...Isabella wurde am nächsten Morgen klar, daß Biene zuverlässiger war als jeder Wecker.
Pünktlich mit den ersten Sonnenstrahlen ertönte das Kikerikiii dieses kleines Gockels namens Biene.
Isabella bergiff nicht, warum das Baby schon unbedingt so früh am Morgen so hyperaktiv sei musste.
Weder Biene noch Isi mussten in die Arbeit oder in die Schule.
Sie Beide hatten sozusagen Dauerferien der Extraklasse.
Oh ja, und sie Beide erlebten unfreiwillig dieses Abenteuer, welches sich nur Stephen King ausgedacht haben könnte.
Da gab es doch diesen Roman, wo alle Menschen per Signal , aufhörten zu funktionierten.
Oder hieß der Roman eventuell gar * Signal *?
Jedenfalls konnte kein Schriftsteller so ein Bild aufzeichnen, welches Isabellas momentaner Realität auch nur ansatzweise näher kam.
Ganz Rosenheim und Umgebung erstickte an Leichen auf den Strassen und auch natürlich in den Wohnungen und Häusern.
Jede Menschenansammlung würde immer mehr zu Massengräbern werden.
Tag Fünf und keine Veränderung in Aussicht.
Rosenheim hatte etwa 65.000 Einwohner, wenn man Kolbermoor, Raubling und die anderen kleinen umliegenden Dörfer dazuzählte und wenn noch die Pendler und Besucher der Stadt mit eingerechnet wurden, kämen sicherlich 120.000 Menschen zusammen.
Wie sollte Isabella es bewältigen, alle Schlafenden zu versorgen und alle Toten zu entsorgen ?
Angenommen, Isabella würde alle Überlebenden an einem zentralen Platz sammeln, wo die Versorgung mit Wasser gewährleistet würde ?
Aber täglich oder sogar stündlich würden ja Menschen aus verschiedensten Gründen sterben.
Wie könnte Isi es bewältigen, alle Menschen zu pflegen und zu überwachen ?
Die Schwimmerin konnte lediglich dafür sorgen, daß die Schläfer von der Straße verschwanden und daß die Toten irgendwo nahe des Friedhofes eine vorübergehende Ruhe fanden.
Die Menschen im Krankenhaus mussten leider sozusagen durchs Fegefeuer.
Apropo Feuer.
Isabella kam da eine Idee.
Krankenhäuser, Schulen und öffentliche Gebäude hatten doch meistens eine Sprenkleranlage.
Dies wäre diese Möglichkeit, die schlafenden Menschen vorübergehend mit etwas Flüssigkeit zu versorgen!
Und so wanderte Isabella, mit Biene im Kängurusitz an der Brust hängend... durche die Etagen des Krankenhauses.
In jedem Stockwerk hielt sie ein Feuerzeug an die Fühler und jedesmal wurden Isabella und Biene mit Sprühregen überschüttet.
Was wiederum zur Folge hatte, daß sich Isabella mit einigen OP-Schürzen einen riesigen Umhang bastelte.
Isi und Biene sahen aus wie ein, durch die Gänge schleichendes Monster.
Würde einer der Patienten aufwachen, wäre der anschließend vor Schreck, per Herzanfall, sofort in Jenseits transportiert worden.
Isabella erschrak selber vor dem eigenen Anblick, als sie am großen Spiegel im Eingangsbereich vorbei ging.
Für Biene galt dies übrigens nicht.
Das Baby hatte sein Abenteuer des Lebens.
Scheinbar liebte dieses kleine plärrende Monster es, von feinem Sprühnebel durchnässt zu werden.
Naja, nur bis zu einem gewissen Punkt.
Denn nun begann wieder das altbekannte Hupkonzert aus Baby`s Mund,
Biene liebte zwar Abenteuer, hasste es aber scheinbar, nass zu sein.
Daher suchte sich Isi passende Babybekleidung in der Kinderabteilung des Krankenhauses, um Minimonster umzuziehen.
Und nun ein letzter Feueralarm und dann war Isabella zurück auf der Strasse.
Auf dem Weg in die Fußgängerzone entschied sich Isabella für ein kleines Frühstück im Kaffeehaus Bergmeister.
Da sich die Eier des Bäckers güstigsterweise in der Kühlung befanden, bereitete sich Isi drei Eier im Glas zu und bis die Eier im Wasser fertig waren, durfte sich Biene am Fläschen mit Babybrei aus der vorhandenen Thermoskanne erfreuen.
Wie gehabt und wie täglich, schlief das Baby nach dem Füttern sofort ein.
Daher saß Isabella einsam am Tisch und trank schon die dritte Tasse Kaffe.
Die Eier im Glas waren etwas zu hart geraten und außerdem waren drei Eier am Vormittag nicht unbedingt das übliche Früstücksmenü.
Aber hey, wozu gab es die Backstationen ?
Als Isabellas Brezen und Kornspitz diesen wundervollen Duft durchs Kaffee ziehen ließ,
erblickte Sie durchs Fenster eine Gestalt um die Ecken von Rosenheim schleichen.
Vorsichtig bewegte sich die Person von Ecke zu Ecke, die Kaputze des Pullovers tief ins Gesicht gezogen.
Wie unheimlich einerseits und wie erfreulich andrerseits.
