Elke Müller

Amerika...

Widerwillig, nahm Aponi das gereichte Essen, um es den Gefangenen zu bringen. Sie näherte sich zögerlich, zeigte jedoch keine Angst, ihre Haltung war voller Stolz. Er stand einfach nur da, ohne sich vom Fleck zu rühren und wartete. Er war müde und angeschlagen. Doch hielter seine Augenfaszinierend auf sie gerichtet. Er traute ihr nicht. Ein aus Hirschleder gefertigtes Hemd, verbarg seine Muskeln, sein offenes Haar reichte ihm bis zum Ende seines Rückens und eine einzelne weiße, seitlich befestigte Feder schmückte es. Er trug eine Wildlederhose mit Fransen, darüber ein befestigtes einfaches Lendentuch, die Füße steckten in einfachen, leicht abgenutzten Mokkasin. Sie stellte das Essen ab, den es musste an Ort und Stelle gegessen werden. Sie legte Holz in der Feuergrube nach. Nahm den Wasserschlauch auf, um den gefangenen trinken zu lassen. Sie hatte nicht das Gefühl, hier einem Feind gegenüberzustehen. Kurz darauf wurde die Zeltklappe zur Seite geschoben und durch die schmale Öffnung trat der Häuptling ein und schickte sie hinaus. Man hörte draußen Aufschreie, Wehklagen und Totenklage. Manche Frauen trugen an Armen und Beinen Narben, die aus Trauer über den Tod von Ehemann, Sohn, Geschwister und Eltern, die im Kampf gefallen sind, sich zugefügt hatten. Der Medizinmann schlug auf die Trommel und sang tiefe Melodien. Akecheta nahm seinenKopfschmuck ab, setzte sich vor den Krieger nieder. Er trug nun ein kunstvoll mit Stachelschweinborsten besticktes Lederhemd, die langen die langen Haare waren vorn zu zwei Zöpfen geflochten, der Rest fiel offen über seinen Rücken. Sein Blick weilte einem kurzen Augenblick auf Bhakis Gesicht. Dieser stand da und wartete. Akecheta lies ihn von seinen Fesseln teilweise befreien und lud ihn ein, am Feuer Platz zu nehmen. Aus einer mit Perlen verzierte Tasche, entnahm er eine gut eingewickelte, zeremonielle Pfeife, stopfte diese aus einer Mischung von Tabak mit wild wachsenden verschiedenen Kräutern und Weidenrinde. Nahm einen Holzspan aus dem Feuer, setzte sie an seine Lippen und brannte sie an. Rauchen galt als ein intimes Verständigungsmittel wichtiger Gespräche zwischen Männern. Die Pfeife wurde nach einem ernsten und genau festgelegten Ritual geraucht, um einen Eid zu leisten oder einen Vertrag zu schließen. Nachdem die Zeremonie des Rauchens beendet war, wurde die Pfeife sorgfältig gereinigt und wieder geschützt aufbewahrt. Danach sah Akecheta erneut ins Gesicht von Bhaki.. „ Du,“ sagte er, „ Du bist ein stolzer, mutig und aufrichtiger Krieger. Was sucht ein erfahrener, erbarmungsloser Krieger, mit unvergleichlichem Waffengeschick, der schon gegen sehr viele Männer gekämpft hat, bei den Crow?“ Bhakti warf trotzig den Kopf in den Nacken. Er befand sich in einem Zustand, in dem ihm alles zuzutrauen war. Akecheta runzelte die Stirn. „ Euer Stamm wird gefürchtet und ebenso respektiert. was ist der wahre Grund für diesen Überfall? Ein geplanter Pferdediebstahl als Mutprobe, damit sich junge Krieger hohes Ansehen und Respekt verschaffen können, war es jedenfalls nicht. Auch ist euer Häuptling Mahihkan ( Wolf ) nicht dafür verantwortlichWarum wurde unser beider Übereinkunft gebrochen? Du warst der Anführer dieser Mannschaft. Welchen Grund hast du gehabt, das zu tun? Es wird dafür keine Ehre deiner Familie geben.“ fragte Akecheta. „ Wir wissen, ein Mann sucht sich seinen eigen Weg. Und ein Adler muss keine Krähe sein. Doch, wer alles Krumme gerade machen will, hat viel zu tun.“ Es sah aus, als wolle Bhaki etwas sagen, doch er blieb stumm, nur seine Augen funkelten wild. Eine Weile geschah nichts, keiner sagte ein Wort. Nur das knistern vom tanzenden Feuers war zu hören. Bhaki schaute vor sich auf den Boden und verlor sich in seine eigenen Gedanken. In seinem Leben hatte er schon so manche gefährliche Situation zu meistern. Trotzdem war er nicht so abgebrüht um einfach über gewisse Dinge hinwegzugehen. Es wurde schon, kaum das er laufen konnte, mit seiner harten und umfangreichen Kriegsausbildung angefangen. Er entwickelte eine scharfe Beobachtungsgabe und Reaktionsschnelligkeit eines Berglöwen. War geschickt, konnte pirschen, Wildfährten folgen, schnell laufen, springen, mit dem Speer werfen und hoch auf Bäume klettern. Wer sich dabei von Schmerzen übermannen lässt, galt als Schwächling und wurde als Narr ausgelacht oder mit Schimpf und Schande fortgeschickt. Er wurde ein sehr guter Jäger und Kämpfer. Schon im zarten Alter von 10 Jahren schwang er seine Axt, bei vollem Galopp seines Pferdes, spannte den Bogen und schoss seine Pfeile schneller ab als die anderen Jungen. Wuchs zu einem großen schlanken, kampferprobten Mann heran. Bei seinem ersten Kampf gegen den Feinde, erwarb er seinen ersten Skalp. Bekam seine ersten Wunden, die durch Narben an Armen und Körper davon zeugten Er hatte einen scharfen Verstand und verrichtete die Arbeit eines Mannes. Verfügte über Kraft und Ausdauer und an seinem Körper war kein Fett, seine Muskeln elastisch und zäh. Er lernte schmerzhaft schnell, das der Tod keinen Unterschied zwischen roten oder weißen Männern machte. Er musste kämpfen und sein Können unter Beweis stellen, was er in jahrelanger Ausbildung gelernt hatte. Er kannte den Tod. Ständig ist er näher als das Leben. Wenn er die Todesschreie seiner Feinde hörte, dann lies es diese Kampfeslust in ihm aufsteigen und spürte es, wollte auch anderen Schmerzen zuführen, um seinen eigenen Schmerz zu ersticken. Sie sollten alle in die Hölle fahren. Wieder sah er Blut, überall Blut, schmeckte dieses metallische Aroma und die Erinnerungen kamen zurück. Erinnerungen, an dem ihn alles genommen wurde. Wut stieg in ihm jedes mal auf. Äußerlich zeigte er keine Regung, aber im Inneren war ein wunder Schmerz, der sich nach Trost und Geborgenheit sehnte. Er musste töten oder selbst getötet werden. Er tat alles, um nicht nachdenken zu müssen. Verhöhnte seine Peiniger und zeigte sich unbeeindruckt, trotz der Qualen. Und trotzdem, bei jedem Kampf leuchtete Stolz, Mut, Würde,Trotz und Tragik in seinem Gesicht.

