  Lexikon des Lebens.

Nie zuvor hatte sich Isabella auch nur die geringsten Gedanken gemacht, wie es sich anfühlen konnte, einen winzigen Menschen zu betreuen, wie wundervoll es sein konnte,  ein Baby zu beobachten.

Isabella begann zu verstehen, wie sich diese unerklärbare Liebe zwischen einer Mutter und derem Baby entwickeln konnte.
Dieses Pinkelmonster flirtete unverdrossen mit Isabella, während sse gleichzeitig Isabella voller Freude anpinkelte.


" Du bist ein skrupeloses kleines Schweinchen und  du bist auch noch so unverschämt, mir bei deinen Schweinereinen ins Gesicht zu lachen. "


Allerdings musste Isabella selber lachen, weil es einfach ein typisches Geschehen in Babys Wunderland war.


Also ging es bei Biene darum, milchiges Futter aufzunehmen und auf direktem Weg im unteren Bereich wieder auszuscheiden.
Günstigsterweise auf Isabellas Bauch.

Nach einer fröhlichen Duschparty zwischen Isi und Biene, dufteten die Beiden jetzt wieder wie Menschen und waren angezogen mit bequemen Klamotten, um die anstehenden Arbeiten zu verrichten. 

Isabella hatte vor, drüben im Kaufland, die Kunden, welche am Boden schliefen, mit Windelhosen zu versorgen, die schlafenden Menschen auf Isomatten zu betten und Jeden einzelnen mit etwas Flüssigkeit zu versorgen. 

Natürlich würden viele Menschen sterben.
Vermutlich würde eigentlich Niemand überleben.
Aber aufgeben war keine Option.
Man musste im Leben immer Alles versuchen und eben die Ergebnise abwarten.

Und daher bedienten sich Isabella und Kartoffelsack nun  im Dekathlonsportgeschäft mit Unmengen an Isomatten.
15 Minuten später begann Isabella die Menschen in Windelhosen zu verpacken und entsorgte die verunreinigten Klamotten in einem Einkaufswagen, welchen Isi später nach draussen transportieren würde. 

Ausserdem musste Isabella herausfinden, wo sich die Kühlräume befanden, um die toten Menschen lagern zu können.

Die etwa 100 Kunden im Kaufland, hatten sich um die Hälfte  reduziert.

Isabella hatte 50 Tote zu entsorgen.

Und Biene war dabei äußerst störend.

Daher verbrachte Biene nun die nächsten 4 Stunden in einem provisorisch erbautem " Babyferienlager ", in der Spielwarenabteilung, zwischen aufgetürmten Kissen und Handtüchern.
Mehrere Teddybären leisteten Biene  Gesellschaft und als Isabella den letzten Toten in die Kühlanlage geschleift hatte, begann auch zugleich Bienes bekanntes Gebrülle, weil Baby eben Futter wollte.

Isabella schnappte sich den brüllenden Kartoffelsack, ging runter in die Backwarenabteilung und bereitete dem Baby das Fläschen zu , während duftender Kaffee aus der Maschiene, für ein bischen Aroma sorgte.
Die Backwaren waren mittlerweile ziemlich vertrocknet und das Fleisch, drüben im Imbiss sah auch nicht mehr verlockend aus.

Daher hatte Isabella nun ein in Folie eingepacktes Sandwitch vor sich liegen, während Biene versuchte, einen Weltrekord im Fläschchentrinken aufzustellen.

Und da Biene üblicherweise nach dem Füttern für eine Stunde schlief, benützte Isabella diese Zeit, um das Fleisch in der Auslage des Imbisses, in zwei Einkauswagen zu verfrachten und diese drüben, hinter der Tankstelle, beim Biomüll abzustellen.

Die herumstreunenden Tiere würden sich darüber freuen.

Wobei Isabella ein Horrorgedanke das Leben schwer machte.

Wenn die Hunde und Katzen kein Futter mehr hatten, würden die mit Sicherheit damit beginnen, die toten Menschen aufzufressen.
Es war das unumstößliche Gesetz der Natur.
 Es war der schon immer vorhandene Kreislauf.


" Fressen oder gefressen werden "


Und nun galt es, funkionierende Strategien zu entwickeln.
50 Menschen mussten mit Nahrung und Flüssigkeit versort werden.
50 mal musste eine Schlauchversorgung in die Mägen verschoben werden.
Und somit musste die Apotheke  im Erdgeschoss erneut beraubt werden.

Während Isabella einen weiteren Einkaufswagen  vollpackte, meldete sich Biene  lautstark, quer durch die Räumlichkeiten des Kauflandes hallend.

Und während Isabella die Idee hatte, kleine Trichter an den Schläuchen zu befestigen um Nahrung in die Menschen zu pumpen, 
vollführte Biene ein Schreikonzert der Sonderklasse. 

Naja, Biene würde in der Zukunft wirklich eine strenge Erziehung brauchen, weil ansonsten Biene Isabella erzog.
Und wieder begann dieser Anflug einer Liebe.
Dieses mystische Band zwischen Mutter und Kind begann sich zu bilden, obwohl Isabella niemals Muttergefühle bekommen wollte.

Isabella wollte Deutschlands beste Triathletin werden und nicht die Mutter der Nation. 

Und dennoch begann Isabella am Nachmittag gemeinsam mit " Kartoffelsack"  im Krankenhaus die Infusionsständer einzusammeln und auf dem Anhänger des Quad zu verladen.
Ausserdem  überlegte sich Isabella, etwas später nach einem Quadcenter zu suchen um zu erkunden, ob es grössere Anhänger gab.

Und Isabella brauchte eine Übersicht, wieviele Kühlräume in Rosenheim und Umgebung verfügbar waren.

Denn Isabella wurde klar, daß der Gestank der vielen Toten auf Dauer unerträglich sein würde.

Es sei denn , Isabella und Biene würden sich ein neues Zuhause, oben in den Bergen suchen und die paar Monate abwarten, bis sich die Leichen zersetzt hatten und verdörrt waren.
Aber dies hieß auch gleichzeitig, unzählige Menschen sterben zu lassen.

Isabella wußte aber auch, daß sie in nächster  Zeit ans Ende ihrer Kräfte gelangen würde...

Allerdings waren am frühen Abend die Familie, sowohl Alexandra und auch Comerzbankhure an Infusionsschläuchen angehängt und wurden mit einer Glukoselösung am Leben erhalten.

Nebenbei hatte Isabella begonnen, die wild umherstehenden Autos nach Möglichkeit zur Seite zu fahren. 
Und Isbella hatte mehrere grosse Gießkannen aus dem Gartencenter besorgt, um die Überlebenden auf den Strassen mitt Wasser zu benetzen.

Daher fiel Isabella jetzt, schon um 20.00 Uhr abends in einen tiefen Schlaf und träumte davon, beim nächsten Triatlon ganz oben auf dem Podest zu stehen.
Im Hintergrund krähte Biene, auf der Suche nach Futter...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.02.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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