Isabella wollte das Gesicht dieses Menschen sehen.
Sie öffnete vorsichtig ein Fenster, oben im ersten Stock vom Bergmeisterkaffeehaus und legte eine der Stahlkugeln in das Lederteil der Steinschleuder.
Als die Gestalt gegenüber an einem Schaufenster vorbeischlich, schoss Isi quer über den Max Josephs Platz, die Scheibe kaputt.
Panisch drehte sich die schleichende Person um und Isabella erblickte das Gesicht von Alexandra.
" Hey, komm herüber, wir sind oben im Kaffee."
Somit saßen Beide jetzt am Frühstückstisch und Aleandra erzählte Isabella,daß sie aufgewacht sei, als Isabella mit dem Quad und mit Biene an der Brust, weggefahren waren.
Sie erzählte, daß der Schlaf plötzlich geendet hatte und daß Alexandra totale Panik bekommen hatte.
Sie hatte sich ängstlich und ganz vorsichtig den Schlauch aus der Nase gezogen und sich der Windelhose entledigt.
Warum Alexandra aufgewacht war, wusste sie selber nicht, aber Alexa war ziemlich klar, daß sich Isi mit Baby sicherlich in Rosenheim herumtreiben würden.
Deswegen begab sie sich also auf die Suche.
Allerdings war es jederzeit möglich, daß sich auch andere Gestalten in der Stadt aufhielten.
Daher eben auch die extreme Vorsicht.
Und auf Isabellas Frage, ob Alexandra jemals eine Kopfverlertzung erlitten hatte, zeigte Alexa eine ziemlich lange, rote Narbe quer über den Kopf, welche im Normalfall ja von den Haaren überdeckt wurde.
Und auf Isabellas Frage, ob Alexandra eine Stahlplatte im Kopf hatte, erfuhr sie nun, daß Alexas Platte aus Titan bestand.
Es begann sich ein undeutliches Bild abzuzeichnen.
Alle Drei hatten sie schwere Kopfverletzungen und alle Dreien dienten scheinbar die Platten im Kopf als Schutz vor hypnotischen Signalen.
Lediglich war Alexandras Platte irgendwie ein bischen weniger schützend.
Aber was sowohl Isabella als auch Alexa klar wurde, war dieser Umstand, daß dieser erneute Gong ertönt war, als die Beiden per dem Sprachassistenten "Alexa", das Internet benützt hatten und per Telefon Kontakt aufnehmen wollten.
Also musste sich ab jetzt die Benutzung der Computer in Grenzen halten.
Scheinbar wurde das Internet überwacht und offensichtlich wollte Irgendwer oder Irgendwas, daß wirklich alle Menschen schliefen und ausgeschaltet waren.
Und wenn schon Internet benutzt wurde, musste sich Alexa per Stahlhelm vor Signalen schützen.
Eine Stunde später begannen die Beiden, die Strassen frei zu machen und die Autos zur Seite zu fahren.
Es musste ein Weg frei gemacht werden, um möglichst viele Menschen auf die umliegenden Fussballplätze zu transportieren und um möglichst viele Tote in die jeweiligen Kühlanlagen der Betriebe zu verfrachten.
Der grosse Fleischereibetrieb in der Nähe der Polizeistation würde über viel Platz verfügen und ansonsten hatten sicherlich jede einzelne Fleischerei oder Einkaufscenter gekühlte Räumlichkeiten.
Jetzt waren Sie immerhin zu zweit plus Kartoffelsack, welcher noch immer an Isabellas Brust schlief.
Isabella würde Alexandra nie wieder Alexa nennen, sondern wenn überhaupt, dann würde die Abenteuergefährtin zukünftig " Lexi" heissen.
Und um strategisch vorzugehen, würden die Beiden im Kaufland beginnen, für Ordnung zu sorgen und sich zumindest vom Einkaufscenter unbegrenzte Lebensmittel und Gebrauchsgüter zu sichern.
Von dort ausgehend, würden Beide systhematisch die Lebenden von den Toten trennen.
Und Biene würde vom Kängurusitz aus, Alles akribisch genau überwachen.
Was auch ganz wichtig erschien, waren einigermaßen freie Strassen.
Auf Dauer würde das Quad nicht dienlich sein.
Ein kleiner Transporter mit Ladefläche würde die Toten verfrachten und ebenfalls die Lebenden zu den Fussballfeldern fahren.
Denn von dort aus konnten die Menschen grossflächig mitt Wasser begossen werden.
Aber nach einigem hin und her überlegen, entschieden sich Lexi und Isi dafür, lieber die Turnhallen und andere beheizte Räumlichkeiten zu verwenden.
Es war besser, weil die Schläfer einerseits vor Kälte und Sonneneinstrahlung geschützt waren und andrerseits keine Tiere über die Menschen herfallen konnten.
Isabella und Lexi brauchten ebenfalls Unmengen an Noppenfolie.
Die Menschen müssten vor zu vielen Druckstellen geschützt werden.
Zumindest sollte der Schutz bis zum Herbst gesichert sein.
Denn ab dem ersten Frost war ohnehin Alles vorbei.
Die Gasversorgung der Heizkraftwerke würde mit Sicherheit zusammenbrechen.
Wenn der Winter kam, würde das Leben gehen...
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.03.2026.
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