Es kratzte kurz an der Zeltwand, die Türklappe öffnete sich. Heika trat mit frisch verbundenen Verletzungen ein. Man merkte ihm die Strapazen noch an. Setzte sich neben den Häuptling, legte einen mitgebrachten Kurzbogen und Pfeile neben sich nieder und betrachtete Bhaki.genau. Dabei ging sein Blick durch und durch. Das Eintreffen von Heika schreckte Bhaki aus seinen Gedanken und blickte auf. Blitzschnell legte Heika einen Pfeil auf die Sehne seines Bogens und spannte ihn. Mit einer plötzlichen gewaltigen Kraftanstrengung sprang Bhaki auf die Beine. Heika lies den Pfeil fliegen, der den Oberarm des Gefangenen streifte und sich durch den dicken Eichenpfahl in der Mitte bohrte. Für einen Moment funkelten sich die beiden Männer an. Es entstand eine ungewöhnliche Spannung zwischen ihnen. „ Ich wollte mich selbst überzeugen, wie gefährlich unser Gast ist. Es sind unruhige Zeiten und man muss damit rechnen, das immer Unvorhergesehenes geschehen kann. Denn nach jedem Überfall wird ein neuer folgen. Doch keine Sorge, die Gastfreundschaft bleibt ihm noch ein wenig erhalten!“ Einen Augenblick lang geschah nichts. Akecheta. behielt die Fassung und lächelte. Trotzdem war er misstrauisch, hatte das Gefühl, das hier irgendetwas faul war, trotz Kombinationsgabe und der Versuch Bhaki zu studieren. Bhaki hat vielfach im Kampf, seine Tapferkeit mit den höchsten Ehren bewiesen. Doch der Kampf wird nicht nur auf dem Schlachtfeld entschieden,“ erwiderte der Häuptling und schüttelte den Kopf. „ So viele Kriege wurden gefochten, doch wofür? Jeder Krieg fordert seinen Tribut. Ich will gar nicht daran denken, was uns schon alles widerfahren ist. Da kommt einiges zusammen und innerhalb kurzer Zeit ist alles anders geworden. So sehr man sich nach Frieden sehnt, noch sind die Tage des Kämpfens nicht vorüber.“ „ Frieden wird nicht geschenkt. Ein Sieg ist ohne Frieden, nur eine andere Art des Todes,“ sagte Bhaki. „ Ja, der Teufel regiert derzeit die Welt mit Krieg, Terror und Zerstörung,“ antworte Heika. „ Die Seelen der Toten verklingen nicht, sie treiben für immer mit dem Wind. Aber die Menschen vergessen dich schnell, sobald sie dich nicht mehr brauchen. Der Krieger Bhaki ist dazu bestimmt ein großer Krieger zu sein, er hat die Gabe im Kampf zu einer tödlichen Waffe zu werden. Aber auch kleine Ding können sinnvoll und große Dinge nutzlos sein. Doch bedenke gut, du wirst dich wohl oder übel, in das Unvermeidliche fügen müssen. Auch wenn es sich hier, wahrscheinlich um Rache für frühere Überfälle handelt. Wir werden uns wohl noch etwas in acht nehmen müssen.“ Bhaki schloss die Augen. Jedes weitere Wort von diesem Kerl, heizte seine Wut weiter an. Bis jetzt besaß er nur eins, einen Todeswunsch. „ Ich bin mein eigenes Gesetz,“ lies er noch verlauten, Dann begann er ein Singsang in einem anderen Dialekt, was die anderen nicht verstanden und tauchte in eine fremde und andere Welt ein, wobei er einige Male den Kopf schüttelte, als wolle er irgendwelche Bilder vertreiben. Nun, mehr würden sie wohl heute ihren Feind nicht entlocken können. Die Wachen legten Bhaki seine Fesseln wieder an. Dann war er wieder allein.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.03.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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